Seite 2: Das Nazi-Problem besteht weiterhin

Der Klub hat diese Ent­wick­lung auch durch sein mitt­ler­weile glaub­wür­diges Ein­treten für Tole­ranz und Welt­of­fen­heit aktiv unter­stützt. Schon längst wagen sich wieder mehr Fami­lien in das bau­fäl­lige Sta­dion mit der denk­mal­ge­schützten Holz­tri­büne, auf der sich nicht mal Sport­di­rektor Mario Basler eine Fluppe anzünden darf.

Auch schon mal ein mensch­li­ches Haken­kreuz

Aber es gibt da noch das andere Image, das Nazi-Image. Auch im rechten Hoo­li­gan­mi­lieu ist die Lok­sche“, wie der Verein in Leipzig genannt wird, seit Jahren Kult. Daran hat sich trotz des Wan­dels wenig geän­dert. 2003 wurde der Klub nach der Insol­venz des VfB Leipzig wie­der­ge­gründet, mit am Tisch saß ein stadt­be­kannter Neo­nazi. Rechte Hoo­li­gans formten im Sta­dion schon mal ein mensch­li­ches Haken­kreuz, die NPD warb zeit­weise Wähler unweit der Sta­di­on­tore – und immer wieder gab es Ran­dale. Die alten Geister ver­folgen Lok bis heute.

Nach aktu­ellen Zahlen des Säch­si­schen Innen­mi­nis­te­riums werden dem Ober­li­gisten zur Saison 2015/16 150 bis 200 Anhänger der Kate­gorie B (gewaltbereit/​gewaltgeneigt) und 60 der Kate­gorie C (gewalt­su­chend) zuge­ordnet. Dut­zende gehören der rechten Szene an oder sym­pa­thi­sieren mit ihr.

Die Lok-Legida-Schnitt­stelle

Weil sie aber im hei­mi­schen Sta­dion nicht mehr geduldet werden, suchen sich einige immer häu­figer eine andere Spiel­wiese. Lok-Hools machten zuletzt im Früh­jahr bei einem Platz­sturm wäh­rend der Partie gegen die zweite Mann­schaft von Rot-Weiß Erfurt Nega­tiv­schlag­zeilen. Oder sie treten – teils als Ordner, teils als Mit­läufer – eben auf den islam­feind­li­chen Demons­tra­tionen von Legida („Leipzig gegen die Isla­mi­sie­rung des Abend­lands“) auf. Unter einem mitt­ler­weile gelöschten Fake-Profil, mit dem öffent­li­chen Namen Loko­mo­tive Leipzig“ und einem leicht abge­wan­delten Ver­eins­logo, wurde erst am Montag einem der Orga­ni­sa­toren von NoLe­gida“ öffent­lich Gewalt ange­droht, wie die Leip­ziger Internet Zei­tung berich­tete.

Die per­so­ni­fi­zierte Lok-Legida-Schnitt­stelle hieß Marco Prager. Der lang­jäh­rige Fan und Mit­gründer der Islam­feinde hat sich nach Dro­hungen der linken Szene gegen seine Familie mitt­ler­weile zurück­ge­zogen. Dagegen ist Enrico Böhm, vor­be­strafter NPD-Stadtrat mit Hoo­ligan-Ver­gan­gen­heit und Haus­verbot beim 1. FC Lok, auf den Demons­tra­tionen ein Dau­er­gast.