Seite 2: Den Funktionären die lange Nase gezeigt

Am Dienstag, drei Tage nach dem Spiel, musste die Bun­des­liga end­gültig klein bei­geben: Der Senat 1 ist nach ein­ge­hender Prü­fung zu der Ansicht gelangt, dass der SK Rapid auf Basis des ergan­genen Spruchs das Urteil formal kor­rekt umge­setzt hat“, kon­ze­dierten die zustän­digen Richter.

Auf­grund der Zustim­mung der zustän­digen Behörden und des Gast­klubs wurde ermög­licht, dass der im Rahmen des Beschlusses von der Sperre nicht umfasste Gäs­te­sektor des Allianz-Sta­dions den Fans des SK Rapid zur Ver­fü­gung gestellt werden konnte.“ Bäääh – Rapid und seine Fans hatten den Funk­tio­nären die lange Nase gezeigt. Einmal mehr.

Im Eifer des Gefechts ver­gessen

Es war näm­lich nicht das erste Mal, dass die grün-weiße Anhän­ger­schaft unter tat­kräf­tiger Mit­hilfe des Ver­eins der Härte der Bun­des­liga-Justiz ent­gangen war. Nach eben­falls hef­tigen Derby-Kra­wallen im November 2014 hatte die Liga sei­ner­zeit eine Sperre der Heim-Fan­kurve ver­hängt. Ver­boten waren ferner die Mit­nahme und Ver­wen­dung von Fahnen, Dop­pel­hal­tern, Trom­meln, Mega­phonen, Pla­katen und Trans­pa­renten sowie das Anbringen eines Vor­sän­ger­pults im gesamten Sta­dion.

Erlaubt sind ledig­lich Beklei­dungs­stücke, die auf eine Heimf­an­zu­ge­hö­rig­keit hin­weisen, wie Kopf­be­de­ckungen (Mützen, Kappen), Ober­be­klei­dungen oder Schals.“ So weit, so klar. Eines jedoch hatten die gestrengen Sport­ju­risten im Eifer des Gefechts völlig ver­gessen: einen Heim-Fan­sektor an anderer Stelle im Sta­dion zu unter­sagen.

Folgt eine herz­hafte Revanche?

Rapid ver­frach­tete den eigenen Anhang damals, als der Klub wegen vor­über­ge­hend im rie­sigen Ernst-Happel-Sta­dion spielte, kur­zer­hand um ein paar Blöcke weiter nach rechts. Und schon war aus der ver­meint­li­chen Strafe eine Farce geworden. Die Bun­des­liga-Funk­tio­näre waren bis auf die Kno­chen bla­miert und schäumten vor Wut.

Seit dem zurück­lie­genden Wochen­ende steht es also 2:0 für Rapid. Scha­den­freunde von­seiten der Klub­füh­rung war den­noch nur hinter vor­ge­hal­tener Hand zu ver­nehmen. Der Grund liegt auf der Hand: Die Bun­des­liga und ihr ten­den­ziell humor­loser Straf­senat könnten sich schon bei der nächsten Ver­feh­lung der Rapid-Fans herz­haft revan­chieren. Dann dürften die Herren Richter Sank­tionen ver­hängen, die ihr Ziel ganz sicher nicht ver­fehlen – einen völ­ligen Zuschau­er­aus­schluss zum Bei­spiel. Oder ein Bun­des­liga-Spiel auf neu­tralem Platz.

Rapids Fan­szene ließ sich ihren Tri­umph den­noch hör- und sichtbar schme­cken: Scheiß Bun­des­liga“, skan­dierten die Heim­fans im Gäs­te­block fre­ne­tisch und grüßten per Mega-Trans­pa­rent: Werte Herren vom Senat: Wir sind laut und ihr seid’s stad (still; die Redak­tion).“