Seite 2: Auch der hellste Stern braucht eine Sonne zum Leuchten

In der Natio­nal­mann­schaft ist die Situa­tion ähn­lich. Frank­reich ver­fügt nicht mehr über eine Viel­zahl an hoch­be­gabten Mit­tel­feld­spie­lern. Eher sind es unauf­fäl­lige Rol­len­spieler, Arbeiter wie N’golo Kanté, Blaise Matuidi oder Moussa Sis­soko. Pogba ist Frank­reichs hellster Stern, nur bräuchte er zum Leuchten eine Sonne, die ihn anstrahlt.

Eine Natur­ge­walt

Als offen­sivster der drei defen­siven Mit­tel­feld­spieler tat er sich schwer, das lag ihm nicht wirk­lich. Gegen Island durfte er wieder im Zen­trum vor der Abwehr spielen und zeigte seine beste Leis­tung in den ver­gan­genen drei Wochen. Ein Tor gelang ihm in dem Spiel, per Kopf. Wie er da so hoch­stieg zum Kopf­ball gegen die gewiss nicht kleinen Isländer, einer Natur­ge­walt gleich. Wer dieses Tor sah, der konnte Pogbas Fähig­keiten erahnen, diese Kom­bi­na­tion aus purer Ath­letik, aus Kraft, Ele­ganz und Technik, gepaart mit Ent­schlos­sen­heit.

Nur, und das ist Pogbas Pro­blem, so ent­schlossen tritt er nicht immer auf. Mal reißt er das Spiel an sich, dann taucht er wieder völlig ab. Zwei, drei kon­stant gute Spiele in Folge sieht man von ihm selten. Zu oft ver­zet­telt er sich in Neben­säch­lich­keiten. Spielt den Ball zu spät ab oder geht ins Dribb­ling, wenn eine andere Lösung ange­brachter wäre. Er müsste ein­fa­cher spielen, mit­unter sieht das noch viel zu kom­pli­ziert aus“, sagt Eric Champel, Fach­mann von der Zei­tung France Foot­ball“.

Pogbas Welt ist nicht die von Trainer Deschamps

Ein­fach spielen ist auch das, was Natio­nal­trainer Didier Deschamps von Pogba ver­langt. Und stößt damit nicht unbe­dingt auf offene Ohren. Die beiden pflegen keine innige Bezie­hung zuein­ander, aber auch keine schlechte. Deschamps ist nie­mand, der dem Star­kult der Gegen­wart hul­digt, Pogbas Welt, die sich viel um Social-Media-Akti­vi­täten und extro­ver­tierte Klei­dung dreht, ist ihm fremd. Beim fran­zö­si­schen Trainer steht der Team­ge­danke über allem. Seine Prin­zi­pien ver­tritt er rigoros. Weil Pogba zu spät und in unpas­sendem Schuh­werk zum Abend­essen erschien, musste er im zweiten Grup­pen­spiel gegen Alba­nien zunächst zusehen. Er ist noch jung und muss nicht nur auf dem Platz noch einiges lernen“, sagt Champel, der den Vor­fall auch nicht über­be­werten will. Das war anschlie­ßend kein Thema mehr.“

Sollte Frank­reich am Sonntag zum dritten Mal Euro­pa­meister werden, wäre es ohnehin nur eine kleine Rand­ge­schichte auf dem Weg zum Titel.