Herr Sobotzik, Sie haben als Sport­di­rektor des Chem­nitzer FC ver­sucht, gegen die rechts­ex­tremen Fans vor­zu­gehen. Doch dann haben Sie hin­ge­worfen. Warum?

Für mich war die Bedro­hungs­lage am Ende ein­fach zu groß. Ich wüsste nicht, warum man sich das antun muss. Wenn es tem­porär wäre und man das Gefühl hätte, man kriegt das gemeinsam hin und ist nicht fast alleine, dann wäre es anders gewesen.

Gegen Sie gab es Dro­hungen, auf einem Graf­fiti am Sta­dion stand TS töten“.

Das, was bekannt wird, ist ja immer nur die Spitze des Eis­bergs. Aber wenn Sie am Vip-Aus­gang am Park­platz abge­passt werden und Leute Sie da belei­digen oder bedrängen, ist eine Frage, die man sich stellt: Wie ernst ist das? Und man sieht ja, was es in der Politik teil­weise für Aus­maße genommen hat. Wahr­schein­lich pas­siert in 99 Pro­zent der Fälle nichts. Aber das eine Mal, da wollen Sie nicht dabei sein, wenn doch einer durch­dreht. Ich wollte es nicht darauf ankommen lassen.

Wie haben Sie ver­sucht, sich zu schützen?

Als meine Frau von Mord­dro­hungen gegen mich gelesen hat, sagte sie: Du fährst mir da nicht mehr hin. Ich habe ihr dann ver­spro­chen, mein Büro immer im Hellen zu ver­lassen und nicht wie zuvor bis spät in die Nacht dort zu arbeiten und erst im Dun­keln auf den Park­platz zu gehen. Am Ende habe ich darauf geachtet, dass ich kein leichtes Ziel bin.

Sie haben aber trotzdem noch bis Sep­tember wei­ter­ge­macht.

Ich habe immer gedacht, man kann das drehen. Es ist ja im Sport oft so, dass man durch Erfolg gewisse Dinge und Gegner aus dem Weg räumen kann. Aber dann habe ich gemerkt: Es geht nicht um Sport.

Dachten Sie tat­säch­lich, die mit sport­li­chem Erfolg ver­drängen zu können?

Ich habe schon gehofft, dass die breite Masse in der Kurve sich dann erhebt und dieser Min­der­heit nicht die Chance gibt, den Klub so massiv zu zer­stören. Aber das Grund­pro­blem ist, dass dieser 9. März nach wie vor nicht so als ein Pro­blem ange­sehen wird.

Das war der Tag, an dem die Chem­nitzer Fans im Sta­dion eine Trau­er­feier für den bun­des­weit bekannten Neo­nazi Thomas Haller ver­an­stal­teten.

Ich habe gesagt: Der kleinste Nenner, auf den wir uns com­mitten müssen, ist, dass der 9. März sowohl für den Verein als auch für die Region eine Kata­strophe war. Aber bei vielen Mit­glie­dern der aktiven Fan­szene herrscht noch die Mei­nung: Naja, man hat nur einem ver­stor­benen Fan die letzte Ehre erwiesen. Solange sich die aktive Fan­szene aber nicht ein­ge­steht, dass das ein Rie­sen­fehler war, der den Verein fast zer­störte und noch zer­stören kann, wird es für den Chem­nitzer FC schwierig, bei Null anzu­fangen und neue Repu­ta­tion zu erlangen. Das kann nur die aktive Fan­szene selbst regeln.

Hätten Sie etwas anders machen können?

Ich wüsste nicht, was. Das ein­zige, das mir per­sön­lich wohl das Leben leichter gemacht hätte, wäre gewesen, alles zu rela­ti­vieren. Nachdem ich bei­spiels­weise als Judensau beschimpft wurde, hätte ich sagen können: Das sind Ein­zelne, ich hätte es unter den Tep­pich kehren können, aber das ist nicht die Wahr­heit und wäre nicht richtig. Und ich kann damit nicht leben. Außerdem standen wir ver­bands­recht­lich ohnehin unter Beob­ach­tung.