Kann ja sein, dass es dafür noch zu früh ist, aber am Ende ist alles immer nur eine Moment­auf­nahme und des­halb: J’accuse, Marco Rose! 

Denn Mön­chen­glad­bachs neuer Trainer schmet­tert Wahr­heiten auf den Mist­haufen der Betrach­tung, dass es schmerzt. Oder vor Glück tau­melnd macht. Je nachdem, wie man es mit der Borussia hält.

Die Wahr­heiten, von denen die Rede ist, das sind jene Flos­keln, die Fuß­baller von der Cham­pions League bis hin in die Kreis­ligen aus den Lungen prusten, Woche für Woche, Tag für Tag, Spiel für Spiel. Alles raus­hauen“ müsse man, obgleich die Mann­schaft natür­lich noch in einer Ent­wick­lung“ stecke oder gleich in einem Fin­dungs­pro­zess“. Was betroffen macht und zugleich die Frage auf­wirft, wann Jörg Won­torra sein Come­back mit Bitte melde Dich“ gibt, nur auf Fuß­ball gemünzt. Wer ob all der Flos­kel­wolken noch keinen die eigenen Syn­apsen schüt­zenden Regen­schirm gespannt hat, stelle sich dann dem End­gegner, den Auto­ma­tismen“, die noch nicht da sind, und wo sind sie denn, fragt man sich, viel­leicht ja mit den Fin­dungs­pro­zessen“ durch­ge­brannt.

Kafka lässt grüßen: Vom Pro­zess“ zur Ver­wand­lung“

Rhe­to­ri­scher Grusel ist das, dazu da, abzu­lenken. Von der Unlust, sich kri­ti­schen Fragen und Gedanken zu stellen. Oder der Ein­sicht, dass es schlicht am Können man­gelt oder man selbst nicht weiß, woran das den nun Alles liegt. Und warum auch nicht, denn man kann zwar alles fragen, aber nicht alles wissen und es ist wie es ist und manchmal eben so. Und dann kommt dieser Marco Rose, kommt dieses Borussia Mön­chen­glad­bach der Saison 2019/20 und zeigt auf: Doch! Stimmt! Alles!

Denn zu Beginn dieser Spiel­zeit sah das, was die Mann­schaft von Marco Rose auf den Rasen brachte, zumeist mehr nach Leicht­ath­letik denn nach Fuß­ball aus. Erst nach und nach offen­barte sich auch ein spie­le­ri­scher Wandel. Und so ist der Umstand, dass Kinder, die nach dem 16. Oktober 2019 das Licht der Welt erblickten, keinen anderen Bun­des­liga-Tabel­len­führer kennen als Borussia Mön­chen­glad­bach, das Resultat eines, genau: Fin­dungs­pro­zesses“. In dessen Lauf die Auto­ma­tismen“ zu greifen“ begannen. 

Das beste Bei­spiel für diese These stammt aus Öster­reich und hört auf den Namen Stefan Lainer. Der Rechts­ver­tei­diger, wie sein Coach vor der Saison aus Salz­burg gekommen, wirkte unter den Neu­er­dings-Leicht­ath­leten zu Beginn wie ihr Zehn­kämpfer. Ein beharr­li­ches Paket Mensch, das endlos laufen, springen, kratzen kann. Und ein Fuß­baller, der anfangs dieser Spiel­zeit in so man­cher Situa­tion wirkte, als wolle er mit seinem nächsten Pass einen neuen Lan­des­re­kord im Ham­mer­wurf auf­stellen. Aber dann setzte er ein, der Pro­zess“, der sich für Kri­ti­kaster als­bald als Ver­wand­lung“ anfühlen musste.