Seite 2: „Es ist sehr klein hier“

Was können Sie uns nach zwei Wochen Gibraltar über das Land ver­raten?
Es ist sehr klein hier (lacht). Die Liga hat acht Mann­schaften, alle spielen auf dem glei­chen Kunst­ra­sen­platz, am Wochen­ende finden hier also vier Spiele nach­ein­ander statt. Jede Mann­schaft sucht nach geeig­neten Trai­nings­mög­lich­keiten, meis­tens findet man die in Spa­nien. So wie wir. 20 Auto­mi­nuten von hier sind wir fündig geworden, auch dank des Orga­ni­sa­ti­ons­ta­lents meines deut­schen Sport­di­rek­tors Thomas Kastler. Richtig auf­re­gend wird es hier, wenn ein Flug­zeug landet. Dann wird der Ver­kehr unter­bro­chen, bis der Vogel gelandet ist. Dass es so über­schaubar ist, hat auch was für sich: Weil Thomas und ich dau­ernd auf Achse sind, begrüßen wir die Grenzer schon mit Hand­schlag und werden durch­ge­wunken, ohne unsere Pässe zeigen zu müssen.

Welche Spieler Ihres Klubs werden wir heute gegen Deutsch­land auf dem Platz sehen?
Unseren Tor­wart Jamie Robba. Der kann seine Vor­der­leute sehr gut diri­gieren und arbeitet wie ein zusätz­li­cher Spieler. Seine Schwä­chen will ich hier lieber nicht ver­raten (lacht). Nur so viel: Ich habe ihm bereits gesagt, dass er es nicht über­treiben soll mit seinem Ein­satz. Und dass viele Gegen­tore gegen eine Mann­schaft wie Deutsch­land nun wahr­lich keine Schande sind.

Als aktiver Spieler waren Sie für ins­ge­samt 14 ver­schie­dene Mann­schaften tätig. Haben Sie in dieser Zeit Trainer ken­nen­ge­lernt, die Sie heute bei Ihrer Arbeit inspi­rieren?
Durchaus. Irgendein weiser Kol­lege hat mal gesagt: Kluge Trainer klauen.“ So sehe ich das auch: Ich schneide mir von jedem ein Stück­chen ab und ver­suche das dann, zu meiner eigenen Torte zu ver­ar­beiten. Von den leider schon ver­stor­benen frü­heren Mainzer Trai­nern Wolf­gang Frank und Josip Kuze habe ich am meisten gelernt. Frank hat damals als erster Trainer die Vie­rer­kette ein­ge­führt und war in vie­lerlei Hin­sicht ein Revo­lu­tionär. Damit hat er dama­lige Spieler wie Jürgen Klopp, Torsten Lie­ber­knecht und mich nach­haltig beein­flusst. Kuze wollte schon damals, 1994/95, den schnellen Tem­po­fuß­ball sehen, wie er heute von Borussia Dort­mund oder der Natio­nal­mann­schaft so wun­derbar gespielt wird. Bloß hatten wir damals keine Spieler mit der Qua­lität eines Marco Reus oder Mario Götze, Kuze war seiner Zeit schlichtweg voraus. Her­mann Ger­land wie­derum hatte ein fan­tas­ti­sches Auge und war ein akri­bi­scher Arbeiter. Von Ede Geyer habe ich gelernt, dass man sein Ding durch­ziehen muss, auch wenn nicht jeder damit ein­ver­standen ist.

Wenn Sie die freie Wahl hätten: Bei wel­chem Klub in der Bun­des­liga würden Sie gerne mal als Chef­trainer arbeiten?
Beim VfL Wolfs­burg. Hier bin ich 1992 zum Profi geworden, ich habe dem Verein viel zu ver­danken. Das Umfeld und die Struk­turen sind aus­ge­zeichnet, hier hat man als Trainer viele Mög­lich­keiten. Aber momentan besteht ja von Seiten der Wolfs­burger wenig Bedarf (lacht). Viel­leicht ergibt sich ja in der Zukunft mal die Chance. Die erste oder zweite Bun­des­liga bleibt jeden­falls mein Ziel.