Es war sehr lange Zeit sehr ein­fach für mich. Es gab ja Podolski. Ich musste mir keine Gedanken machen, was ich bei MSN in den Status ein­tragen könnte, Vor­stel­lungs­runden, bei­spiels­weise beim Erste-Hilfe-Kurs für den Füh­rer­schein oder bei Craft-Beer-Tas­tings (Real­talk), liefen wie von alleine. Hallo, ich bin Max und mein Lieb­lings­spieler ist Lukas Podolski (und ich bin Pil­s­trinker).

Damit ist jetzt Schluss. Nach Icke Häßler, Patrick Klui­vert und Mar­cel­inho ver­lässt mich mein vierter und treu­ester Lieb­lings­spieler (Warum ein Leben ohne Poldi sowieso kein Sinn ergibt, lest ihr hier »>). Natür­lich, er kickt noch, aber Japan ist für mich leider keine Option. Will heißen: Ich brauche einen neuen Helden. Jemand, bei dem ich schwit­zige Hände bekomme, wenn er mit Ball am Fuß am 16er auf­taucht. Einer, den ich auf pri­mi­tivste Art und Weise und zur Not mit belei­di­gendem Nach­druck auch für die holz­köp­figsten Idio­tien ver­tei­digen kann. Jemand, der mir im grauen Bun­des­liga-Alltag Halt gibt.

Das Stich­wort ist Under­state­ment

Zu den Kri­te­rien: Mein neuer Lieb­lings­spieler muss Tore machen. Ich will mich regel­mäßig freuen können. Und ich will sagen können, dass ich es schon immer gesagt habe, ich will sagen können, dass alle anderen mit ihren bana­nigen Lieb­lings­spie­lern mal so gar nichts zu sagen haben. Außerdem muss er gene­rell natür­lich eine gewisse Klasse mit­bringen. Er muss also gut sein, aber nicht so bay­ern­mäßig super­du­pergut, son­dern eher auf eine läs­sige Art, das Stich­wort ist Under­state­ment.

Er muss keine Schön­heit sein, aber wenn ich ehr­lich bin, würde ich in einer Fan­tasie-Welt lieber mit Mats Hum­mels auf der Party ein­reiten als mit Jacek Krzynowek. Gut wäre dazu ein abge­fah­renes Extra, viel­leicht eine Vor­strafe wegen einer ille­galen Schnaps­bren­nerei oder ein Faible für Fahr­rad­schläuche. Auf Basis dieser Vor­stel­lung habe ich mich in den letzten Wochen ein­gängig mit mög­li­chen Kan­di­daten aus­ein­an­der­ge­setzt.

Kan­didat 1: Anthony Modeste
Vor­teil: Anthony Modeste ist cool. Er trägt seine Hosen auf halb acht, was ich schon immer mochte – erin­nert es mich von der Atti­tüde her ein wenig an die auf links-gedrehte Schul­uni­form vom Prinz von Bel Air. Nach dem Motto: Gebt mir doch eure Lang­weiler-Hosen, ich zieh sie an, als würde ich gleich im U‑Bahnschacht ein biss­chen breaken. Geil. Er ist sogar so cool, dass er in Frank­reich als Tes­ti­mo­nial für einen Afro-Trap-Song genutzt wurde. Wer sich jetzt fragt, was Afro-Trap ist, tut das zurecht. Und ist eben nicht so cool wie Anthony. Noch ein Plus: Im Video knutscht Modeste mit seiner eigenen Frau – ein emo­tio­nales State­ment für mehr Treue im Geschäft? Wir ver­stehen uns, Tony.

Außerdem netzt der Mann. Am Fließ­band. Was bemer­kens­wert ist, weil er eben nicht für die Bayern oder Dort­mund spielt und nicht sieb­zehnmal pro Spiel im Fünfer ange­schossen wird. Er muss sich seine Tore erar­beiten. Dazu kommt eine under­do­gige Note, weil Didier Deschamps ihn kon­se­quent über­geht und nicht für die Natio­nalelf nomi­niert. Und: Ich mag die Rücken­nummer. Nicht die 11 oder die 9 wie bei all den Streber-Stür­mern mit Klemm­brett und Blei­stift hin­term Ohr, son­dern ein­fach die 27. Abge­fahren.

Nach­teil: Modeste ist zu alt. Eine Ent­schei­dung pro Modeste wäre keine son­der­lich nach­hal­tige. Außerdem: Wer garan­tiert mir, dass Schmadtke nicht im Sommer weich wird und den Mann nach China ver­hö­kert?

Wer­tung:
Ist der Typ cool?: 5 von 5 11FREUNDE-Herz­chen
Schießt der Typ Tore?: 5 von 5 11FREUNDE-Herz­chen
Gibts den Typen noch ne Weile? 1 von 5 11FREUNDE-Herz­chen
Wo spielt der Typ?: 3 von 5 11FREUNDE-Herz­chen
Wie ist der Typ so ins­ge­samt?: 14 von 20 11FREUNDE-Herz­chen