Hakan Sükür gegen Recep Tayyip Erdogan

Ein großes Politikum

Denn bereits 2015 hatte der ehemalige Angreifer das Land aus Angst vor dem langen Arm der Regierungspartei AKP verlassen und ein Café in der Bucht von San Francisco eröffnet. Seit 2016 liegt ein Haftbefehl gegen ihn vor.

 

Nicht der einzige prominente Fall

 

Vom Umgang der Türkei mit Gülen-nahen Sportlern kann auch Enes Kanter ein Lied singen. Der 2,11-Meter große Weltklasse-Basketballer ist Anhänger der Gülen-Bewegung und seit der Aberkennung seiner Staatsbürgerschaft 2017 staatenlos. Das hat unter anderem zur Folge, dass er die Vereinigten Staaten, wohin er emigrierte und bei den Boston Celtics ziemlich erfolgreich Basketball spielt, nicht verlassen kann. Die Türkei fordert währenddessen seine Auslieferung. Deshalb konnte Kanter beispielsweise im Januar nicht zu einem Basketball-Spiel in London reisen.

 

Sport trifft Politik

 

Wie eng in der Türkei Sport und Politik miteinander verwoben sind, zeigt sich aktuell auch an den Solidaritätsbekundungen der türkische Nationalmannschaft mit dem völkerrechtswidrigen Einmarsch der Armee in Nordsyrien. Besonders Spieler wie Kaan Ayhan oder Kenan Karaman rücken dann in den Fokus, denn sie bewegen sich auf einem ausgesprochen schmalen Grat: Da sie in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, erwartet die deutsche Öffentlichkeit ein Bekenntnis zu westlichen Werten. Oder wie es der Düsseldorfer Sportdirektor Lutz Pfannenstiel bezüglich des Salutier-Torjubels ausdrückte: »Wir sind davon überzeugt, dass ihnen nichts ferner lag, als ein politisches Statement abzugeben. Beide Spieler stehen für die Werte, die unser Verein lebt.«

 

Die Ansprache Pfannenstiels zeigte Wirkung: Als Kaan Ayhan nach seinem Ausgleichstreffer gegen Frankreich zum Jubeln abdrehte – und den militärischen Gruß seiner Mannschaftskollegen verweigerte. Das brachte ihm allerdings Ärger auf dem Platz ein, wo Verteidiger Merih Demiral wüst auf ihn einredete.

 

Und so zeigt sich einmal mehr, welch großes Politikum der Fußball ist: Viele Türken, darunter auch einige Nationalspieler, erwarten von ihren Mitspielern Patriotismus und Identifikation mit der Politik Erdogans. Die Demontage der Legende Hakan Sükür und auch der Fall Enes Kanter demonstrieren auf der anderen Seite, was Sportlern droht, die sich regierungskritisch äußern.