Seite 2: Nebenjob: Hooligan-Mode

Und wäh­rend Gil­mours Klas­sen­ka­me­raden sich bei der Fremd­spra­chen­wahl für Spa­nisch, Deutsch oder Fran­zö­sisch ent­schieden, wählte das Wun­der­kind ein­fach mal Man­darin-Chi­ne­sisch. Warum? Weil er es kann. Auch sonst ist diesem Billy Gil­mour scheinbar keine Chal­lenge zu groß, wie diese etwa zwei Jahre alte Anek­dote belegt: Mein Berater rief mich eines Tages aus hei­terem Himmel an und fragte: Hast du Lust, als Model zu arbeiten?‘ Ich so: Was?‘ Er sagte: Es ist nur für ein Jahr, ein paar Shoo­tings, mehr nicht.‘ Ich fragte: Für wen?‘ Er ent­geg­nete: Für Bur­berry.‘ An diesem Punkt der Unter­hal­tung ent­fuhr mir ein Aye!‘ (schot­ti­sches Slang­wort für: Yes!; d. Red.).“

Wäh­rend der 16-jäh­rige Billy Gil­mour im Nebenjob Hoo­ligan-Mode in Szene setzte, blieb er im übrigen Leben ein braver Nerd – in der Schule und auf dem Fuß­ball­platz: Bereits als 17-Jäh­riger durfte er für die schot­ti­sche U21-Natio­nal­mann­schaft auf­laufen, inzwi­schen stehen für den Rechtsfuß mit dem mehr als brauch­baren Linken zwölf Ein­sätze und ein Treffer zu Buche. Gil­mours erste Beru­fung in den Kader der A‑Nationalmannschaft ist nur noch eine Frage der Zeit.

Trotz des gewal­tigen Hypes um seine zarte Person droht der Mus­ter­schüler kei­nes­wegs vom Kurs abzu­kommen, denn Billy Gil­mour hat noch einen wei­teren wich­tigen Wahl­spruch: Blicke nie zurück auf das Erreichte, son­dern schaue immer nach vorn – auf deine Ziele! Ent­spre­chend fleißig büf­felt er sein abso­lutes Haupt­fach: Fuß­ball. Im Lon­doner High­tech-Trai­nings­zen­trum der Blues“ ist Gil­mour stets der Erste, der auf dem Platz erscheint und anschlie­ßend der Letzte, der wieder in der Kabine ein­tru­delt.

Ich habe unzäh­lige Art of Passing‘-Highlightvideos bei You­tube geguckt“

Nach dem Trai­ning duscht das Aus­nah­me­ta­lent, springt in seine Kla­motten, isst etwas (natür­lich gesund) und widmet sich dem obli­ga­to­ri­schen Theorie-Unter­richt – auto­di­dak­tisch, am eigenen Laptop: Ich habe bereits unzäh­lige Art of Passing‘-Highlightvideos von Mit­tel­feld­spie­lern auf meiner Posi­tion bei You­tube geguckt. Ich sehe mir eigent­lich nichts anderes an.“

Wem er dabei am liebsten auf die Füße schaut? Cesc (Fab­regas; die Redak­tion) ist defi­nitiv einer, mit dem ich meine Spiel­weise in den letzten Jahren oft abge­gli­chen habe“, so Gil­mour. Er war ein Top­spieler, ist es immer noch, folg­lich ist er einer, an dem ich mein Spiel aus­richte. Modric … Iniesta auch und Frenkie de Jong – ich liebe es, ihn spielen zu sehen.“

Fab­regas, Modric, Iniesta, De Jong – in diese Liga will Chel­seas Eigen­ge­wächs eines Tages auf­steigen. Nicht wenige Experten behaupten: Er gehört schon jetzt dazu. Worauf man erstaunt zurück­fragen könnte: Wie gut soll dieser Billy Gil­mour dann noch werden?