Seite 2: Der Größte von allen

Aber natür­lich war das kein Stück über­trieben. Für jeden Dort­munder meiner Genera­tion war, ist und bleibt Manni Burgsmüller der Größte von allen. Er ist zwar nicht, wie gerade in einigen Nach­rufen zu lesen war, der Rekord­tor­schütze des BVB, denn Adi Preißler gelangen (in allen Wett­be­werben) zehn Tore mehr und auch Michael Zorc liegt hauch­dünn vor Manni. Doch Zorc spielte zehn Jahre länger für die Borussia als Burgsmüller – und durfte die Elf­meter schießen, wovon noch die Rede sein wird. 

Adi Preißler gelangen seine Treffer für eine der besten Mann­schaften des Landes, die zweimal Meister und einmal Vize­meister wurde. Er spielte außerdem in der Ober­liga West, in der so man­cher Gegner schwach auf der Brust war. Manni hin­gegen schoss 135 Bun­des­li­ga­tore für ein Mit­tel­klas­se­team, das sich in den sieben Jahren, die er in Dort­mund ver­brachte, nur einmal für Europa qua­li­fi­zieren konnte, und das ohne ihn bald richtig abschmieren sollte. Dabei war Burgsmüller noch nicht mal Stürmer, son­dern spielte im offen­siven Mit­tel­feld! Eigent­lich kaum zu glauben, dass selbst Sté­phane Cha­puisat, Robert Lewan­dowski oder Pierre-Eme­rick Aub­ameyang nie an Mannis Tor­aus­beute her­an­kamen.

Ver­dammt cooler Typ

Aber Tore allein machen noch keinen Helden. Manni war das Idol aller Fans, die in den späten Sieb­zi­gern und frühen Acht­zi­gern auf der Süd­tri­büne standen, weil er ein­fach ein ver­dammt cooler Typ war. Heute redu­ziert man ihn gerne auf seine fast schon sprich­wört­liche Schlitz­oh­rig­keit. Das ist nicht völlig falsch, so erin­nere ich mich gerne an ein Abend­spiel gegen Werder Bremen im Früh­jahr 1982. Kurz vor dem Ende bekam der BVB beim Stand von 0:0 eine Ecke. Manni trabte mit seinem typi­schen, leicht schlur­fenden Lauf­stil in Rich­tung Straf­raum, wo ihn ein Bremer Mann­de­cker in Emp­fang nahm. Plötz­lich kniete sich Manni nieder und nes­telte an seinem Schuh herum. Offenbar war ihm ein Schnür­band auf­ge­gangen. Der Ver­tei­diger stand etwas ratlos daneben. Wie deckt man jemanden, der am Boden hockt? Da kam die Ecke herein, Manni sprang auf, machte zwei Schritte nach vorne und köpfte den Ball ins Netz.

Wegen sol­cher Anek­doten ver­gisst man manchmal, dass Burgsmüller ein kom­pletter Spieler war. Viel­leicht wie später Andreas Möller, natür­lich nicht ganz so schnell, dafür kopf­ball­stärker und kalt­blü­tiger vor dem Tor. Außerdem sah Manni – mit seinen langen Haaren und dem Trikot, das immer aus der Hose hing – ein­fach geil aus, wenn er kickte. Wären die Haare nicht blond gewesen, hätte man ihn fast für einen dieser ele­ganten, sau­coolen Ita­liener halten können. Das heißt, bis er den Mund auf­machte und mit seiner Essener Kod­der­schnauze einen Spruch raus­haute.