Seite 2: Zehn Spiele, zehn Anstoßzeiten

Nun soll durch eine gemein­same Erklä­rung der Kapi­täne der Wut der Spieler eine pro­mi­nente Stimme ver­liehen werden. Auch in der Bun­des­liga wurde schon über­legt, ein­zelne Par­tien in Asien aus­zu­tragen. Plan­spiele wie diese gibt es in allen großen euro­päi­schen Ligen. Doch die Pri­mera Divi­sión ist der Kon­kur­renz weit voraus. Das Supercup-Finale zwi­schen dem FC Bar­ce­lona und dem FC Sevilla fand dieses Jahr in Marokko statt. Im Kampf um welt­weite Fern­seh­gelder scheint LaLiga keine Skrupel zu haben, die Inter­essen der hei­mi­schen Fans und der Spieler an den Höchst­bie­tenden zu ver­kaufen. Doch die Spiele außer­halb Europas sind nicht der ein­zige Kri­tik­punkt der Spieler. Auch die neuen Anstoß­zeiten wollen sie nicht akzep­tieren.

Als Schieds­richter Xavier Fer­nandez am ver­gan­genen Sonntag um kurz vor Mit­ter­nacht das Spiel zwi­schen Real Madrid und Getafe abpfiff, zeigte Toni Kroos kaum eine Regung. Erschöpft, den Blick Rich­tung leerer Ränge, trot­tete er vom Platz – trotz des 2:0 beim Auf­takt in die Pri­mera Divi­sion. Später schrieb er auf Twitter: Ich freue mich mehr als es scheint, aber um diese Zeit schlafe ich nor­ma­ler­weise schon.“ 

Minus-Rekord im Ber­nabéu

Auch den Zuschauern schien die späte Anstoß­zeit nicht zu gefallen. Bis sie den Stau auf dem Paseo de la Cas­tel­lana, der das Sta­dion mit Stadt und Umland ver­bindet, über­wunden hatten und zu Hause ange­kommen waren, dau­erte es bis tief in den Montag hinein. Ein Grund, warum nur 48.446 Fans ins Ber­nabéu kamen, so wenige, wie seit Mai 2009 nicht mehr. Damals spielte Real das vor­letzte Spiel der Saison gegen Mal­lorca, die Liga war ver­loren. Das Spiel am Sonntag war das erste der Saison. Die erste Mög­lich­keit die Neu­zu­gänge und den neuen Trainer im Ber­nabéu live in Aktion zu sehen.

Die Spiele der spa­ni­schen Liga sind brei­test­mög­lich über das gesamte Wochen­ende ver­teilt. Am kom­menden Wochen­ende findet keine zwei Spiele zeit­gleich statt. Kon­kret heißt das: Zwei Spiele am Freitag, drei am Samstag, drei am Sonntag, zwei am Montag. An jedem Tag beginnt die letzte Partie um 22.15 Uhr. Selbst für viele Heim­fans ist das mit dem Alltag nur schwer zu ver­ein­baren, für Aus­wärts­fans ist es so gut wie unmög­lich. Nur wenige Real-Fans werden in der kom­menden Sonn­tag­nacht in das knapp 600 Kilo­meter ent­fernte Girona fahren. Anpfiff ist um 22.15 Uhr. Der hei­mi­sche Fan scheint nicht mal mehr als Sta­tist in der Kulisse für die glo­bale Show gebraucht zu werden.