Bruno Akra­povic, Glück­wunsch zum neuen Job!
Oh, besten Dank.

Was hat Sie nach Gibraltar ver­schlagen?
Ich war drei Jahre als Trainer in Kroa­tien aktiv, wurde 2012 in der dritten Liga sogar zum Trainer des Jahres“ gewählt. Aber dann hatte ich genug von den Zuständen im kroa­ti­schen Fuß­ball.

Was meinen Sie?
Hier haben die Prä­si­denten das Sagen. Jeden­falls ab der zweiten Liga. Ich hatte mit NK Mosor die Mög­lich­keit in die erste Liga auf­zu­steigen. Aber das wollte unser Prä­si­dent nicht.

Warum?
Irgend­wann habe ich ver­standen, was in diesen Kreisen falsch läuft. In der ersten Liga müssen die Prä­si­denten Steuern für die Spieler zahlen, in den unteren Ligen ist das zwar offi­ziell auch noch so, aber tat­säch­lich befindet man sich da in einer Grau­zone. Ich bin jeden­falls mit vielen Formen der Kor­rup­tion und Unpro­fes­sio­na­lität kon­fron­tiert worden.

Zum Bei­spiel?
Einer meiner Prä­si­denten ging immer für viel Geld Fisch essen, bezahlte aber meine Spieler nicht. Da bin ich zu ihm hin und habe mich beschwert. Er sagte zu mir: Was küm­mert dich das?“ Ich ant­wor­tete: Wenn meine Spieler kein Geld haben, um zum Trai­ning zu kommen oder immer dünner werden, weil sie sich nichts zu essen kaufen können, geht mich das sehr wohl was an.“ Es gibt sehr viele talen­tierte junge Spieler im kroa­ti­schen Fuß­ball, aber sie werden aus­ge­nutzt und schlecht behan­delt. Das wollte ich nicht länger mit­an­sehen. Im August 2014 kehrte nach Deutsch­land zurück und suchte nach einem neuen Job.

Seit knapp zwei Wochen sind Sie nun Trainer vom Col­lege Europe FC aus Gibraltar. Warum hat es in Deutsch­land nicht geklappt?
Die Zeit war dafür zu knapp. Dann bekam ich das Angebot aus Gibraltar. Ich schaute mir das an, fand es super und sagte zu.

Sie haben in Wolfs­burg, Mainz und Cottbus gespielt, waren zuletzt Trainer in der zweiten kroa­ti­schen Liga – ist Gibraltar da nicht ein gewal­tiger Abstieg?
So denke ich nicht. Ich finde die Auf­gabe durchaus reiz­voll. Als Trainer bin ich ein Tüftler, ein Ent­wickler. Ich liebe die Arbeit mit den Spie­lern, da ist es egal, ob ich in Gibraltar oder Wolfs­burg bin. Außerdem nimmt der Meister der Gibraltar Eurobet Divi­sion an der Cham­pions-League-Qua­li­fi­ka­tion teil, der Pokal­sieger an der Qua­li­fi­ka­tion zur Europa League. So gesehen ist mein Job hier auch sport­lich durchaus reiz­voll.

Was können Sie uns nach zwei Wochen Gibraltar über das Land ver­raten?
Es ist sehr klein hier (lacht). Die Liga hat acht Mann­schaften, alle spielen auf dem glei­chen Kunst­ra­sen­platz, am Wochen­ende finden hier also vier Spiele nach­ein­ander statt. Jede Mann­schaft sucht nach geeig­neten Trai­nings­mög­lich­keiten, meis­tens findet man die in Spa­nien. So wie wir. 20 Auto­mi­nuten von hier sind wir fündig geworden, auch dank des Orga­ni­sa­ti­ons­ta­lents meines deut­schen Sport­di­rek­tors Thomas Kastler. Richtig auf­re­gend wird es hier, wenn ein Flug­zeug landet. Dann wird der Ver­kehr unter­bro­chen, bis der Vogel gelandet ist. Dass es so über­schaubar ist, hat auch was für sich: Weil Thomas und ich dau­ernd auf Achse sind, begrüßen wir die Grenzer schon mit Hand­schlag und werden durch­ge­wunken, ohne unsere Pässe zeigen zu müssen.

Welche Spieler Ihres Klubs werden wir heute gegen Deutsch­land auf dem Platz sehen?
Unseren Tor­wart Jamie Robba. Der kann seine Vor­der­leute sehr gut diri­gieren und arbeitet wie ein zusätz­li­cher Spieler. Seine Schwä­chen will ich hier lieber nicht ver­raten (lacht). Nur so viel: Ich habe ihm bereits gesagt, dass er es nicht über­treiben soll mit seinem Ein­satz. Und dass viele Gegen­tore gegen eine Mann­schaft wie Deutsch­land nun wahr­lich keine Schande sind.

Als aktiver Spieler waren Sie für ins­ge­samt 14 ver­schie­dene Mann­schaften tätig. Haben Sie in dieser Zeit Trainer ken­nen­ge­lernt, die Sie heute bei Ihrer Arbeit inspi­rieren?
Durchaus. Irgendein weiser Kol­lege hat mal gesagt: Kluge Trainer klauen.“ So sehe ich das auch: Ich schneide mir von jedem ein Stück­chen ab und ver­suche das dann, zu meiner eigenen Torte zu ver­ar­beiten. Von den leider schon ver­stor­benen frü­heren Mainzer Trai­nern Wolf­gang Frank und Josip Kuze habe ich am meisten gelernt. Frank hat damals als erster Trainer die Vie­rer­kette ein­ge­führt und war in vie­lerlei Hin­sicht ein Revo­lu­tionär. Damit hat er dama­lige Spieler wie Jürgen Klopp, Torsten Lie­ber­knecht und mich nach­haltig beein­flusst. Kuze wollte schon damals, 1994/95, den schnellen Tem­po­fuß­ball sehen, wie er heute von Borussia Dort­mund oder der Natio­nal­mann­schaft so wun­derbar gespielt wird. Bloß hatten wir damals keine Spieler mit der Qua­lität eines Marco Reus oder Mario Götze, Kuze war seiner Zeit schlichtweg voraus. Her­mann Ger­land wie­derum hatte ein fan­tas­ti­sches Auge und war ein akri­bi­scher Arbeiter. Von Ede Geyer habe ich gelernt, dass man sein Ding durch­ziehen muss, auch wenn nicht jeder damit ein­ver­standen ist.

Wenn Sie die freie Wahl hätten: Bei wel­chem Klub in der Bun­des­liga würden Sie gerne mal als Chef­trainer arbeiten?
Beim VfL Wolfs­burg. Hier bin ich 1992 zum Profi geworden, ich habe dem Verein viel zu ver­danken. Das Umfeld und die Struk­turen sind aus­ge­zeichnet, hier hat man als Trainer viele Mög­lich­keiten. Aber momentan besteht ja von Seiten der Wolfs­burger wenig Bedarf (lacht). Viel­leicht ergibt sich ja in der Zukunft mal die Chance. Die erste oder zweite Bun­des­liga bleibt jeden­falls mein Ziel.