Seite 2: „Ich hab das Potenzial nicht“

6.
Nach der Ent­las­sung von Marcus Sorg 2011, unter dem er als Co-Trainer gear­beitet hatte, bot ihm das Prä­si­dium den Posten an. Streich erbat sich eine Nacht Bedenk­zeit, rief seine wich­tigsten Bezugs­per­sonen zusammen und ließ sich beraten. Die Mehr­heit der Betei­ligten war dafür, dass er den Job über­nehmen solle. Am nächsten Morgen ging er in die Geschäfts­stelle und lehnte ab. Nur um wenig später zurück­zu­kehren und zuzu­sagen. 

7.
Das mit den Ent­schei­dungen ist bei Streich eine schwie­rige Ange­le­gen­heit. Was daran liegen könnte, dass er sich seiner nie zu hun­dert Pro­zent sicher sei, wie er im 11FREUNDE-Inter­view mal zugab. Über ein Fuß­ball­spiel und meine Ent­schei­dungen kann ich wesent­lich ver­läss­li­cher spre­chen als über mich selbst.“ Auch kurz nach seinem Antritt als Chef­trainer war einiges an Unsi­cher­heit vor­handen. Er wisse gar nicht, wie lange er den Job machen könne. Zehn Jahre seien zumin­dest nicht vor­stellbar.

8.
Zehn Jahre sind es auch noch nicht. Aber am 29. Dezember 2018 werden es sieben. Hält er bis dahin durch, liegt er dann auf Platz zehn der Trainer mit der längsten Amts­zeit der Bun­des­li­ga­his­torie. Der aktuell dienst­äl­teste Trainer der Liga ist er schon längst. Zur Frei­burger Ikone Volker Finke fehlen hin­gegen noch neun Jahre.

9.
Iko­nisch ist Streich aller­dings schon durch seine öffent­li­chen Auf­tritte, auch wenn er die Öffent­lich­keit weder sucht, noch braucht. Aber wer wie Streich in der Frei­burger Stu­den­ten­szene poli­tisch geprägt wird, hat nun mal eine kleine Mei­nung und äußert diese auch klar und deut­lich. Streich ist auch nicht der ein­zige mit dieser Vor­ge­schichte: Sport­di­rektor Kle­mens Har­ten­bach und er wohnten damals gemeinsam in einer WG.

10.
Wäh­rend 2018 bis­lang eher semi-gut läuft, war 2017 für Streich ein beson­ders erfolg­rei­ches Jahr. Erst erreichte er mit Frei­burg in der ersten Bun­des­li­ga­saison nach dem Wie­der­auf­stieg die Europa-League-Quali. Dafür ver­lieh ihm der kicker den Titel Mann des Jahres“. Und dann kürte ihn auch noch der Bör­sen­ver­band des deut­schen Buch­han­dels zum Bücher­freund“ des Jahres 2017. Glück­wunsch. Ihr Kom­mentar, Herr Streich? Ich würde gerne, aber ich kann im Moment nicht jubeln. Ich habe andere Dinge im Kopf. Andere Leute jubeln und beschäf­tigen sich trotzdem mit anderen Dingen, aber ich hab das Poten­zial nicht.“