1. Fuß­ball­narr im Vatikan

In seiner Kind­heit spielte der kleine Karol Woj­tyła (Spitz­name Lolek“) als Tor­wart auf den Bolz­plätzen seiner Hei­mat­stadt Wado­wice. Seine Fuß­ball­be­geis­te­rung blieb er sich auch noch in seiner Rolle als Papst Johannes Paul II treu. Einst Fan von KS Cra­covia, hatte es ihm später der FC Bar­ce­lona angetan, bei dem er ebenso Ehren­mit­glied war wie bei Schalke 04. Dort hatte sich sei­ner­zeit die reni­tente Ver­eins­le­gende Charly Neu­mann bei der Papst­messe im Park­sta­dion (vor 100.000 Zuschauern) an allen Body­guards des hei­ligen Vaters vor­bei­ge­schli­chen und Johannes Paul höchst­per­sön­lich die Hand auf­ge­legt. Zitat Neu­mann: Ich ernenne Sie zum Ehren­mit­glied unseres Ver­eins!“ Der Papst lächelt nur und wurde fortan unter der Mit­glieds­nummer 00800200 geführt.

2. Der Theo­re­tiker

Weniger begeis­tert vom runden Leder zeigt sich sein Nach­folger Joseph Ratz­inger, alias Bene­dikt XVI. Er nähert sich dem Fuß­ball eher auf seine ganz eigene, theo­re­ti­sche Art und Weise. In einer Refle­xion über die Fuß­ball-WM spricht er von einem Tun, das ganz frei ist, ohne Zweck und ohne Nöti­gung, und das dabei doch alle Kräfte des Men­schen anspannt und aus­füllt“. Er erkenne im Fuß­ball einen Zweck der Züch­ti­gung des Men­schen, so dass er durch Trai­ning die Ver­fü­gung über sich gewinnt, durch Ver­fü­gung Über­le­gen­heit und durch Über­le­gen­heit Frei­heit.“ Der größte Fuß­ballfan des Vati­kans Kuri­en­kar­dinal Tar­cisio Ber­tone zeigte sich trotz dieser wenig fan­nahen Aus­sagen begeis­tert über Ratz­in­gers Wahl: Die Kirche hat ihren Becken­bauer gefunden!“ Bene­dikt XVI. sei wie ein zurück­ge­zo­gener Regis­seur, der aber lange Pässe in die Tiefe schlagen kann“. Nun ja.

3. Fuß­ball­gene

Ratz­inger hätte jedoch beste Vor­aus­set­zungen, um den Fuß­ball ganz für sich zu ent­de­cken. Über ein paar Ecken ist er mit Paul Breitner ver­wandt. Da müssten die Gene doch in der Familie liegen. Aber zuge­geben, es sind doch recht viele Ecken: Der Bruder des Groß­va­ters des heu­tigen Papstes war mit einer Frau ver­hei­ratet, die wie­derum mit dem Groß­vater müt­ter­li­cher­seits von Breitner ver­wandt war. Wer da noch den Durch­blick behält, ver­steht auch Breit­ners gelas­senen Kom­mentar zur hei­ligen Fami­li­en­ber­bin­dung: Die Tat­sache, dass ich mit ihm ver­wandt bin, stimmt, und weiter will ich nichts unter­nehmen.“

4. Ange­him­melt

Fuß­ball-Natio­nal­stürmer Helmut Haller wurde mit dem Team des FC Bologna samt Fami­lien zu einer Pri­vat­au­dienz beim Papst geladen. Vor einem Spiel gegen Lazio Rom war das Treffen von Klub­prä­si­dent Goldoni arran­giert worden. Bezüg­lich seiner Fuß­ball­kennt­nisse zeigte sich Paul VI. jedoch bescheiden: Wir freuen uns, Ita­liens Meis­ter­mann­schaft begrüßen zu können, doch vom Fuß­ball ver­stehen wir nichts. Wir sind weder Fuß­ball­fans, noch Zuschauer, doch ab und zu ver­folgen wird den Sport in der Zei­tung. Wir wissen nur, dass es bei einem Fuß­ball­spiel einen Tor­wart gibt“. Nach der 25-minü­tigen Visite war Haller wie beseelt. Zu seiner Frau Wal­traud sagte er Hast du die schönen Augen vom Papst gesehen? Direkt him­mel­blaue Augen.“ Lechz.

5. Brüder im Geiste

Auf seiner Hoch­zeits­reise durch Europa 1966 wurden auch Pelé und seine Frau von jenem Paul VI. emp­fangen. Der zog auch gleich einen inter­es­santen Ver­gleich: Ich habe schon viel von Ihnen gehört. Sie sind der beste Fuß­ball­spieler. Sie stehen immer im Blick­punkt der Öffent­lich­keit, Sie haben prak­tisch kein Pri­vat­leben – ich möchte sagen, meine Stel­lung ist mit Ihrer inso­fern fast zu ver­glei­chen.“ Amen.

6. Wer ist der Boss?

Als Natio­nal­trainer führte Jack Charlton Irland zur ersten WM-Teil­nahme 1990 nach Ita­lien. Der kau­zige Charlton, der bei Pres­se­kon­fe­renzen regel­mäßig eine Ziga­rette schnorrte und das Gespräch been­dete, wenn er die Kippe aus­ge­drückt hatte, war bei Medi­en­ver­tre­tern unbe­liebt, aber für die Fans der Größte. Selbst Johannes Paul II. hatte da keine Zweifel. Wäh­rend einer Audienz sagt er zu Charlton: Ja, ich weiß, wer Sie sind. Sie sind der Boss.“

7. Gip­fel­treffen

Papst Bene­dikt XVI. emp­fing einst den Nächst­höchsten zum Gip­fel­treffen der beson­deren Art – Kaiser Franz Becken­bauer. Im Anschluss zeigte sich der welt­liche Herr­scher unter­wür­figer als gewohnt: Dies war einer der bewe­gendsten Momente in meinem Leben. Es ist ein Erlebnis, mit einem Papst über Fuß­ball spre­chen zu dürfen.“ Auch Rudi Völler war bei der Audienz im Vor­feld der WM 2006 zugegen. Sie schenkten dem Papst einen Wimpel, Bene­dikt XVI. bedankte sich mit dem Ver­spre­chen, sich alle wich­tigen Spiele der WM anschauen zu wollen. Ob Becken­bauer im Heli­ko­pter ange­reist war, ist nicht bekannt.

8. Keine Freunde

Dass nicht jeder bei einem Treffen mit dem Papst vor Begeis­te­rung ent­zückt ist, bewies Jürgen Klins­mann. Bei einer Audienz für seinen dama­ligen Verein Inter Mai­land erhielt jeder Spieler eine Seg­nung per Hand­schlag, nur Pro­tes­tant Klinsi ver­steckte sich hinter seinen Kol­legen. Die Bild tie­telte ent­setzt: Skandal! Klins­mann ver­wei­gert Hand­schlag.“ Kein Wunder, das sie ihn einst im erz­ka­tho­li­schen Bayern vom Hof jagten.

9. Der Vatikan und die FIFA

Hoch­tra­bende Fuß­ball­pläne gab es im Vatikan schon einige. 1982 wollte der Stadt­staat Mit­glied der FIFA werden. Es gab bereits erste Gespräche zwi­schen Sal­va­tore Pap­pa­lardo, Vize­di­rektor des Radio Vatikan und FIFA-Vize Dr. Franchi. Einer Auf­nahme stand von FIFA-Seite wohl nichts im Wege: Wenn ein offi­zi­eller Antrag kommt, kann der Vatikan ohne Pro­bleme auf­ge­nommen werden“, erklärte Franchi. Nun muss nur noch der Vatikan sein OK geben. Das kann aller­dings schon mal meh­rere Jahr­hun­derte dauern.

10. 1. FC Vatikan

Wenn schon kein eigenes Natio­nal­team, dann wenigs­tens eine Mann­schaft in der Serie A, dachte sich Kuri­en­kar­dinal Tar­cisio Ber­tone und plä­dierte einst dafür, eine Fuß­ball­mann­schaft auf­zu­stellen, die mit Inter Mai­land oder dem AS Rom mit­halten könne. Der Kir­chen­mann schlug unter anderem vor, dass junge Bra­si­lianer, die an römi­schen Pries­ter­schulen stu­dierten, in dem Team mit­spielen könnten. Riecht nach Sport­sti­pen­dium für aus­ran­gierte Bra­si­lianer.

11. Unchrist­liche Methoden

Jahr für Jahr kämpfen rund ein Dut­zend Mann­schaften um die Vatikan-Meis­ter­schaft. Dabei spielen die Schweizer Garden“ gegen die Muse­ums­wächter oder Post­be­amten. Mit unlau­teren Methoden ver­suchte sich die Mann­schaft des Per­so­nal­amtes Vor­teile zu ver­schaffen. Mehr­fach schon soll es vor ent­schei­denden Spielen vor­ge­kommen sein, dass das Amt Vati­kan­an­ge­stellte zu unauf­schieb­baren Arbeiten“ abord­nete – zufällig han­delte es sich dabei jeweils um die Spit­zen­spieler des nächsten Geg­ners.

12. Hei­liger Bei­stand

Legendär auch die Geschichte um Horst Hru­besch, die Ex-Natio­nal­trainer Jupp Der­wall in seiner Bio­gra­phie preisgab: Hru­besch kam zu mir nach dem Früh­stück und fragte mich, ob er für zwei Stunden in die Stadt gehen könne. Ich erlaubte es, weil ich ihn als kor­rekten Men­schen kannte.“ Komi­scher­weise hatte das Kopf­bal­lun­ge­heur schon zuvor mehr­fach um Stad­tur­laub gebeten, um genau zu sein: jeden Morgen. Einen Tag vor dem End­spiel gegen Bel­gien kam Hru­besch dann mit einem strah­lenden Lächeln zu Der­wall und rief: Trainer, ich habe ihn gesehen! Ich habe den Papst gesehen, ganz aus der Nähe.“ Damit nicht genug. Hru­besch berich­tete später wie es wei­ter­ging: Auf der Audienz hat der Papst plötz­lich in unsere Rich­tung gewunken und zwei Finger wie zum Vic­tory-Zei­chen gehoben. Ein Ham­burger Jour­na­list hat damals gesagt: Horst, das heißt: du sollst zwei Dinger machen.‘“ Gesagt getan: Hru­besch traf im EM-Finale dop­pelt und machte Deutsch­land zum Euro­pa­meister. Der Jour­na­list brüllte auf der anschlie­ßenden Feier ent­hemmt: Siehst du Horst, der Papst lügt nicht.“