Leroy Rose­nior hatte es sich gerade gemüt­lich gemacht. Hatte in seinem Tee gerührt, sich ent­spannt in seinen Stuhl zurück­ge­lehnt und damit begonnen, sich an diesen Ort zu gewöhnen: An das kleine Pres­se­zimmer von Tor­quay United, einem Fünft­li­gisten aus dem äußersten Süd-Westen Groß­bri­tan­niens. Soeben hatte der Verein bekannt gegeben, dass Leroy Rose­nior, ein ver­dienter Ex-Profi, den Trai­nerjob des geschassten Keith Curle über­nehmen werde. Nichts Neues für Rose­nior, der die Gulls“ bereits zwi­schen 2002 und 2006 mehr oder weniger erfolg­reich durch die Nie­de­rungen des eng­li­schen Pro­fi­fuß­balls geführt hatte. Ein Lächeln für die Kameras, ein paar nette Worte für die hei­mi­schen Reporter aus der ersten Reihe und bit­te­schön: Die erste Pres­se­kon­fe­renz, um der Öffent­lich­keit den neuen starken Mann an der Sei­ten­linie zu prä­sen­tieren.

Die ersten Fragen plät­scherten durch den etwas muf­figen Raum, Rose­nior ant­wor­tete, aber viel­leicht dachte er ja auch an die glor­rei­chen Zeiten, als er noch selbst über die Äcker des eng­li­schen Pro­fi­fuß­balls gestürmt war. 1982 hatten ihn die Kol­legen beim FC Fulham zum Nach­wuchs­spieler des Jahres“ gekürt, fünf Jahre später sogar zum Spieler der Saison“. Der Zenit seiner Spiel­erlauf­bahn, Mitte der Neun­ziger rie­selte die Kar­riere des zwei­fa­chen eng­li­schen U‑21-Spie­lers langsam aber sicher in die Bedeu­tungs­lo­sig­keit; bei Gloucester City wurde aus dem Spieler Rose­nior schließ­lich der Trainer. Eine gelun­gene Meta­mor­phose? Eher weniger. Der Tor­jäger von einst, musste über die Dörfer der bri­ti­schen Fuß­ball-Tris­tesse tin­geln, um sich sein Geld zu ver­dienen. Gloucester, Mer­thyr Tydfil, Tor­quay United, Brent­ford und nun eben wieder Tor­quay. Rose­nior nahm es gelassen. immerhin, ein neuer Job.

Ich habe meine Anteile ver­kauft. Tut mir leid.“

Seit zehn Minuten spielte er sich nun schon artig die Bälle beim unver­meid­li­chen Frage-Ant­wort-Spiel mit den Jour­na­listen zu. Seine Ziele? Klar, der Auf­stieg. Die Taktik? Offensiv, das Stü­mergen, sie ver­stehen. Das Treffen mit den Jour­na­listen ist beendet. Rose­nior ver­lässt den Raum. Kaum sitzt er in seinem neuen Büro, erreicht ihn ein Anruf. Es ist Mike Bateson, mit 51 Pro­zent Haupt­an­teils­eigner des Klubs. Er hat schlechte Nach­richten: Ich habe soeben meine Anteile ver­kauft. Tut mir leid.“ Leroy Rose­nior weiß, was das bedeutet. Denn das neue Besitzer-Kon­sor­tium um Cris Boyce hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass es ihn, den Ex-Trainer, nicht wieder haben möchte. Ihr Favorit heißt Paul Buckle, ein frü­herer Spieler der Gulls“.

Leroy Rose­nior ist seinen neuen Job wieder los. Nach gerade mal zehn Minuten. Die schnellste Trai­ner­ent­las­sung der eng­li­schen Fuß­ball­ge­schichte ist per­fekt. Dem Nach­rich­ten­sender BBC News 24“ wird Rose­nior kurz darauf ein Inter­view geben. Es ist eine kurze Abschieds­rede. Ich denke“, sagt der Zehn-Minuten-Trainer von Tor­quay United, dass ich hier einen guten Job gemacht habe.“