Herr Kluge, haben Sie im DFB-Pokal­fi­nale schon mit dem Club mit­ge­fie­bert, oder waren Ihre Gedanken zu dem Zeit­punkt noch bei dem Abstieg der Borussia?

Selbst­ver­ständ­lich habe ich den Jungs die Daumen gedrückt. Es ist ganz klar, dass man sich mit dem Verein freut, zu dem man wech­selt.

Wie lange hat der Abstieg bei Ihnen noch nach­ge­wirkt?

Das beschäf­tigt einen natür­lich noch eine ganze Weile. Im Urlaub konnte ich aber den nötigen Abstand gewinnen und mich davon frei machen. Der Abstieg war keine schöne Sache, aber ich habe ihn ver­ar­beitet. Jetzt freue ich mich auf meine neue Auf­gabe in Nürn­berg.

Gab es trotz des Abstiegs mit Glad­bach in der letzten Saison etwas Posi­tives, das Sie mit nach Nürn­berg nehmen?

Auf jeden Fall. Es war sehr schön, wie die Fans mich ver­ab­schiedet haben. Ich wurde nicht vom Hof gejagt, son­dern die Fans haben mich gefeiert. Das ist nicht all­täg­lich, wenn man absteigt. Das war eine sehr tolle Erfah­rung, und hat mir gezeigt, dass meine Art, Fuß­ball zu spielen, ankommt.

Wann stand Ihr Wechsel nach Nürn­berg fest?

Das war im Früh­jahr. Der erste Kon­takt kam um Weih­nachten herum zustande. Hans Meyer hatte mich ange­rufen und ange­fragt. Das hat mich sehr gefreut. Nürn­berg stand zu dem Zeit­punkt schon erstaun­lich weit oben, so dass ich mir einen Wechsel zu dem Zeit­punkt durchaus vor­stellen konnte.

Inwie­weit haben Sie von da an auf die Ent­wick­lung in Nürn­berg geachtet?

Natür­lich habe ich die Ent­wick­lung beim Club ver­folgt. Das gebe ich ganz ehr­lich zu. Ich denke, das ist auch ganz normal.

Sie gelten im Mit­tel­feld als sehr fle­xibel ein­setzbar. Auf wel­cher Posi­tion fühlen Sie sich am wohlsten?

Ich bin über­haupt nicht auf eine Posi­tion fest­ge­legt. In Glad­bach habe ich auf sämt­li­chen Posi­tionen im Mit­tel­feld gespielt. Ich bin beid­füssig, kann gegen den Mann oder auch selber den freien Mann spielen.

Wel­chen Anteil an Ihrem Wechsel hatte die Tat­sache, dass Hans Meyer den Club trai­niert?

Das war sicher­lich ein mit­ent­schei­dender Grund. Er war bereits in Glad­bach mein Trainer. Daher kennt er mich schon lange, weiß, wie ich Fuß­ball spiele, und was für ein Mensch ich bin.

Hätten Sie sich auch einen Wechsel nach Nürn­berg vor­stellen können, wenn Hans Meyer dort nicht Trainer gewesen wäre?

Ja. Ich hätte mir das Angebot natür­lich ange­hört. Wenn ich auch ohne Hans Meyer genauso das Gefühl gehabt hätte, dass der Club mich will, dann hätte das auch ohne ihn der Fall sein können.

Was zeichnet Hans Meyer als Trainer aus?

Er ist sehr akri­bisch und weiß genau was er will. Er ana­ly­siert die Mann­schaften sehr gut, und er gibt ein klares tak­ti­sches System vor, an dass die Spieler sich zu halten haben. Seine Arbeit, die er hier in Nürn­berg geleistet hat, spricht für sich. Nürn­berg hat sehr guten Fuß­ball gespielt, und ist die Mann­schaft ist auf dem Platz eine echte Ein­heit gewesen.

Hat sich Hans Meyer im Umgang mit den Spie­lern und der Öffent­lich­keit in Nürn­berg im Ver­gleich zu seiner Zeit in Chem­nitz bzw. Glad­bach ver­än­dert?

Viel­leicht ist er in man­chen Dingen ein biss­chen lockerer geworden. Aber meinen ersten Ein­drü­cken nach zu urteilen, ist er im Großen und Ganzen immer noch der Gleiche wie damals.

In Glad­bach haben sie in sieben Jahren sehr tur­bu­lente Zeiten durch­lebt. Sie waren sozu­sagen die ein­zige Kon­stante im Team. Könnten Sie noch alle Spieler auf­zählen, mit denen sie in Glad­bach zusammen gespielt haben?

Oh, das ist nicht ein­fach. Die vielen Spie­ler­trans­fers sind ganz sicher ein Grund gewesen, warum die Ent­wick­lung in Glad­bach rück­wärts ging anstatt nach vorne. Es ist sehr schade, welche Ent­wick­lung die Borussia genommen hat, denn der Verein ist mir in all den Jahren sehr ans Herz gewachsen. Das haben wir uns in Glad­bach alle anders vor­ge­stellt.

Haben die Ver­ant­wort­li­chen mit Ihnen oder anderen Füh­rungs­spie­lern über die Ein­kaufs­po­litik gespro­chen, sich zum Bei­spiel mal einen Rat aus der Mann­schaft ein­ge­holt?

Mit den Spie­ler­trans­fers haben wir nichts zu tun gehabt, und das ist auch nicht unsere Auf­gabe, darauf Ein­fluss zu nehmen. Wir sollen auf dem Platz stehen und unsere Leis­tung bringen.

Dem Ver­nehmen nach wären Sie sogar bereit gewesen, mit Glad­bach in die zweite Liga zu gehen. Unter wel­chen Vorraus­set­zungen?

Wenn ich in Glad­bach genauso das Gefühl gehabt hätte, dass sich um mich bemüht wird, wie ich es hier jetzt in Nürn­berg ver­spüre. Erst Chris­tian Ziege (seit März neuer Sport­di­rektor in Glad­bach, d. Red.) hat sich stark für meine Ver­trags­ver­län­ge­rung ein­ge­setzt, aber da war es schon zu spät.

Sie sagen, der Club habe sich um Sie bemüht. Was bedeutet das kon­kret?

Es ist wichtig zu merken, dass der Verein einen unbe­dingt haben will. Man steht mit den Ver­ant­wort­li­chen in Kon­takt und tauscht sich aus. Man muss wissen, worauf man sich ein­lässt, wie die Mann­schaft aus­sehen soll, und wie man sich die Zusam­men­ar­beit vor­stellt. Bei Hans Meyer weiß ich, auch aus meiner Zeit in Glad­bach, was mich erwartet.

Was bedeutet ein Transfer in eine andere Stadt für Sie per­sön­lich? Schließ­lich hat es ja große pri­vate Kon­se­quenzen, wenn man sein ver­trautes Umfeld ver­lässt.

Ich gebe zu, dass es mir nicht sehr leicht gefallen ist. Ich bin sechs Jahre in Glad­bach gewesen, das ist für einen Fuß­ball­spieler heut­zu­tage eine sehr lange Zeit. Da lernt man auch viele Leute kennen, die mit Fuß­ball nichts am Hut haben. Am Anfang ist es also nicht so ein­fach, aber ich werde sicher auch hier in Nürn­berg viele neue Leute kennen lernen.

Wie hat die Mann­schaft Sie auf­ge­nommen?

Sehr gut. Die Mann­schaft ist absolut intakt und hat mir den Ein­stand sehr leicht gemacht. Ich freue mich auf das, was mich hier noch erwartet.

Gibt es Gemein­sam­keiten zwi­schen Glad­bach und Nürn­berg?

Beide Ver­eine haben eine große Tra­di­tion. Durch den Pokal­sieg und die Euro­pa­po­kal­teil­nahme herrscht hier eine rie­sige Euphorie. Das erin­nert mich an mein erstes Jahr in Glad­bach, als die Borussia grade wieder in die erste Liga auf­ge­stiegen war. Beides sind sehr leben­dige Ver­eine, die voll von den Fans ange­nommen werden. Das ist für die Spieler eine schöne Sache. Die Sta­dien sind immer gut besucht. Selbst zu den Vor­be­rei­tungs­spielen kommen sehr viele Fans.

Und der größte Unter­schied?

Hier ist die Mann­schaft eine Ein­heit. Das war in Glad­bach im letzten Jahr nicht immer der Fall. Da gab es Grüpp­chen­bil­dung, und es haben nicht alle an einem Strang gezogen. Das ist hier ganz anders. Hier zieht jeder mit. Das ist auch das Wich­tigste und die Grund­vor­aus­set­zung, um Erfolg zu haben.

Könnte Nürn­berg den Glad­ba­chern als Vor­bild dienen? Schließ­lich ist es noch nicht allzu lange her, dass es in Nürn­berg bis­weilen ähn­lich drunter und drüber ging wie in den ver­gan­genen Jahren in Glad­bach.

Ich hoffe, dass mit Chris­tian Ziege jetzt eine gewisse Kon­stanz in den Verein hinein kommt. Es muss das Ziel sein, dass die Mann­schaft wieder ein Gesicht bekommt. Das hat dem Verein in den letzten Jahren gefehlt.

Was sind die Ziele des Clubs in dieser Saison?

Prio­rität hat die Bun­des­liga. Da wollen wir eine gute, ruhige Saison hin­legen. Aber wir wollen auch im Pokal wieder so weit kommen wie mög­lich – und im UEFA-Cup die Grup­pen­phase errei­chen.

Im Mit­tel­feld des Clubs herrscht große Kon­kur­renz. Was sind Ihre per­sön­li­chen Ziele für die Saison?

Klar, die Kon­kur­renz ist groß, aber dessen war ich mir bei meinem Wechsel bewusst. Ich will natür­lich spielen und erfolg­reich sein. Wichtig ist, gesund zu bleiben, und jede Trai­nings­ein­heit zu nutzen, um mich zu ver­bes­sern.

Sie wurden auch schon mal mit der Natio­nal­mann­schaft in Ver­bin­dung gebracht. Ist das noch ein Thema für Sie?

Nein, absolut nicht. Mir ist wichtig, hier in Nürn­berg Leis­tung zu bringen, wie ich es auch in den letzen Jahren in Glad­bach getan habe. Über alles andere mache ich mir keine Gedanken.