Marc Arnold, haben sie den Auf­stiegs-Brumm­schädel langsam ver­kraftet?
Es geht langsam wieder, auch wenn die letzten Tage schon sehr feucht-fröh­lich waren.

Bekam Damir Vrancic eine ordent­liche Schelte, als er am Freitag in der Nach­spiel­zeit zum 1:0 in Ingol­stadt traf? Der Auf­stieg im eigenen Sta­dion, wie es Hertha BSC erlebte, wäre doch sicher­lich schöner gewesen.
Völlig egal, Haupt­sache Auf­stieg! Uns war es sehr wichtig, dass wir dieses Ziel schnellst­mög­lich umsetzen. Gegen den sen­sa­tio­nell getre­tenen Frei­stoß hatten wir also nichts ein­zu­wenden. Gerade, da wir über die Saison hinweg schon so lange mit dem Auf­stieg kon­fron­tiert wurden.

Erin­nern Sie sich noch an die ersten Minuten nach dem Schluss­pfiff?
Die Jungs sind über­ein­ander her­ge­fallen. Wem ich da als erstes umarmt habe, weiß ich gar nicht mehr.

Keine ein­same Auf­stiegs­zi­garre nach dem Abpfiff?
Zwei Stunden nach dem Spiel habe ich eine im Spie­ler­tunnel genossen. Da trock­neten langsam auch meine Kla­motten von den Sekt- und Bier­du­schen.

Wie ging es danach weiter?
Wir hatten im kleinen Kreis abends in Nürn­berg gefeiert, da die Rück­reise sinnlos gewesen wäre. Samstag erwar­teten uns die zahl­rei­chen Fans bei strö­menden Regen im Sta­dion. Ich glaube, den Emp­fang hatten wir uns so nicht aus­ge­rechnet. Am Montag war dann natür­lich trai­nings­frei.

Wird die Auf­stiegs­mann­schaft jetzt eigent­lich mit der legen­dären Breitner-Truppe ver­gli­chen?
Eher mit der Meis­ter­mann­schaft von 1966/67, die eben­falls ohne die ganz großen Namen auskam. Das betrifft auch die sons­tigen Eigen­schaften und Spie­ler­typen der beiden Teams.

Hat aus dieser Meis­ter­mann­schaft schon jemand per­sön­lich gra­tu­liert?
Da wird sicher­lich die ein oder andere E‑Mail ihren Weg in die Pres­se­stelle gefunden haben. Aber beim nächsten Heim­spiel gegen Cottbus wird es genü­gend Gele­gen­heit geben, um das per­sön­lich nach­zu­holen.

Sie sind als Herbst­meister in die Rück­runde gestartet und ließen sich kurz darauf von Hertha BSC die Tabel­len­füh­rung nehmen. Wann war Ihnen trotzdem klar, dass Sie auf­steigen?
Das an einem Moment fest­zu­ma­chen, ist sehr schwierig. Wir hatten die ersten fünf Sai­son­spiele, auch gegen nam­hafte Gegner, gewonnen und standen seit dem zweiten Spieltag auf einem Auf­stiegs­platz. Wir sind weder durch Ver­let­zungen, Win­ter­pause oder Nie­der­lagen lang­fristig aus der Bahn geworfen worden. Am ehesten hat der 1:0‑Sieg in Bochum im März, nach drei sieg­losen Spielen in Folge, die Auf­stiegs­hoff­nungen wie­der­be­lebt.

Beim 0:3 gegen Berlin vor drei Wochen spielte die Ein­tracht durch­wach­senen, abwar­tenden Fuß­ball. Erin­nern Sie sich noch an die Stim­mung in der Kabine nach dem Spiel?
Es war eher eine selt­same Stim­mung in der Heimat, denn das 0:3 war viel zu hoch aus­ge­fallen. Wir hatten durch zwei Stan­dard­si­tua­tionen das Spiel ver­loren, wofür die Mann­schaft aus meiner Sicht zu dras­tisch kri­ti­siert wurde.

Zwei­felte zu diesem Zeit­punkt jemand an dem Auf­stieg?
Nein, inner­halb der Mann­schaft hat nie­mand gezwei­felt. Wir wussten, dass es eine der wenigen Nie­der­lagen war und haben mit dem 3:1‑Sieg in Sand­hausen die pas­sende Reak­tion gezeigt.

Daniel Davari verlor nach dem Hertha-Duell seinen Platz im Tor. Eben dort soll keine Ver­stär­kung geholt werden. Wie sieht die Lösung aus?
Zusammen mit Marjan Pet­kovic haben wir zwei her­vor­ra­gende Tor­hüter, die, wie schon in diesem Jahr, zur neuen Saison um einen Stamm­platz kämpfen werden. Wer die bes­sere Vor­be­rei­tung zeigt, wird dann auch im ersten Pokal­spiel zwi­schen den Pfosten stehen.

Im kom­menden Jahr wird Ihr Etat auf 37 Mil­lionen Euro auf­ge­stockt. Das ist genau ein Mario Götze. Wel­chen Super­star dürfen wir an der Ham­burger Straße erwarten?
Jemanden, den die Öffent­lich­keit bisher nicht als Super­star wahr­ge­nommen hat. So viel dürfte bereits klar sein.

Bisher gaben Sie laut einigen Spe­ku­la­tionen etwa 300.000 Euro für neue Spieler aus. Können Sie die neuen Summen bereits rea­li­sieren?
Für uns ist das ein Lern­pro­zess, den wir zügig annehmen wollen. Völlig gleich­gültig, ob dies finan­zi­elle, mediale oder sport­liche Fragen betrifft.

Wurden Ihnen seit Frei­tag­abend bereits die ersten Spieler ange­boten?
(grinst) Nein, seit dem Wochen­ende hat sich da nichts getan. Aber den seriösen Spie­ler­be­ra­tern dürfte bewusst sein, dass wir nicht erst seit Freitag in der neuen Sai­son­pla­nung ste­cken.

Zumin­dest besitzen Sie jetzt einen kleinen Zeit­vor­sprung. Wie soll der genutzt werden?
Grund­sätz­lich haben wir eine bestehende Mann­schaft, die mit punk­tu­ellen Ver­stär­kungen berei­chert werden soll. Das ist aber ein Ablauf, der sich unab­hängig des Auf­stiegs sowieso voll­zieht. Es stei­gert aber die Zeit, um cha­rak­ter­lich pas­sende Spieler für den Verein zu finden.

Im ver­gan­genen Jahr wurde die SpVgg Greu­ther Fürth als Auf­steiger mit relativ unbe­kannten Spie­lern gefeiert. Wieso erleidet die Ein­tracht im kom­menden Jahr nicht das selbe Schicksal im Ober­haus?
Diese Frage kommt tat­säch­lich in jedem Inter­view und ich frage mich, wes­halb wir nur mit Fürth ver­gli­chen werden. Wir können doch auch Erfolgs­ge­schichten wie der SC Frei­burg oder FSV Mainz schreiben. Uns unter­scheiden genü­gend Dinge, um uns nicht allein mit Fürth ver­glei­chen zu lassen.

Torsten Lie­ber­knecht bezeich­nete einen mög­li­chen Klas­sen­er­halt als Wunder“.
Natür­lich wissen wir, dass wir bezüg­lich infra­struk­tu­reller und wirt­schaft­li­cher Rah­men­be­din­gungen gegen­über der hoch­ka­rä­tigen Ver­eine eher Nach­teile haben. Der Klas­sen­er­halt ist keine Selbst­ver­ständ­lich­keit. Um das aus­zu­glei­chen, werden wir ums letzte Hemd kämpfen und unseren Weg gehen. 

Ist das der oft­mals dekla­rierte roman­ti­sche Weg“?
Für uns war es vor einigen Jahren der alter­na­tiv­lose Weg. Wir wollen daher geschlossen als Ein­tracht im eigent­li­chen Sinne auf­treten.