Man muss schon sehr taub sein, wenn man die Stim­mung der Fans und auch der Medien nicht hören will. Thomas von Heesen hat einen schweren Stand beim FCN und so manche zählen schon seine Tage.



Hys­terie? Bei 3 Punkten aus 2 Spielen mit 1 Punkt hinter dem Spit­zen­reiter bei Errei­chen der zweiten Runde des DFB-Pokals ist das viel­leicht auf dem Papier unan­ge­messen, gerade wenn man dabei die Umstände bedenkt, dass der Kader massiv umge­baut werden musste und eine der wesent­li­chen Säulen im Abwehr­ver­bund lange aus­fallen wird. Doch das ist nicht der Punkt

Es ist auch nicht der Punkt, dass man mal gegen Kai­sers­lau­tern einen schlechten Tag erwischt hat oder ein­fach Kai­sers­lau­tern einen sehr guten, es ist das Gesamt­paket, das momentan zwi­schen Trainer und Fans (und Mann­schaft?) offenbar (noch?) nicht passt.

Die Gründe?

TvH hatte sicher einen äußerst undank­baren Start. Hinter gefal­lenen Denk­mä­lern die Scherben zusam­men­zu­kehren und einen Neu­aufbau zu beginnen, ist sicher nicht ein­fach. Zudem eine Mann­schaft, die offenbar auch in ihrer Struktur Defi­zite auf­wies und diese Defi­zite vor allem im Bereich Füh­rungs­qua­li­täten, Ner­ven­stärke und Kon­zen­tra­tion zu suchen waren, was viel­leicht am schwie­rigsten zu kom­pen­sieren und zu trai­nieren ist.

Dazu kommt der Umstand, dass von Heesen die Tal­fahrt nicht stoppen konnte. Die ersten Spiele wurden da noch auf den alten Trainer geschoben, danach ver­suchte man sich mit der Erklä­rung, dass man sich ver­eins­seitig mit der Hypo­thek von drei undank­baren Ein­stiegs­spielen den Schwung eines Neu­an­fangs selbst beraubte.

Doch auch das wird auch der gemeine Fan noch durchaus alles ins Kalkül zu ziehen – das darf man ihm zutrauen, dass er da dif­fe­ren­ziert.

TvH hatte vom ersten Tag an – ganz sub­jektiv als Fan so emp­funden – einen unglück­li­chen Ein­stand. Äuße­rungen (aus der Erin­ne­rung), man ließe sich nicht in das Trai­ning oder die Auf­stel­lung reden oder dass eh nur der Ahnung habe, der min­des­tens mal 2. Liga gespielt habe, haben die Fans als Kritik und Bevor­mun­dung auf sich bezogen. Wäh­rend der Som­mer­pause, als viele Fans mit Dau­er­druck auf die Aktua­li­sie­rungs­taste F5 am Browser drückten um eine Per­spek­tive zu haben, wie es wei­ter­geht, tauchte von Heesen fast kom­plett ab. Und Storys über Besuche bei einem Bie­le­felder Fri­seur schürten – bei aller Bei­läu­fig­keit – doch Arg­wohn, der genährt wurde, als von Heesen nach und nach Spieler aus Bie­le­feld ins Gespräch brachte und mit Mas­ma­nidis, Boakye und Eigler davon drei sogar ver­pflich­tete – wei­tere, wie Kleine, waren oder sind im Gespräch. Wo doch gerade Bie­le­feld zum einen nicht das Maß aller Dinge war und man eigent­lich mit eben jenen Spie­lern die Arminen in der 2. Liga ver­mu­tete – heute sollen sie die (in Fach­kreisen eigent­lich als potenter ein­ge­stuften) Club-Spieler her­aus­for­dern und sogar ver­drängen können.

Mag sein, dass Thomas von Heesen privat ganz anders ist, aber er gibt sich durch die Medien kühl und arro­gant. Wurde Hans Meyer der Twist mit den Medien als schwerer Fehler ange­kreidet und dies als Tren­nungs­grund mit ange­führt, kann man bereits nach so kurzer Zeit (mit eigent­lich noch sehr wohl­wol­lender Bericht­erstat­tung) fest­stellen, dass sich viele Medi­en­ver­treter über den Umgang langsam aber sicher echauf­fieren. Inter­view-Wün­sche auf Anfragen der schrei­benden Presse werden offenbar umgangen, der Auf­tritt ges­tern im DSF schürte zudem diese Zweifel über ein har­mo­ni­sches Mit­ein­ander noch mehr. Noch schweigt die Presse, aber wenn das Heim­spiel gegen Aachen daneben geht, würde ich die mediale Jagd als eröffnet ansehen.

Nach vorne geht nichts

Doch warum? Die Test­ergeb­nisse waren so schlecht ja nicht, und in Kai­sers­lau­tern kann man ver­lieren. Doch auch ohne ein schwarz-rotes Bal­lett zu for­dern, sind die Fans und Beob­achter über den Zustand der Mann­schaft scho­ckiert. Waren die ersten Test­spiele gegen Auf­wärm­gegner noch im Resultat okay, murrten auch da schon die Spiel­be­ob­achter über die schlechte Spiel­eröff­nung. Allein die neu for­mierte Defen­sive um Wolf, Gon­calves und Schäfer ließ die Null stehen, und so genügten wenige halb­wegs gelun­gene Aktionen, um das Ergebnis freund­lich zu gestalten. Doch schon gegen die ersten ernst­haften Test­gegner sollte das nicht mehr rei­chen, und die Null stand vorne und hinten. Bereits im ersten Pflicht­spiel im DFB-Pokal bestä­tigten sich die Befürch­tungen: Nach vorne geht nichts, erst ein Elf­me­ter­schießen mit einem glän­zenden Schäfer bog die erste Ent­täu­schung ab. Das Spiel gegen Augs­burg bot keine Ver­bes­se­rung. Das ein­zige Tor aus dem Spiel ent­stand aus einem kata­stro­phalen Fehler der Augs­burger, bei dem sich Tor­wart und Abwehr­spieler auch noch ver­letzten. Selbst dieses geschenkte frühe Tor brachte nicht die erhoffte Ruhe und Sicher­heit. Am Ende stand ein schmei­chel­haftes 2:1, durch einen Elf­meter gesi­chert. Kai­sers­lau­tern sollte dann die Ent­wick­lung fast über­spitzt auf den Punkt bringen: Das 2:0 zur Pause war ein mehr als schmei­chel­hafter Zwi­schen­stand. Wie hasen­wild lief die Abwehr, nun auch noch beraubt um ihre Kon­stante Wolf, durch­ein­ander, Aba­donardo zeigte sich viel zu langsam und die beiden Außen in Defen­siv­be­langen über­mo­ti­viert und in den Aktionen feh­ler­haft. Kaum ein Pass bei der ganzen Mann­schaft, der ankam, kein Lauf­duell, das gewonnen wurde, tech­ni­sche Mängel bei der Ball­an­nahme, und – das Schlimmste – Ein­satz wurde selten mit Lauf­be­reit­schaft gezeigt son­dern eher in Aktionen, in denen man zu spät kam und dann mit­unter rüde ein­stieg.

Der Anschluss­treffer war mehr das Signal an Kai­sers­lau­tern, das Spiel nun zu beru­higen und es heim­zu­fahren, und selbst dieser Treffer war eigent­lich ein schon ver­lo­rener Ball: Vittek ließ sich bei einen der wenigen guten Angriffs­züge viel zu weit abdrängen, doch seine Flanke ver­wer­tete doch noch Boakye – bezeich­nen­der­weise der Spieler, der wohl noch nicht lang genug beim Club ist, um von diesem Virus erfasst zu sein, dass der Fähig­keiten beraubt und die Beine schwer macht. Dass das Spiel nicht trotzdem deut­li­cher ver­loren ging, mögen sich die Kai­sers­lau­terer selbst zuschreiben, und am Ende wäre alles tat­säch­lich doch noch durch Mintal auf den Kopf gestellt worden – doch das ist nun wahr­lich weder Hoff­nung noch Trost.

Die Frage ist: Warum kann die Mann­schaft, die seit HM kom­plett rund­erneuert und ergänzt wurde, auch eine Klasse tiefer die Leis­tung, die in ihr steckt, nicht auf den Rasen bringen? Diese Frage geht ganz klar in Rich­tung Trai­ner­team. Es kann nicht die For­de­rung nach noch mehr Spie­lern (am Ende auch noch aus Bie­le­feld) sein, wenn man sich die Mann­schaft im Quer­ver­gleich der Liga ansieht. Was da bei Kai­sers­lau­tern auf dem Feld stand, dürfte – ganz nüch­tern betrachtet – in einem Kai­ser­lau­tern-Nürn­berger-Gesamt­team nicht viele Stamm­spieler stellen. Den­noch gewannen sie nicht nur, sie demü­tigten den selbst­er­nannten Auf­stiegs­kan­di­daten.

In diesen Zeiten tut es gut, wenn Geduld bewahrt wird. Doch Geduld braucht auch Hoff­nung und Ver­trauen, beides hatte bisher keine Nah­rung, gerade weil Ver­trauen auch Bezie­hung braucht, und diese konnte sich bisher zum Trainer sei­tens der Fans nicht ent­wi­ckeln. Irgendwo las man, dem Trainer würden doch nur die Erfolge fehlen, doch das wäre so nicht die ganze Wahr­heit. Durch Erfolge bekommt man Aner­ken­nung und Respekt, aber noch lange keine Zunei­gung. Felix Magath zum Bei­spiel erwarb sich in Nürn­berg viel Respekt, Liebe und Zunei­gung sieht aber anders aus.

Keine Vor­ver­ur­tei­lung des Trai­ners von hier aus, auch kein vor­zei­tiger Abge­sang – ein­fach eine sub­jek­tive Fest­stel­lung von uns, den Fans, immerhin die Ziel­gruppe der ganzen Aktion Profi-Fuß­ball. Per­sön­lich sollten keine Ani­mo­si­täten gegen von Heesen bestehen (warum auch?), und der Schatten Hans Meyers liegt auch immer länger zurück. Was Sorge macht ist das Auf­treten der Mann­schaft und das Gefühl, dass es zwi­schen Trainer, Mann­schaft und Umfeld/​Fans ein­fach nicht passt und darauf keine Leis­tungen gedeihen können. Der Emp­fang im nächsten Heim­spiel wird sicher schon deut­lich fros­tiger werden, gerade weil TvH auch noch an Spie­lern wie Mintal, in Nürn­berg durchaus Lokal­he­roen, seine Maß­nahmen fest­macht, den oft phleg­ma­tisch wir­kenden Vittek (der aber in Kai­sers­lau­tern noch ein Licht­blick war, wozu aber nicht viel gehörte im Ver­gleich) spielen lässt. Und die Her­ein­nahmen von Mas­ma­nidis und Eigler waren auch nicht des Rät­sels Lösung oder konnten belegen, warum sie andere ersetzen dürfen.

TvH monierte, die Mann­schaft habe nicht das gespielt, was sie sollte. Doch so ein Satz kommt aktuell leider gar nicht gut rüber, zeigt eher Hilf­lo­sig­keit und feh­lenden Zugang zur Mann­schaft. Eben­so­wenig wie die Aus­sagen der Kai­sers­lau­terer Spieler und Fans, die Schwä­chen der eigenen Mann­schaft seien von der Nürn­berger Mann­schaft gar nicht ent­deckt worden, die der Nürn­berger aber seien wohl­be­kannt und gerade auch bei Stan­dards direkt aus­ge­nutzt worden. Sicher Wasser auf die Mühlen der Kri­tiker.

Ich wünschte, es wäre anders und der sich selbst ver­ord­nete Opti­mismus würde nicht gerade so massiv brö­ckeln. Aber ich fürchte, wenn nicht im nächsten Spiel auf Biegen und Bre­chen ein Sieg durch eine wenigs­tens über­zeu­gend geführte Mann­schafts­leis­tung (wenn schon nicht spie­le­risch) erbracht wird, werden die nächsten Wochen nicht ein­fach. Eine Garantie für den bereits jetzt so manchmal auf Kritik gereizt und dünn­häutig wir­kenden Trainer würde ich dann nicht mehr geben. Und am Ende liest man eben wieder von der einen Seite, man habe den Trainer im Umfeld nicht ange­nommen, das habe das Arbeiten von Anfang an erschwert, und die Medien und das Umfeld habe »Stim­mung gemacht«, und von der anderen Seite, der Trainer habe die Mann­schaft nicht erreicht, die harte Hand und klare Linie habe gefehlt (die HM im Umkehr­schluss vor­ge­worfen wurde, so ist das eben), und das Tisch­tuch zu den Medien sei zer­rissen.

Möge es anders kommen – ich würde es mir sogar wün­schen! Denn aktuell sehe ich keinen echten Vor­teil in einem Trai­ner­wechsel und auch keinen Kan­di­daten auf dem Markt (HM will ja eh nicht 2. Liga, zudem, denke, ich ist das Kapitel durch). Doch es ist abzu­sehen, dass mit feh­lendem Erfolg und ohne deut­liche Leis­tungs­stei­ge­rungen das von vielen schon zum Sai­son­ende ora­kelte Chaos seinen Lauf nimmt. So sind nun eben die Gesetze der Branche – und wenn man ehr­lich ist, wun­dern täte es einen diesmal nicht.

Es sagte mal einer im DSF, als Doll in die Kritik bei Dort­mund kam, wenn der Pfeil (der Kritik und Infra­ge­stel­lung) mal abge­schossen ist, wird es kein zurück mehr geben. In dem Sinne müsste ein kleines Wunder geschehen, wenn Thomas von Heesen diesen so früh in der Saison abge­ge­benen Kritik-Pfeil noch aus­wei­chen kann. Doch Wunder gibt es im Fuß­ball eben immer wieder.