Er kommt: Der FC Bayern Mün­chen und Pep Guar­diola haben auf eine Zusam­men­ar­beit mit Beginn der Saison 2013/14 geei­nigt. Der begehr­teste und erfolg­reichste Trainer der ver­gan­genen Jahre wird ein Bayer – was für ein Aus­ru­fe­zei­chen von der Säbener Straße. 14 Titel hat Guar­diola wäh­rend seiner Zeit als Macher beim FC Bar­ce­lona gewonnen. Er hat eine Mann­schaft um die Welt­stars Iniesta, Xavi und Messi den attrak­tivsten Fuß­ball der jün­geren Ver­gan­gen­heit spielen lassen. Und er ist erst 41 Jahre alt. Auf den ersten Blick ist den Bayern ein Sen­sa­ti­ons­transfer gelungen.

Guar­diola suchte eine neue Her­aus­for­de­rung – in Mün­chen hat er sie gefunden

Auch auf den zweiten Blick? Wer kann jetzt schon mit Gewiss­heit sagen, ob der Kata­lane Guar­diola und die Mia san mia“-Bayern so gut mit­ein­ander har­mo­nieren, wie es sich die Ver­eins­oberen um Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rum­me­nigge und Mat­thias Sammer wün­schen? Eine so per­fekte Mischung, wie es die Kom­bi­na­tion Guar­diola-Barca war, wird nicht zu wie­der­holen sein. Aber die Vor­aus­set­zungen für eine erfolg­reiche Zusam­men­ar­beit sind gegeben: der FC Bayern Mün­chen 2013 ist längst auf Augen­höhe mit den Top­adressen im Ver­eins­fuß­ball. Finan­ziell, sport­lich, sta­di­on­tech­nisch, struk­tu­rell – und jetzt kommt ein junger Trainer, der nicht nur als einer der besten seines Fachs gilt, son­dern auch noch nach Jahren mit der Barca-Sie­ges­fa­brik nach einer neuen Her­aus­for­de­rung sucht. Und wer, wenn nicht der FC Bayern, ist so eine Her­aus­for­de­rung?

Der durchaus über­ra­schende Guar­diola-Transfer ist auch eine klare Ansage der Bayern an die Kon­kur­renz. Nach dem Motto: Seht her, wenn wir wollen, arbeitet der begehr­teste Trainer der Welt eben für uns! Weil wir ihm Arbeits­be­din­gungen, exzel­lente Spieler und ein Umfeld bieten können, das er so höchs­tens nur bei vier oder fünf anderen Klubs auf diesem Pla­neten finden könnte. Und weil wir ihn bezahlen können – den Mil­li­ar­dären aus London, Paris und Man­chester zum Trotz.

Ein­ziges Vorab-Risiko bei dieser Ver­pflich­tung: Außer­halb von Bar­ce­lona hat Guar­diola noch nicht als Trainer gear­beitet. Hier ist der am 18. Januar 1971 in Sant­pedor, 70 Kilo­meter nord-öst­lich von Bar­ce­lona gebo­rene Guar­diola groß geworden, hier reifte er in der Jugend­aka­demie und später als Stamm­spieler zu einem euro­päi­schen Top­star. Hier begann er 2007 seine Arbeit in der B‑Mannschaft, hier wurde er zum erfolg­reichsten Trainer in der Geschichte des an Erfolgen eben nicht armen FC Bar­ce­lona. Und jetzt? Die Bayern. Es ist Expe­ri­ment. Das Expe­ri­ment heißt: kann Pep Guar­diola auch außer­halb von Bar­ce­lona eine Ära prägen?

Wieder ein Expe­ri­ment

Schon einmal sind sie in Mün­chen mit einem Expe­ri­ment geschei­tert. Das Expe­ri­ment hieß Jürgen Klins­mann. Aber das war eine andere Zeit, andere Vor­aus­set­zungen, ein anderer FC Bayern. Klins­mann hatte keine Erfah­rung als Ver­eins­trainer und wollte den Verein radikal revo­lu­tio­nieren.

Guar­diola schuf­tete als Ver­ein­s­an­ge­stellter jah­re­lang so hart, dass er am Ende nach eigener Aus­sage die Reiß­leine ziehen musste, um nicht als psy­chi­schen Wrack zu enden. Er ist kein Revo­luzzer wie Klins­mann. Er ist ein Trainer mit einer klaren Vor­stel­lung davon, wie Fuß­ball funk­tio­nieren kann und soll. Und er ist mit seinen 41 Jahren erfahren genug, um sämt­liche ihm in Mün­chen zur Ver­fü­gung ste­henden Mög­lich­keiten aus­zu­nutzen, um seine Idee des Spiels bei den Bayern ein­zu­pflanzen — und die Mög­lich­keiten nicht zu mani­pu­lieren oder gar zu igno­rieren. Nicht nur Bayern-Boss Karl-Heinz Rum­me­nigge hofft des­halb, dass einer der erfolg­reichsten Trainer der Welt […] nicht nur dem FC Bayern, son­dern auch dem deut­schen Fuß­ball viel Glanz ver­leihen kann.“

Deutsch­land ist dem zur Welt­marke gereiften Klub aus Mün­chen nicht mehr genug. Europa ist das Ziel. Zweimal ist man in den ver­gan­genen drei Jahren am großen Ziel, dem Cham­pions-League-Tri­umph, geschei­tert. Guar­diola soll es richten. Und wenn einer weiß, wie man den Sil­ber­ling mit den großen Ohren gewinnt, dann ja wohl Pep Guar­diola. Dreimal bestieg er bis­lang Europas Thron: 1992 als Spieler, 2009 und 2011 als Trainer. Sollte ihm dieses Kunst­stück auch mit dem FC Bayern gelingen, dürfte tat­säch­lich weißer Rauch über der Säbener Straße auf­steigen.