17:23 Uhr MEZ
Ein Hub­schrauber landet in Hun­tington Beach, Kali­for­nien. Jürgen Klins­mann hopst heraus, feder­leicht und voller Energie läuft er in Rich­tung seiner Villa, vorbei an beru­hi­genden Buddha-Sta­tuen und schat­ten­spen­denden Bäumen voller low han­ging fruits. Schön hat er es hier, da können die Neider in Deutsch­land behaupten, was sie wollen. Doch nicht nur des­halb ist der ehe­ma­lige Team­chef bester Laune. Er liebt Tage wie diesen, Tage, an denen alles mög­lich ist, Tage, an denen er theo­re­tisch schon in wenigen Momenten wieder zurück in den Hub­schrauber klet­tern könnte, weil sein Berater sich gemeldet hat mit einem span­nenden Ver­trags­an­gebot. Gleich wird er bei Face­book live gehen, geplant ist ein kleines Q+A zu den Gerüchten um ihn und den FC Bar­ce­lona, dem er natür­lich helfen würde, sollten die Ver­ant­wort­li­chen ihn denn fragen. Warum ich dem FC Bar­ce­lona helfen würde“ – guter Titel, prä­gnant und catchy, aber durchaus seriös, denkt Klins­mann zufrieden. Dass es noch gar kein Gerücht um ihn und den FC Bar­ce­lona gibt? Geschenkt. Es gab damals bei Hertha auch nie Kon­takt zu Tesla [wenn man mal von der unwür­digen Szene absieht, in der er, Jürgen Klins­mann!, von irgend­einem unge­ho­belten Secu­rity-Gro­bian von der Bau­stelle in Grün­heide geschmissen wurde, weil (so die offi­zi­elle Ver­sion) Elon Musk dort angeb­lich gar nicht arbeiten und ohnehin nie­manden ohne Termin emp­fangen würde], und trotzdem redeten alle dar­über. Zudem ist es ja so: Er war schon immer eher so der Macher-Typ, warum sollte das aus­ge­rechnet bei Gerüchten etwas Schlechtes sein? Außerdem muss es ja gar nicht Barca werden, er ist da nicht fest­ge­fahren, auch Tot­tenham würde er machen. Und haben die Bayern am Wochen­ende nicht eben­falls ver­loren? Exci­ting! Das Leben ist wie ein Kuchen, denkt Klins­mann, ohne Eier geht gar nichts. Er lächelt und schiebt sich die Son­nen­brille von der Nase über die Stirn auf die Schä­del­decke, erstmal das Handy che­cken, viel­leicht gibt’s ja News…

17:28 Uhr MEZ
Keine News, aber das macht nichts, Klins­mann fährt fröh­lich pfei­fend den Rechner hoch. Er öffnet den Internet Explorer, schließt rou­ti­niert die Pop-Ups (Indeed? Step­stone? Wer braucht denn so was?) und tippt www​.face​book​.com in die Adress­zeile ein. Es kann los­gehen.

17:29 Uhr MEZ
Die Seite öffnet sich nicht. Was komisch ist, weil es auf anderen Seiten keine Pro­bleme zu geben scheint, das Alpha-Men­to­ring-Pro­gramm zum Bei­spiel läuft tadellos, auch die Business-Englisch-für-Angeber“-Lektion auf Duo­lingo funk­tio­niert. Strange. Was hat das zu bedeuten? Will ihn irgendwer gezielt sabo­tieren? Sein alter Wider­sa­cher Preetz? Dem Schurken wäre alles zuzu­trauen. Ande­rer­seits ist der doch tech­nisch dazu gar nicht in der Lage, von einer derart pro­gres­siven Platt­form wie Face­book hat der doch keine Ahnung. Oder?

17:32 Uhr MEZ
Face­book ist immer noch down. Haben die etwa keinen Per­for­mance Manager? Pein­lich!

17:35 Uhr MEZ
Langsam ist Klins­mann ver­un­si­chert. Eigent­lich wollte er seit fünf Minuten live sein, über den FC Bar­ce­lona spre­chen, über Tot­tenham und Daniel Levy, über das, was damals bei der Hertha intern wirk­lich pas­siert ist, über die Schwä­chen, fach­liche wie mensch­liche, von Preetz. Wie soll er all diese Themen jetzt ver­ar­beiten? Etwa in Pri­vat­ge­sprä­chen, mit den Leuten, die sie wirk­lich etwas angehen? Klins­mann denkt kurz nach. Nein, das ist keine Option.

17:39 Uhr MEZ
Aber gut, mit tech­ni­schen Pro­blemen kennt Klins­mann sich aus. Als Hertha-Coach konnte er sie zum Bei­spiel jeden Tag bei seinen Jungs im Trai­ning beob­achten, der Mit­tel­städt, hehe, will­kom­mene Inspi­ra­tion für die Tage­bü­cher. Über­haupt, die Tage­bü­cher. Hach. Er liest sie noch heute gerne, der gefäl­lige Stil, die bru­tale Ehr­lich­keit, die fes­selnde Dra­ma­turgie, ein rundum gelun­genes Werk. Wobei, ist er in man­chen Pas­sagen nicht doch etwas zu hart mit sich selbst ins Gericht gegangen? Und war Preetz, diesem Brems­klotz, gegen­über zu lasch? Gut mög­lich. Ande­rer­seits haben Sie ihm damals bei der Sport­bild ver­si­chert, dass der Text sich her­vor­ra­gend lesen und bestimmt ganz wun­derbar funk­tio­nieren würde. Und wieso hätten sie ihn damals anlügen sollen?

17:46 Uhr MEZ
Wenn bei Face­book nichts geht, denkt Klins­mann, kann er die Zeit wenigs­tens sinn­voll nutzen und einen Teil der Kor­re­spon­denz erle­digen, die sich in den ver­gan­genen Tagen ange­staut hat. Hello Mr. Levy“, schreibt er also bei WhatsApp, I have some great news for you: I am defi­ni­tely inte­rested in coa­ching the Spurs! For fur­ther infor­ma­tion please follow my next face­book live q+a“

17:48 Uhr MEZ
Noch immer ist die Nach­richt nicht in London ange­kommen. Hat der Mist­kerl ihn etwa schon wieder geblockt? Dabei hat er ihm dieses Mal gar nicht ange­kün­digt, dass er bei Tot­tenham als erstes gerne den Chairman aus­tau­schen würde. Hof­fent­lich funk­tio­niert Face­book bald wieder, irgendwem muss er von dieser Frech­heit erzählen…

17:55 Uhr MEZ
Dann eben per SMS. Hello Mr. Levy“, schreibt Klins­mann also wieder, I have some great news for you: I am defi­ni­tely inte­rested in coa­ching the Spurs! For fur­ther infor­ma­tion please follow my next face­book live q+a“