498.000, 499.000, 500.000! Vor wenigen Tagen war es end­lich geschafft. Nikita Baranov posiert für die übli­chen Pres­se­fotos und hält lächelnd das Trikot seines neuen Klubs in die Kameras. Die Sze­nerie mutet an, als wäre hier ein gewöhn­li­cher Transfer voll­zogen worden. Doch der Wechsel von Nikita Baranov zum Kris­ti­an­sund Ball­klubb war ein beson­derer.

In Kris­ti­an­sund, zwi­schen Molde und Trond­heim direkt an der nor­we­gi­schen Küste gelegen, herrscht seit jeher große Fuß­ball­be­geis­te­rung. Die Ver­eine der Stadt haben zahl­reiche Talente, allen voran Bayern-Schreck Ole Gunnar Sol­skjær, her­vor­ge­bracht, und an lei­den­schaft­li­chen Anhän­gern man­gelte es nie.

Neue Spieler? Kein Geld!

Im Jahre 2003 fusio­nierten die drei Clubs der Stadt zu einem Verein: Kris­ti­an­sund BK. Von der vierten Liga kämpfte man sich Stück für Stück nach oben – bis im letzten Jahr der Sprung in die Tip­pe­liga, die höchste nor­we­gi­sche Spiel­klasse, klappte.

Neue Liga, neue Her­aus­for­de­rungen für Trainer Chris­tian Michelsen und sein Team. Klar, dass auch Ver­stär­kung her musste. Weil jedoch der not­wen­dige Sta­di­on­umbau bereits das Budget des Klubs über­stieg und vor allem von der Gemeinde groß­zügig bezu­schusst werden musste, beschränkte man sich auf zahl­reiche ablö­se­freie Ver­pflich­tungen.

55.000 Euro Ablöse? 55.000 Euro zu viel!

Dar­über hinaus hatte jedoch ein Spieler das Inter­esse der Ver­ant­wort­li­chen aus Kris­ti­an­sund geweckt: Nikita Baranov – seines Zei­chens est­ni­scher Natio­nal­spieler, Innen­ver­tei­diger und bis vor kurzem in Diensten des Rekord­meis­ters FC Flora.

Schnell konnte man Baranov von einem Wechsel an die Nord­see­küste über­zeugen, wobei finan­zi­elle Aspekte aller­dings keine Rolle gespielt haben dürften. Denn der FC Flora beharrte auf der gefor­derten Ablöse von 55.000 Euro. Eine Summe, die Kris­ti­an­sunds Hand­lungs­spiel­raum bei Weitem über­stieg.

Wo andere den Transfer hätten platzen lassen, gab man beim KBK die Hoff­nung nicht auf, die Nor­weger wollten Baranov unbe­dingt in ihren Reihen wissen. Doch 55.000 Euro, umge­rechnet 500.000 Kronen, fehlten schlichtweg zur Ver­pflich­tung des Esten. Darum star­tete der Verein im Ver­trauen auf seine lei­den­schaft­li­chen Fans einen Aufruf und appel­lierte an die ganze Region Nord­møre: Jede Summe hilft – ob klein oder groß!

Schnell stieß die Kam­pagne auf große Unter­stüt­zung und es wurden zahl­reiche Spenden ein­ge­reicht. Aber natür­lich ging der Verein nicht nur bei seinen Anhän­gern hau­sieren, son­dern inten­si­vierte selbst alle Bemü­hungen, das Geld zu beschaffen.

So konnte der Haupt­sponsor, die ört­liche SpareBank“, über­zeugt werden, rund 300.000 Kronen zur Ver­fü­gung zu stellen. Über eine nor­we­gi­sche Crowd­fun­ding-Platt­form kamen mehr als 50.000 Kronen dazu, viele wei­tere Men­schen aus der Umge­bung spon­serten dem Club einen Teil ihres Ersparten.

So wie einst in Grimsby

Dann end­lich war es soweit: Durch die Hilfe seiner Fans hatte der Club die gefor­derte Summe bei­sammen, kurze Zeit später wurde Baranov offi­ziell als Neu­zu­gang vor­ge­stellt. Natür­lich weiß man beim Kris­ti­an­sund BK wie dieser Erfolg zustande kam: Dank der enthu­si­as­ti­schen Fans rund um die Mann­schaft haben wir es geschafft mehr als 500.000 Kronen zu sam­meln!“, bedankte sich der Verein in einem offi­zi­ellen State­ment für all die Unter­stüt­zung.

Der Erfolg von Kris­ti­an­sund war nicht der erste seiner Art. Im Juli 2015 planten Anhänger aus dem eng­li­schen Fischerort Grimsby ihren Verein mit 20.000 Pfund dabei zu unter­stützen, Spieler für einen Auf­stieg im nächsten Jahr zu ver­pflichten. Inner­halb weniger Tage zeigte das Spen­den­konto 110.000 Pfund. Kein Wunder, dass der Auf­stieg im nächsten Jahr gelang.

Auch in Kris­ti­an­sund sind die Hoff­nungen auf den Klas­sen­er­halt groß. Wenn am 1. April die Tip­pe­liga-Saison 2017 startet, werden die Fans sehen, ob sich ihr Invest­ment gelohnt hat.