Erich Maas, gleich am ersten Spieltag findet das Nord­derby gegen Werder Bremen statt. Auch im Meis­ter­schafts­jahr 1967 hieß Ein­trachts Auf­takt­gegner Bremen. Ein posi­tives Omen?
Das ist ja inter­es­sant, das wusste ich gar nicht. Warum nicht nach 46 Jahren wieder Geschichte schreiben!? (lacht) Im Ernst: Ich wün­sche mir ein­fach, dass der Klas­sen­er­halt gelingt. Mit dem Etat und der Kon­kur­renz käme das einer Meis­ter­schaft gleich. Früher war die Kon­kur­renz natür­lich auch immens, doch die Kluft zwi­schen den Teams nicht so groß. Heute könnte selbst meine Frau Bayern und Dort­mund trai­nieren und unter die ersten Drei führen.
 
Ein­tracht Braun­schweig ist wieder erst­klassig, obwohl der Auf­stieg in die 2. Liga erst 2011 gelang. Wie sehen Sie die Ent­wick­lung der jungen Mann­schaft?
Torsten Lie­ber­knecht hat mit wenigen Mit­teln eine gute Mann­schaft auf­ge­stellt. Die Mischung aus talen­tierten Spie­lern aus der eigenen Jugend, gut inte­grierten Legio­nären und älteren Füh­rungs­spie­lern hat in den letzten Jahren ihre Früchte getragen.
 
Ihr Trainer in der Meis­ter­saison, Hel­muth Johanssen, zählte auf ein Defensiv-Boll­werk und ein schnelles Umschalten mit gefähr­li­chem Kon­ter­spiel. Dafür bil­deten Sie und Klaus Ger­wien ein kon­ge­niales Duo. Wie schätzen Sie Ihre dama­lige Leis­tung ein?
Wenn ich mal die Beschei­den­heit bei­seite lasse, würde ich behaupten, dass wir viel­leicht zu den besten Flü­gel­stür­mern in Deutsch­land zählten. Das betonte etwa der Dort­munder Tor­wart Hans Til­kowski immer wieder. Klaus und ich haben uns damals sehr gut ergänzt, ich war der gerad­li­nige Arbeiter und Ger­wien der ver­spielte Dribbler.
 
Nicht zu ver­gessen Halb­stürmer Lothar Ulsaß. Das war ja fast schon ein nie­der­säch­si­sches Magi­sches Dreieck“.
Ulsaß hat unser Offen­siv­spiel kom­plet­tiert und war neben seiner Abschluss­stärke auch der Lenker des Spiels. Aber man darf die anderen nicht ver­gessen. Wir waren eine gute Truppe, die zusam­men­hielt. Von Trainer Johanssen bis zu zum Prä­si­denten Ernst Fricke – alle zogen an einem Strang.
 
Ihr dama­liger Tor­wart Horst Wolter sagte einst über die Ein­tracht: Als die Kölner und andere Ver­eine schon in tollen Glit­zer­tri­kots auf­liefen, trugen wir noch die alten Baum­woll-Hemden, die im Regen immer kleiner wurden.“ Trugen Sie sicher­heits­halber immer eine Nummer größer?
Nein, ich ris­kierte ein eng­an­lie­gendes Trikot. (lacht) Die Aus­sage von Horst spie­gelt gut den Ruf wider, den wir damals inner­halb der Liga genossen. Wir galten näm­lich als Pro­vinz­fuß­baller, und es hieß, dass der große Fuß­ball nur in großen Städten oder Sta­dien, wie damals Ham­burg oder Köln, gespielt wird. Des­halb wurden wir später der Pro­vinz­meister aus Nie­der­sa­chen“ getauft.
 
Was war Ihrer Mei­nung nach das Geheimnis des Erfolgs? Die Phi­lo­so­phie des Trai­ners?
Ver­mut­lich. Er hat uns Spie­lern immer sehr viel Zeit für unsere Fami­lien ein­ge­räumt. Das war wichtig, um mal abschalten zu können und hat sicher­lich zur posi­tiven Atmo­sphäre im Klub bei­getragen. Aller­dings galt das auch für die Mann­schaft. Am Tag vor jedem Heim­spiel fuhren wir ins Grüne und ver­brachten den Abend zusammen. Wobei das natür­lich auch einen wei­teren Grund hatte…
 
Er wollte Sie im Auge behalten?
Richtig. Ich ver­gleiche Johanssen gern mit den Straßen in Däne­mark: Er war immer gera­deaus. Wenn er mal eine Rich­tung ein­ge­schlagen hat, dann konnte man ihn schlecht davon abbringen. Letzt­end­lich wollte er durch die gemein­samen Abende ver­hin­dern, dass wir über die Stränge schlugen und so den Fokus ver­lieren.
 
Was war Ihr größter Moment in dieser his­to­ri­schen Saison?
Das Aus­wärts­spiel in Düs­sel­dorf war für mich wirk­lich beson­ders. Wir sind damals früh in Rück­stand geraten und taten uns danach sehr schwer. Kurz vor dem Schluss­pfiff schoss Georg Dulz den Ball nach vorne, ich nahm ihn im Mit­tel­feld an und rannte die Linie ent­lang. Der Ver­tei­diger zerrte an meinem Trikot, bis er es mir vom Leib zog. Doch der Schieds­richter ließ Vor­teil laufen.
 
Obwohl Sie kein Trikot mehr trugen?
Damals hatten die Schieds­richter mehr Frei­räume in der Aus­le­gung von sol­chen Situa­tionen. Des­halb erkannte er den Vor­teil wohl für wich­tiger an als das Foul – auch wenn ich ober­kör­per­frei auf dem Platz stand! (lacht)
 
Was pas­sierte dann?
Ich rannte weiter bis zur Eck­fahne und schlug eine lange Flanke in den Straf­raum, die Jürgen Moll volley in den Winkel drosch. Ein wun­der­schönes Tor! Es war der erlö­sende Aus­gleich zum 1:1.