Uli Borowka, seit kurzem gibt es den Uli Borowka Sucht­prä­ven­tion und Sucht­hilfe e.V.“, einen gemein­nüt­zigen Verein. Was hat sich Ihr Verein zum Ziel gesetzt?
Wir ver­folgen vor­rangig drei Auf­gaben. Ers­tens: Kin­dern aus Sucht­kranken Fami­lien dabei zu helfen, am sozialen Leben teil­zu­nehmen. Zwei­tens: Prä­ven­ti­ons­ar­beit leisten, bei­spiels­weise durch Lesungen und Ver­an­stal­tungen mit Fan­clubs oder Ver­einen. Drit­tens: Eine Anlauf­stelle für sucht­kranke Pro­fi­sportler sein.

Was hat Sie zu dieser Arbeit moti­viert?
Die unglaub­liche Reso­nanz auf meine Bio­grafie. Die erschien im Herbst 2012 und seitdem ist kein Tag ver­gan­genen, an dem ich nicht Mails, Briefe oder Nach­richten von Betrof­fenen bekomme. Dar­unter viele sucht­kranke Leis­tungs­sportler. Die Men­schen bedanken sich für meine Offen­heit und viele moti­viert das, selbst offener mit ihrer Krank­heit und ihren Pro­blemen umzu­gehen. Außerdem ist das Thema Sucht und vor allem Alko­ho­lismus in unserer Gesell­schaft wei­terhin sehr groß. Gleich­zeitig besteht ein hoher Bedarf an Auf­klä­rung, Prä­ven­tion und Bera­tung. Die meisten Sucht­kranken in Deutsch­land fühlen sich im Stich gelassen. Unser Verein will einen kleinen Teil dazu bei­tragen, dass sich das viel­leicht in Zukunft ändert. Aber wir stehen noch am Anfang.

Gab es auch nega­tive Reak­tionen auf Ihr öffent­li­ches Auf­treten und die Ver­eins­grün­dung?
Ich ver­suche seit einiger Zeit, den DFB zu moti­vieren, uns in seiner Rolle als größter Sport­ver­band der Welt zu unter­stützen. Ich hatte sogar schon ein sehr inter­es­santes Gespräch mit füh­renden Funk­tio­nären – kurz darauf bekam ich eine Absage. Das ist sehr schade, weil ich finde, dass der DFB alle Mög­lich­keiten dazu hat, etwas zu bewegen, wenn er sich nur offen den Pro­blemen in seinem Ver­ant­wor­tungs­be­reich aus­ein­an­der­setzt. Aber ich habe die Hoff­nung noch nicht auf­ge­geben, dass sich in dieser Hin­sicht noch etwas tut.

Sie haben sich vor einigen Wochen mit Tony Adams getroffen, dem ehe­ma­ligen eng­li­schen Natio­nal­spieler, der eben­falls erfolg­reich seine Alko­hol­krank­heit bekämpft hat und heute in seinem Hei­mat­land als ein Symbol im Kampf gegen Alkohol- und Dro­gen­ab­hän­gig­keit gilt. Worum ging es bei diesem Treffen?
Ich traf mich am Rande der Weih­nachts­feier von Tonys Klinik, die er am Stadt­rand von London unter­hält. Dort werden sucht­kranke Pro­fi­sportler behan­delt und mit allem ver­sorgt, was sie zu ihrer Bes­se­rung benö­tigen. Eine sen­sa­tio­nelle Ein­rich­tung. Tony ist ein fan­tas­ti­scher Mensch, der vor zwölf Jahren genau dort stand, wo ich heute bin. Als ich ihm von meinen Pro­blemen in Deutsch­land erzählt habe, hat er nur geschmun­zelt. Auch ihm wurden damals bei der Suche nach Unter­stüt­zern die Türen vor der Nase zuge­schlagen. Heute betei­ligen sich die Regie­rung, die eng­li­sche Pro­fi­spie­ler­ver­ei­ni­gung PFA und Pro­mi­nente wie Elton John an seinem Kampf. Tony wird mir helfen, dass unsere gemein­same Sache auch in Deutsch­land Erfolg hat. Auch wenn das sicher­lich noch schwie­riger wird als in Eng­land.

Warum?
Die deut­sche Gesell­schaft hat ein großes Pro­blem: Sie spricht nicht gerne über Pro­bleme. Im Ide­al­fall hat jeder eine weiße Weste, geht es allen gut, gibt es keine Schat­ten­seiten. Dass das selbst­ver­ständ­lich völ­liger Blöd­sinn ist, weiß jeder normal den­kende Mensch. Auch Tony hat mir das bestä­tigt. Er arbeitet inzwi­schen in ver­schie­denen euro­päi­schen Län­dern mit seinem Pro­gramm und ist dort überall auf offene Ohren gestoßen. Aber weißt Du, wo ich mir die Zähne aus­ge­bissen habe“, sagte er, bei euch in Deutsch­land!“

Haben Sie den­noch erste Erfolge mit Ihrem Verein feiern können?
Es sind die kleinen Schritte in die rich­tige Rich­tung, die uns jedes Mal die Bestä­ti­gung geben, dass wir das Rich­tige machen. Zum Bei­spiel eine Weih­nachts­ak­tion für sucht­kranke Mütter und ihre Kinder, die vom Verein Frau­Sucht­Zu­kunft e.V.“ betreut werden. Oder ein ganz­tä­giger Work­shop in der Jugend­ar­re­st­an­stalt Berlin. Und selbst­ver­ständ­lich die sucht­kranken Men­schen, mit denen ich in Kon­takt stehe und hoffe, ihnen eine hel­fende Hand zu sein.

Was wün­schen Sie sich für 2014?
Dass die großen Ent­scheider in unserem Land, in unserem Fall der DFB und die Politik, den Mut haben, mehr Offen­heit bei den ver­meint­li­chen Tabu­themen Sucht und Alko­ho­lismus zu wagen.

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Alle Infos zum Uli Borowka Sucht­prä­ven­tion und Sucht­hilfe e.V.“, auch zu den Mög­lich­keiten, den Ex-Fuß­baller und seinen Verein zu unter­stützen, findet ihr auf der VER­EINS-HOME­PAGE und der Face­book-Prä­senz.