Seite 2: Formkrisen und Patzer

3. Schlüs­sel­spieler in Form­krisen

Erschwe­rend kam hinzu, dass die Leis­tungs­träger der Hin­runde in den ver­gan­genen Wochen schwä­chelten. Fein hatte einen schweren Stand, nachdem ihn jeder Gegner eng deckte. Er agierte zuletzt jedoch auch weniger ball­si­cher als im Herbst.

Schlimmer noch war das Form­tief der Außen­stürmer: Kittel ver­sprühte nichts von dem Esprit, der ihn in der Hin­runde aus­ge­zeichnet hatte. Auch bei Bakary Jatta häuften sich zuletzt die tech­ni­schen Fehler – und das bei einem Spieler, der ohnehin Schwä­chen in diesem Bereich hat. Hecking musste per­so­nell viel aus­pro­bieren, fand aber keine Lösung, seine form­schwa­chen Schlüs­sel­spieler zu ersetzen.

4. Defen­siv­patzer

Trotz all der Pro­bleme muss man fest­halten: Grund­sätz­lich hatte der HSV die meisten seiner Par­tien im Griff. Sie ließen Ball und Gegner laufen und ver­hin­derten somit, dass der Gegner sich in der Ham­burger Hälfte fest­setzen konnte. In vielen Spielen stimmte auch der Ein­satz im Spiel gegen den Ball, der HSV über­zeugte mit einem aggres­siven Gegen­pres­sing.

Das hilft jedoch nichts, wenn der Mann­schaft pro Spiel ein bis drei grö­bere Patzer unter­laufen. Mal waren es Mit­tel­feld­spieler, die mit kata­stro­phalen Pässen geg­ne­ri­sche Konter ein­lei­teten. Mal ver­loren Abwehr­spieler wich­tige Zwei­kämpfe, mal pennte gleich die ganze Abwehr­kette. Selten fing der HSV ein Gegentor, weil der Gegner indi­vi­duell oder tak­tisch über­legen war. In den meisten Fällen war man selbst schuld, dass hinten nicht die Null stand.

5. Stan­dard­si­tua­tionen

Acht Tore gelangen dem Ham­burger SV nach ruhenden Bällen; nur halb so viele wie dem VfB Stutt­gart (16) und deut­lich weniger als Arminia Bie­le­feld (14). Gerade in diesem Bereich zeigt sich, wie harmlos der Ham­burger SV in der Rück­runde auf­trat. Sie hatten prak­tisch nur eine ein­zige Ecken­va­ri­ante im Gepäck: ein gelupfter Ball an den ersten Pfosten. Diese Vari­ante funk­tio­nierte prak­tisch nie – und wurde doch drei- bis viermal pro Partie aus­pro­biert. Das belegt die ganze feh­lende Krea­ti­vität, die den HSV in dieser Spiel­zeit geplagt hat.

Mental gebro­chen, tak­tisch aus­re­chenbar, unkreativ: Es gibt kaum einen Teil­be­reich des Fuß­balls, in dem der HSV zuletzt über­zeugt hat. Viel­leicht ist es auch besser, ein Ende mit Schre­cken zu haben – statt eines Schre­ckes ohne Ende. Denn Werder Bremen hätte der HSV in der aktu­ellen Form kei­nes­falls schlagen können. Ihm gelang ja nicht einmal ein Unent­schieden gegen Sand­hausen. Das ist die neue Rea­lität, die der stolze Klub akzep­tieren muss: Er ist ein­fach nur ein Zweit­li­gist.