Seite 2: Gewaltiges Image- und Vertrauensproblem

Richtig ist, dass die Bewer­tungen sol­cher Aktionen auch vom sport­li­chen Ergebnis abhängen. Das Wich­tige ist, dass das Pro­dukt auf dem Platz passt. Wenn wir guten Fuß­ball spielen, sind die ganzen Logos völlig unwichtig“, sagte Bier­hoff. 2018 haben wir keine ein­zige Aktion mehr gemacht als 2014. Damals hatte es keine Dis­kus­sion gegeben. Aber davon, womit wir die Mann­schaft ver­binden, haben wir 2018 viel kaputt­ge­macht.“

Bis zum Titel­ge­winn bei der WM 2014 galt die Natio­nalelf als eine Art Vor­reiter, ja Leit­stern. Davon ist fünf Jahre später nicht mehr viel geblieben. Wir müssen uns bewusst werden, dass es nicht ein­fa­cher wird“, sagte Bier­hoff nun am Mitt­woch. Mit der WM 2006 im eigenen Land war eine große Euphorie um die Natio­nalelf ent­standen. Auf dieser Welle schwamm die Mann­schaft viele Jahre. Heute müssen wir mehr tun, um das halten zu können“, sagte Bier­hoff. Die Natio­nalelf befindet sich im Kampf um die Gunst des Publi­kums in einem harten Wett­be­werb mit einem Über­an­gebot an Fuß­ball. Der Fan muss auch aus Gründen der Kosten und Zeit Abstriche machen.

Goretzka mahnt

Aber auch sonst hat die Natio­nalelf nicht immer ein glück­li­ches Bild abge­geben. Vor und nach dem Spiel gegen Est­land vor einem Monat lösten Insta­gram-Likes von Ilkay Gün­dogan und Emre Can nega­tive Schlag­zeilen aus. Sie hatten ein Like unter ein Foto gesetzt, auf dem ein befreun­deter Natio­nal­spieler der Türkei per Tor­jubel die mili­tä­ri­sche Offen­sive der des Landes in Nord­sy­rien unter­stützte. Trotz klarer State­ments gegen Krieg und Terror durch die Spieler nach dem Est­land-Spiel, erin­nerten sich viele Fans an die Bilder von Mesut Özil und Gün­dogan mit dem tür­ki­schen Prä­si­denten Recep Tayyip Erdogan, die im Sommer 2018 eine Krise beim Deut­schen Fuß­ball-Bund (DFB) aus­lösten.

Nicht nur die Mann­schaft ist in einer Fin­dungs­phase. Auch die Spitze des DFB hatte in den zurück­lie­genden Jahren ein zum Teil erschre­ckendes Bild abge­geben und mithin ein gewal­tiges Image- und Ver­trau­ens­pro­blem an der Basis. Allein die drei letzten DFB-Prä­si­denten (Zwan­ziger, Niers­bach und Grindel) schei­terten und mussten vor­zeitig abdanken. Künftig kann es für den DFB und seine erste Mann­schaft nur darum gehen, ver­spielten Kredit zurück­zu­ge­winnen. Oder wie es Leon Goretzka am Mitt­woch aus­drückte: Man muss sehen, dass der Fuß­ball das bleibt, was er war – ein Volks­sport.“