Seite 2: „Wir sind nicht enttäuscht, wir sind verärgert“

Im Pokal hat sich die Mann­schaft durch eine Nie­der­lage gegen Ein­tracht Braun­schweig, den Vor­letzten der Zweiten Liga, bereits in der ersten Runde ver­ab­schiedet, und in die neue Saison der Bun­des­liga ist sie nun mit einer Nie­der­lage im Derby gestartet.

Wir sind nicht ent­täuscht, wir sind ver­är­gert“, sagte Trainer Schwarz am Tag danach. Es schmerzt immer noch, selbst­ver­ständ­lich. Vor allem die Art und Weise, wie wir in der ersten Halb­zeit auf­ge­treten sind.“

Harmlos und blut­leer

Hertha hatte nur scheinbar keine Idee, wie man Unions gewohnt kom­pakte Defen­sive hätte bespielen müssen. In Wirk­lich­keit war die Mann­schaft nicht in der Lage, die Idee ihres Trai­ners umzu­setzen. Wir haben Räume ange­zeigt, die wir belaufen, die wir besprinten müssen“, erklärte Schwarz. Wir haben es inner­lich nicht gemacht.“

So wirkte Her­thas Auf­tritt – denkbar schlecht für ein Derby – kom­plett harmlos und seltsam blut­leer. Eine Stunde dau­erte es, bis die Gäste durch den ein­ge­wech­selten Wil­fried Kanga zu ihrem ersten Tor­schuss aus dem Spiel heraus kamen. Und das 1:3 durch Dodi Luke­bakio fiel fünf Minuten vor Schluss, zu spät, um den Wider­stands­geist noch einmal zu wecken. Was Hertha künftig ver­bes­sern müsse, wurde Luke­bakio gefragt. Ein biss­chen alles“, ant­wor­tete er. Offensiv. Defensiv.“

Wir müssen uns damit beschäf­tigen, was aktuell geht“

Sandro Schwarz

Trainer Schwarz hatte nach eigener Aus­sage zumin­dest genü­gend Dinge gesehen, an denen er nun arbeiten kann. Und muss. Gegen­sei­tiges Helfen, gegen­sei­tiges Unter­stützen, wenn Fehler pas­sieren – das ist das große Thema, das wir haben“, sagte er. Wir brau­chen als Gruppe ein­fach eine bes­sere Aus­strah­lung.“

Trotzdem wehrt sich Schwarz vehe­ment dagegen, die aktu­ellen Pro­bleme in eine Linie zu stellen mit den Pro­blemen der ver­gan­genen beiden Jahre. Freunde, jetzt muss man schon mal auf­passen“, sagte er, als er zum wie­der­holten Male mit dieser Sicht der Dinge kon­fron­tiert wurde. Ich ver­steh die Frage, ich kann das nach­voll­ziehen. Aber die Grund­stim­mung werden wir uns nicht abhängig machen lassen davon, wie es letztes Jahr oder vor zwei Jahren war. Wir müssen uns damit beschäf­tigen, was aktuell geht.“

Dass auf die Schnelle viel gehen wird, bezwei­feln viele. Die Mann­schaft ist noch in der Fin­dungs­phase, wei­tere per­so­nelle Wechsel sind wahr­schein­lich, lassen womög­lich aber noch bis kurz vor Ende der Trans­fer­pe­riode auf sich warten. Und die nächsten Auf­gaben sind durchaus anspruchs­voll. Für Hertha geht es jetzt gegen Frank­furt, Glad­bach und Dort­mund. Ja, wir freuen uns“, sagte Marvin Plat­ten­hardt, der neue Kapitän.

Dieser Text erscheint im Rahmen unserer Koope­ra­tion mit dem Tages­spiegel.