11FREUNDE wird 20!

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Außerdem prä­sen­tieren wir euch an dieser Stelle in den kom­menden Wochen wei­tere spek­ta­ku­läre Repor­tagen, Inter­views und Bil­der­se­rien. Heute: der große Treter-Stamm­tisch.

11 Freunde Das große 11 Freunde Buch Kopie

Meine Herren, wie stehen Sie zum berüch­tigtsten Foul des WM-Som­mers 2014: der Attacke gegen Neymar. Absicht?
Uli Borowka: Klare Absicht.
Michael Schulz: Ein Foul ist meis­tens Absicht. Aber ich glaube nicht, dass der Kolum­bianer eine Ver­let­zungs­ab­sicht hatte.
Helmut Rahner: Gene­rell ist bei dieser WM ja nicht viel abge­pfiffen worden. Diese Szene war dann nur der Höhe­punkt.

Hat Sie das an alte Zeiten erin­nert?

Schulz: Die meisten Fouls bei der WM waren ja keine bös­ar­tigen. Früher wurde viel mehr geholzt. Da hat­test du bei den Schieds­rich­tern in der Regel ein Foul frei.

Heißt das, die Leute sind ein­fach nichts mehr gewohnt, wenn ihnen die Welt­meis­ter­schaft brutal vor­kommt?
Rahner: Gegen­über den Acht­zi­gern und Neun­zi­gern ist das heute Kin­der­ge­burtstag.
Schulz: Bös­ar­tige Sachen müssen unter­bunden werden, aber solange nie­mand ver­letzt wird, sollten die Schieds­richter mal ein Auge zudrü­cken. Der Fuß­ball ging ja zuletzt fast ein biss­chen in Rich­tung Bas­ket­ball. Ich finde es gut, dass da jetzt mal ein biss­chen gegen­ge­steuert wird.
Borowka: Das Pro­blem ist aus meiner Sicht ein anderes. Bei einer WM spielen die besten Mann­schaften der Welt, aber die Schieds­richter können da über­haupt nicht mit­halten. Weil sie zu Hause oft in ganz schwa­chen Ligen pfeifen, sind sie nicht in der Lage, die Zwei­kämpfe richtig zu bewerten.

Wird in der Bun­des­liga heute zu klein­lich gepfiffen?
Borowka: Ich habe den Ein­druck, dass die glei­chen Schieds­richter bei inter­na­tio­nalen Spielen viel mehr durch­gehen lassen als national.
Rahner: Ehr­lich? Ich habe gerade den Ein­druck, dass sich das mehr und mehr angleicht.
Schulz: Grund­sätz­lich muss man aber auch sagen, dass man wegen des immer höheren Tempos im Spiel heute gar nicht mehr so pfeifen könnte wie früher. Wäre viel zu gefähr­lich.

Mein Lieb­lingstrick kam eher aus der Psy­choecke“

Michael Schulz

Wie früher“ heißt was?
Borowka: Zum Bei­spiel von hinten in den Mann rein­springen. Damals ging das, da war es egal, ob du Mann oder Ball triffst – Haupt­sache, es fliegt was. Wenn du das heute machst, ist es sofort eine Rote Karte.

Sie drei standen im Ruf, Gegen­spieler der unan­ge­nehmen Sorte zu sein. Was war Ihr fie­sester Trick?
Borowka: Meinen habe ich in der Glad­ba­cher Schule gelernt. Wenn du im Straf­raum stehst, schauen, wo der große Zeh des Gegen­spie­lers ist – und dann mit einem 16er-Stollen einmal kurz drauf­treten. Oder man tut so, als wolle man einem Spieler wieder hoch­helfen und dreht ihm dabei das Ohr um.
Schulz: Mein Lieb­lingstrick kam eher aus der Psy­choecke. Ich stand wegen meiner Größe ja oft über dem Gegen­spieler, hab ein biss­chen am Trikot gezupft und ihm von hinten ins Ohr gehaucht. Das machte die wahn­sinnig. Spä­tes­tens, wenn einer den Ellen­bogen aus­fuhr, wuss­test du, dass du gewonnen hast.
Rahner: Psycho kannten wir auch. Psycho 1, 2 und 3. Zu meiner aktiven Zeit wollte keiner mit mir ein Bier trinken gehen, ich hab meine Gegen­spieler gejagt wie ein Hund. Mich hätte man nachts um drei dafür wecken können. Mir hat es Spaß gemacht, den Gegen­spie­lern den Spaß zu nehmen. Nah ran an den Mann und klar machen: Heute gehst du nicht über Los!“
Schulz: Na ja, die Sache hat zwei Seiten. Ich war irgend­wann ganz unten ange­kommen. Viele wissen das heute nicht mehr, aber ich war der ein­zige Spieler, der keine Lizenz mehr bekommen sollte. BVB-Manager Michael Meier kam zu mir und sagte: Tut mir leid, Langer, aber du kannst hier nicht mehr spielen.“

Was genau haben Sie sich zuschulden kommen lassen?
Schulz: Ich hatte sie ja wirk­lich nicht alle. Die schlimmsten Sachen habe ich nach dem Spiel gemacht, bin noch voller Adre­nalin den Lini­en­richter kör­per­lich ange­gangen und so was. Irgend­wann hat man mir auto­genes Trai­ning emp­fohlen und das hat gewirkt. Vor den Spielen habe ich mir dann sug­ge­riert, dass der Schieds­richter immer recht hat, egal was er pfeift, und dass ich mich stets für den Pfiff bedanken werde. Danach bin ich inner­halb eines Jahres vom tiefsten Punkt meiner Kar­riere in die Natio­nal­mann­schaft gekommen.

Helmut Rahner, Sie waren als Rambo“ ver­schrien.
Rahner: Ich habe das immer als Kom­pli­ment auf­ge­fasst. Wenn mein Gegen­spieler zur Halb­zeit aus­ge­wech­selt wurde, na herz­li­chen Dank! Aber viel­leicht war ich eh nicht ganz normal. Bernd Hol­ler­bach und ich waren auch die Ein­zigen, die unter Felix Magath trai­nierten und sagten: Geil, wir trai­nieren bei Magath!“ Hat sonst keiner gemacht.

Uli Borowka, 52, genannt Die Axt“. Meister und Euro­pa­po­kal­sieger mit Werder, 6 Län­der­spiele. In seiner Auto­bio­grafie Volle Pulle“ the­ma­ti­sierte er seine Alko­hol­sucht.

MG 1212 borowka RZ
Jan Wel­che­ring