Seite 2: Mittelmäßige Spieler werden nicht besser – aber teurer

Womit wir wieder bei Abel Her­nandez, Brown Ideye und Enner Valencia wären. Die wurden im ver­gan­genen Sommer alle­samt für min­des­tens zehn Mil­lonen Euro zu ihren Klubs Hull (Her­nandez), West Brom (Ideye) und West Ham (Valencia) geholt und waren damit min­des­tens dop­pelt so teuer wie ihr taxierter Markt­wert. Doch dum­mer­weise wurden sie durch ihre absurd hohe Ablö­se­summe nicht absurd besser, son­dern blieben die mit­tel­mä­ßigen Spieler, die sie sind.

Ist das Gras wirk­lich grüner?

Nur weil man als Klub mehr Geld zur Ver­fü­gung hat, werden die Spieler, die man holt kei­nes­falls besser. Sie werden ledig­lich teurer. Durch das viele Fern­seh­geld wird also der Wett­be­werb nicht span­nender, spek­ta­ku­lärer oder schil­lernder, es bildet sich eher eine Mehr­klas­sen­ge­sell­schaft, bei der selbst der Tabel­len­letzte nicht mehr weiß, wo er mit seinem Geld hin soll.

Des­wegen sollte die Liga end­lich auf­hören zu jam­mern, dass das Gras da drüben in Eng­land so viel grüner sei, son­dern die Chance erkennen, bri­ti­sche Top­klubs durch cle­vere Ver­eins­füh­rung als lukra­tive Ein­nah­me­quelle zu nutzen. Man kann Mainz 05 nur gra­tu­lieren, dass sie für Shinji Oka­zaki elf Mil­lionen Euro aus Lei­cester über­wiesen bekommen haben. Und auch bei Han­nover wird man sich an Joselu wahr­schein­lich in zehn Jahren nur noch erin­nern, weil ein Klub wie Stoke City acht Mil­lionen Euro für ihn bezahlt hat. Wenn man dieses Geld in Infra­struk­turen und Nach­wuchs­ar­beit ist es für mit­tel­große Klubs ganz sicher sinn­voller ange­legt, als in einen ein­zelnen Spieler.

Mal ehr­lich, nie­mand braucht ein Mon­tags­spiel, nie­mand braucht sonn­tags um 13:30 Uhr das Duell Ingol­stadt gegen Hertha BSC und nie­mand braucht 10-Mil­lionen-Männer wie Abel Her­nandez im Kader von Darm­stadt 98. Sollte es soweit kommen, ist die Bun­des­liga viel­leicht stein­reich und mächtig stolz auf die eigene Leis­tung. Dabei sollte sie bereits heute stolz sein, eine sehr leben­dige Fan­kultur und halb­wegs gesunde Klubs zu haben, statt nach immer mehr zu gieren. Wenn die Ver­ant­wort­li­chen das nicht begreifen, wird die Bun­des­liga in Zukunft leider ziem­lich egal sein. Weil wir Fans nur noch mit dem Kopf schüt­teln und uns wich­ti­geren Dingen zuwenden werden.