Joa­chim Bäse, Sie haben Ein­tracht Braun­schweig 1966/1967 zur bisher ein­zigen deut­schen Meis­ter­schaft geführt. Bis heute reichten keiner Mann­schaft so wenig Punkte zum Titel­ge­winn. Sind Sie Meister geworden weil andere Mann­schaften schwä­chelten?
Nein, das glaube ich nicht. Wir hatten ein­fach unser ganz eigenes System, durch das wir letzt­lich Erfolg hatten. Unser Motto hieß: Hinten erstmal dicht, und vorne hilft der liebe Gott!

Aber nur mit diesem Mittel wird man doch nicht Deut­scher Meister.
Unsere Braun­schweiger Mann­schaft bestand damals aus­schließ­lich aus Spie­lern, die nie vorher auf sich auf­merksam gemacht hatten. Alle kamen aus der näheren Umge­bung und die Ein­tracht war der erste grö­ßere Verein ihrer Kar­riere. Daher hatten wir eine Kame­rad­schaft im Team, die uns letzt­end­lich zur Meis­ter­schaft getragen hat. Außerdem hatten wir mit Hel­muth Johannsen einen Trainer, der zwar fuß­bal­le­risch limi­tiert war, der aber wusste, wie er mit uns umgehen musste. Der aus­schlag­ge­bende Punkt für die Meis­ter­schaft war aber ein anderer.

Jetzt sind wir gespannt.
Unsere Spie­ler­frauen waren in der Saison ganz ent­schei­dend. Nicht nur die Spieler, son­dern auch die Spie­ler­frauen waren eine Ein­heit. Die Frauen haben dafür gesorgt, dass die Stim­mung in der Mann­schaft, auch nach Nie­der­lagen, gut blieb. Für mich haben die Frauen min­des­tens den glei­chen Anteil am Titel­ge­winn, wie die Spieler selbst.

Die Frauen können einer Mann­schaft mög­li­cher­weise den Titel ver­derben?
Selbst­ver­ständ­lich. Wenn sich die Frauen unter­ein­ander gut ver­stehen, dann ver­stehen sich die Männer auch gut. Wir haben damals unheim­lich viele Abende mit­ein­ander ver­bracht, durch die eine außer­ge­wöhn­liche Kame­rad­schaft ent­standen ist. Aber ich kann Ihnen noch eine Geschichte erzählen.

Wir bitten darum.
Unser dama­liger Tor­hüter Hans Jäcker war unheim­lich musi­ka­lisch.

Sie haben sich zur Meis­ter­schaft getanzt?
Es war die reinste Freude. Auch wenn wir mal ein Spiel ver­loren haben, haben wir uns getroffen und gefeiert.

Und was konnte er spielen?
Er konnte alles spielen. Aber meis­tens setzte er sich ans Kla­vier oder spielte auf seiner Geige. Wir hatten unglaub­li­chen Spaß und ich bin bis heute davon über­zeugt, dass diese Gründe uns über­haupt an die Spitze gebracht haben. Zu Anfang hat Ein­tracht Braun­schweig doch keiner Ernst genommen.

Sie wurden nicht ernst genommen?
Über­haupt nicht. Bei unserem ersten Aus­wärts­spiel gegen 1860 Mün­chen wussten unsere Gegen­spieler noch nicht einmal, wo Braun­schweig eigent­lich liegt. Und plötz­lich konnten diese Braun­schweiger auch noch Fuß­ball spielen.

Was war rück­bli­ckend ihr schönster Moment im Meis­ter­jahr?
Es gab viele schöne Momente. Aber zu den Schönsten gehört sicher­lich das vor­letzte Spiel in Essen. Wir waren stark ersatz­ge­schwächt, aber unsere Ersatz­spieler haben ein fan­tas­ti­sches Spiel gemacht. Spä­tes­tens da wurde allen klar, dass wir tat­säch­lich Meister werden könnten.

Wie haben Sie die Meis­ter­feier in Erin­ne­rung?
Die Feier werde ich nie­mals ver­gessen. Die ganze Auto­bahn war voll, wir mussten an nahezu jeder Rast­stätte halten. In Braun­schweig stand fast jedes Fenster offen und die Leute haben uns zuge­ju­belt. So etwas hat die Stadt seither nicht gesehen.