Auf­hören können, das ist nicht eine Schwäche, das ist eine Stärke. Das dachte sich auch der ASEC Abidjan, der zwi­schen 1989 und 1994 kein ein­ziges Liga­spiel verlor. 108 Mal Sieg oder Unent­schieden in Folge – Welt­re­kord auf Klub­ebene. Das Ende der Serie schien dem Klub gut zu bekommen, er wurde danach erst­mals Cham­pions-League-Sieger Afrikas und gewann elf wei­tere Meis­ter­schaften.

Nun ist die Zeit gekommen, wo auch ER kurz inne hält: Jose Mour­inho. Der Mann hatte sich nach dem 23. Februar 2002 eigent­lich ent­schieden, kein Heim­spiel mehr zu ver­lieren. Damals setzte es für den FC Porto gegen SC Beira Mar eine 2:3‑Schlappe, und danach blieb Mour­inho bis zum 2. April 2011 mit vier ver­schie­denen Teams (FC Porto, FC Chelsea, Inter Mai­land und Real Madrid) in 150 Liga-Heim­spielen ohne Nie­der­lage. Und als passe die Pleite am ver­gan­genen Samstag gegen Spor­ting Gijon per­fekt in ein wie auch immer gear­tetes Dreh­buch, mar­schierte Jose Mour­inho nach dem 0:1 bei­nahe gleich­gültig von dannen. Ein Hän­de­schüt­teln hier, eine Gra­tu­la­tion dort. Die Serie? Inter­es­siert mich doch nicht.

Nur wenige Male drohte die Nie­der­lage zu reissen

Eine epo­chale Wucht“, nannte das Ham­burger Abend­blatt den Lauf, den der HSV Anfang der Acht­ziger ent­fachte, als die Happel-Elf über ein Jahr ohne Nie­der­lage blieb. Und tat­säch­lich fühlte es sich genau so für Außen­ste­hende an: Wuchtig. Doch was bei Mour­inho neben der Fan­tasie-Zahl 150 eben jene Wucht noch ein biss­chen epo­chaler macht als alle anderen Serien, ist die Tat­sache, dass er in all den Spielen so gut wie nie am Rande einer Nie­der­lage stand. Nur wenige Male drohte die Nie­der­lage zu reissen.

Etwa am 9. Januar 2010, als Inter Mai­land auf den AC Siena traf, der damals abge­schlagen auf dem letzten Platz in der Serie A ver­harrte. Doch mit einem Mal stand es 2:3 und Inter rannte kopf- und glücklos gegen Sienas Defen­siv­mauer an. Erst Wesley Sneijder (89. Minute) und Walter Samuel (91.) drehten das Spiel zum 4:3.

Ähn­lich knapp ver­lief eine Partie im März 2009 gegen AS Rom. Hier mar­kierte Roms Matteo Brighi nach 57 Minuten das 1:3 und die ita­lie­ni­sche Reporter­le­gende Carlo Zampa japste gefühlte zehn Minuten ein maschi­nen­ge­wehr­ar­tiges Gol! Gol! Gol! Gol!“ ins Mikrofon. Ein Geräusch, das man so ähn­lich schon mal bei nach Luft rin­genden Ter­riern gehört hatte, und das ver­riet, wie viel hier auf dem Spiel stand. 

Und doch gelang es wieder nicht, Jose Mour­inho in seinem Palast vom Thron zu stoßen. Mario Balo­telli und Hernan Crespo wen­deten zehn Minuten vor Schluss die Nie­der­lage ab. Das Spiel endete 3:3. 

Ähn­lich dra­ma­tisch wurde es am 31. Mai 2009, als Inter Mai­land am letzten Spieltag Ata­lanta Ber­gamo emp­fing. Für beide Teams ging es um nichts mehr, Ber­gamo hatte sich irgendwo im Mit­tel­feld bequemt, Inter bereits die Meis­ter­schaft gefeiert. So lag eine müde Inter-Elf nach einer Stunde mit 2:3 zurück. Esteban Cam­bi­asso ega­li­sierte erst in der 81. Minute und Zlatan Ibra­hi­movic traf eine Minute später zum 4:3‑Endstand – mit der Hacke. Ein Tor wie eine Back­pfeife. Nie mehr waren sich Jose und Zlatan so nah. 

Doch dann kam Gijon. Aus­ge­rechnet Gijon!

Mit Real Madrid schien Jose Mour­inho nicht nur die Heim­nie­der­lage an sich zu negieren, son­dern auch die Lust an jed­weder Zit­ter­partie ver­loren zu haben. Denn so schwach das Team mit­unter aus­wärts auf­trat, so kraft­voll zer­legte die Elf seit seinem Amts­an­tritt die Gäs­te­teams im Ber­nabeu. Jeweils 6:1 gewann Real gegen Racing San­tander und Depor­tivo La Coruna, 5:1 gegen Ath­letic Bilbao, 4:1 Real Sociedad, gar 7:0 gegen den FC Malaga. Es hätte immer so weiter gehen können. Doch dann kam Gijon. Aus­ge­rechnet (!) Gijon, dort, wo jener Manolo Pre­ciado an der Sei­ten­linie steht, der Jose Mour­inho einst als Kanaille“ bezeichnet hatte und nach dem Hin­spiel den Spie­lerbus der Madri­lenen beworfen haben soll. 

Doch Mour­inho blieb ruhig. Viel­leicht weil er wusste, dass das Ende von Serien man­ches Mal Großes folgen ließ. Dabei dürfte ihm weniger die Meis­ter­schafts­serie vom ASEC Abidjan vor­ge­schwebt haben, son­dern der Uralt-Rekord seines eigenen Arbeit­ge­bers. Real Madrid blieb zwi­schen 1957 und 1965 in 121 Heim­spielen ohne Nie­der­lage. Die erste Nie­der­lage tat weh, aber der Schmerz ver­heilte bald, denn Real been­dete eine andere Serie: Nach sechs Jahren ohne inter­na­tio­nalen Titel gewann der Klub 1965/1966 wieder den Euro­pa­pokal der Lan­des­meister.