Seite 3: Hertha, das Anti-Role-Model

Ja, bereits im April gab es Gerüchte, Klins­mann könne den schei­denden Pal Dardai beerben. Und es spricht auch über­haupt nichts gegen den Bun­des­liga-Trainer Jürgen Klins­mann. Soll er doch machen. Wer ihn beim Reden sieht, und nicht nur liest, was er gesagt hat, glaubt ihm jedes Wort. Der Mann ist begeis­tert, das ist sein Aggregat-Zustand und, um im Ber­liner Duktus zu bleiben, das ist auch gut so. Und ja, sein Vater war Her­thaner, der Sohn auch mal kurz und der Jürgen, der ist Ehren­mit­glied und Berlin-Fan. Jut? Jut!

Aber dass sie einen Mann zum Trainer machen, der erst kurz zuvor durch einen Investor in den Auf­sichtsrat gebracht wurde, schreit so sehr nach Kon­zept­lo­sig­keit, Willkür und Och ja, warum nicht?“, dass nur noch Fas­sungs­lo­sig­keit bleibt.

Das Gegen­teil von Liebe?

Fuß­ball wird über­höht. Auf abs­trakte aber auch auch ganz kon­krete Art und Weise. Der Umsatz von Hertha BSC etwa betrug für die ver­gan­gene Saison: 140 Mil­lionen Euro. Der Umsatz von Hertha-Sponsor TEDi? 1,129 Mil­li­arden Euro (2017). Die Ber­liner Stadt­rei­ni­gung hat einen fast vier Mal so hohen Umsatz wie der Bun­des­li­gist Hertha BSC (554,7 Mil­lionen Euro). Es ist lächer­lich, wie wenig Geld der Fuß­ball noch immer in sich trägt, ver­gli­chen damit, wie omni­prä­sent er ist. 

Und den­noch ist Hertha ein mit­tel­stän­di­sches Unter­nehmen. Mit Füh­rungs­per­sonal, deren Leis­tungs­bi­lanzen und Ent­schei­dungs­fin­dungen in der Welt der mit­tel­stän­di­schen Unter­nehmen ver­mut­lich nicht so leicht ihres Glei­chen finden.

Sollen Sie machen und alles Gute. Das Gegen­teil von Liebe, so heißt es, ist nicht Hass, son­dern Des­in­ter­esse. Und danke Hertha, möchte ich anfügen, auch: Fas­sungs­lo­sig­keit.