Hat Union den Aufstieg verspielt?

Aufstieg jetzt - oder lieber nicht?

Unioner sind nicht sehr gläubig. Wenn sie an etwas glauben, dann an den ironischen Fußballgott. Und der hat die Spiele der Konkurrenz an vielen Spieltagen in dieser durchgeknallten Saison so gedreht, dass wir oben dranbleiben konnten. Obwohl wir all die Chancen, uns weiter vorne festzusetzen, nur selten genutzt haben. Die Siege gegen Köln, gegen den HSV in der Rückrunde, die Niederlagen gegen die direkten Verfolger Heidenheim, Paderborn und St. Pauli, das Unentschieden in Dresden, die schlimme Niederlage in Darmstadt, der erlösende Heimsieg gegen Magdeburg.

Gerade in der Rückrunde blitzte es wieder auf, das Hadern mit dem eigenen Selbstbewusstsein. Die Mannschaft spielte teilweise wie gelähmt. Und was uns in der großartigen Hinrunde auszeichnete, Spiele in der zweiten Hälfte zu drehen und die erlösenden Tore in den letzten Minuten zu erzielen, fehlte auf einmal. Viele fühlten sich an den Fast-Aufstieg vor zwei Jahren erinnert, als uns die Puste ausging und wir am Ende auf Platz vier landeten.

Kopfballtor durch unseren Torwart!

Unser Trainer, Urs Fischer, schien die Mannschaft von Saisonbeginn an erfolgreich mit seinem Schweizerischen Zen infiziert zu haben, was in der Hinrunde zu Leistungen der Extraklasse führte. Wie sonst ließe sich die spektakuläre Art erklären, wie wir auf einmal Spiele gewannen oder drehten – und mit was für Toren: Zwei mal Tor des Monats durch zwei unglaubliche Fallrückzieher von Polter und Hartel. Ein Kopfballtor in der letzten Minute gegen Heidenheim – durch unseren Torwart.

Der Weg in die Relegation war ein steiniger, mit Rückschlägen, die Nerven am Abgrund, die Hoffnung zum Bersten strapaziert, die Stimmen heiser, die Herzen erschöpft. Ich wollte nie zu der Fraktion »Aufstieg jetzt« gehören. Über die vielen Jahre in der Zweiten Liga bin auch ich wie viele Skeptiker und Kritiker bei Union an die Vorstellung herangewachsen, dass ein Aufstieg möglich wäre. Trotz allen Wenns und Abers, die das Oberhaus mit sich bringt und die ein Verein wie Union, der das Leben am Abgrund gewohnt war, in seiner DNA trägt. Und natürlich: Bange machen lassen gilt eh nicht.


Trailer zum Spiel gegen Bochum

Diese Saison ist jetzt schon eine historische Leistung. Die Herzenskraft, die sie entfacht hat, ist kaum zu fassen: für die Leute, die dem Verein wieder auf die Sprünge geholfen haben, ihn durch Liebe, Weitsicht und Professionalität nach vorne gebracht haben, die all die Jahrzehnte für diesen vermeintlich kleinen Kiezverein aus Oberschöneweide und Köpenick gekämpft haben, die sich gegen alle Widerstände eingesetzt haben, die die Eiserne Kultur geformt, erarbeitet und durchgesetzt haben.

Aufstehen – immer und immer wieder

Der Aufstieg wäre auch für all die Achims, Janines, Svens, Beas, Eriks, Susis und Tinos, die immer zur Stelle waren und sind, wenn der Verein sie braucht. Union bedeutet immer noch: auf Augenhöhe zu sein und sein zu wollen; einen nicht fallen zu lassen, wenn es gerade nicht läuft; diejenigen mitzunehmen, die es nicht aus eigener Kraft schaffen – und: aufzustehen und wieder aufzustehen, immer und immer wieder.