Seite 2: November: Pirlo, Zentner und das Derby

November

Auf­reger des Monats: Der Video­be­weis
Gerechter sollte er alles machen, der Video­be­weis. Die Schieds­richter schützen sollte er außerdem, und, na klar, die elenden Dis­kus­sionen über Fehl­ent­schei­dungen end­lich beenden. In der Rea­lität sorgte der Video­be­weis in der Hin­runde in erster Linie für Chaos. Was Anfang November, als das Expe­ri­ment end­gültig außer Kon­trolle zu geraten droht, dazu führt, dass Hellmut Krug von seiner Auf­gaben als Pro­jekt­leiter ent­bunden wird. Doch auch danach wird weiter dis­ku­tiert, über klare und weniger klare Fehl­ent­schei­dungen, über Kann- und Muss-Elf­meter und über das tolle Wort Wahr­neh­mungs­fehler. Fort­set­zung folgt.

Spieler des Monats: Andrea Pirlo
Wenn ein Spieler wie Philipp Lahm seine Kar­riere beendet, dann ist man ein biss­chen traurig. Weil der Mann halt immer dabei war – und weil man merkt, wie alt man selber langsam wird. Wenn ein Spieler wie Andrea Pirlo seine Kar­riere beendet, dann ist man sehr traurig. Weil der Mann fürs Fuß­ball­spielen geboren wurde. Und Dinge auf dem Platz anstellte, die uns in Erin­ne­rung riefen, warum wir uns einst in den Fuß­ball ver­liebten. Pässe aus dem Fuß­ge­lenk in Räume, die vorher doch gar nicht da waren. Pirou­etten mit Ball so eng am Fuß, dass man sich Sorgen um die Bezie­hung der beiden macht, weil zu viel Nähe, zumin­dest in unserer Welt, ja eigent­lich immer ins Ver­derben führt. Und Frei­stöße, quasi mühelos in den Winkel gestrei­chelt, weil Pirlo für den Schuss ja keine Kraft auf­wenden musste, son­dern der Ball, einmal von dessen Fuß berührt, schon ver­standen hatte und aus eigenem Antrieb flog, weiter und weiter, weil er ja genau wusste, dass er jetzt Teil einer beson­ders schönen Geschichte war. Schließ­lich hatte ihn ja ein Freund, also Pirlo, auf die Reise geschickt. Und als dieser Pirlo am 06.11. die Pro­fi­welt ver­lässt, als Spieler von New York City FC, da ist den Men­schen klar, dass nie­mand ihnen diese Momente in dieser Form mehr wird lie­fern können. Und sie trauern des­halb völlig zu recht.

Video des Monats: Robin Zentner passt ohne Ball
Frage: Ist es mora­lisch ver­werf­lich, wäh­rend eines lau­fenden Bun­des­li­ga­spiels für den nächsten Acti­vity-Abend zu proben und das Wort Innen­seit­stoß“ pan­to­mi­misch dar­zu­stellen? Robin Zentner findet: Nein. Was wir klasse finden. 

Spiel des Monats: Dort­mund-Schalke 4:4
0:4 hinten. Im Derby. Gegen eine Mann­schaft, die doch eigent­lich tief in der Krise steckt. Der 25.11. hätte für Schalke zur Hölle werden können. Statt­dessen geht der 25.11. als einer der tollsten Tage in der Schalker Geschichte über­haupt ein. Als Tag, an dem sich die Mann­schaft selber aus dem Dreck zog, Stück für Stück, Tor für Tor. Um dann, in der Nach­spiel­zeit, mit dem Aus­gleich von Naldo die viel­leicht emo­tio­nalste Auf­hol­jagd der eigenen His­torie per­fekt zu machen. Wir haben leider keine exakten Zahlen, wie oft Gel­sen­kir­chener Neu­ge­bo­rene seitdem die Namen Guido, Amine, Daniel oder Naldo ver­passt bekamen, leiden aber prä­ventiv schon jetzt mit den Kin­der­gärt­nern mit, die in drei bis vier Jahren all die Namens­vetter werden aus­ein­ander halten müssen.