Seite 2: Zwischen Zweiflern und Aufbruchsstimmung

Nicht ganz über­ra­schend kamen im Vor­feld seines ersten Enga­ge­ments in der zweiten Bun­des­li­ganun auch kri­ti­sche Stimmen hin­sicht­lich seiner feh­lenden Erfah­rung im Pro­fi­be­reich auf. Doch auch hier gibt sich Preußer durchaus selbst­re­flek­tiert. Natür­lich habe er im diesem Bereich Defi­zite, gerade auch des­halb, weil er nie selbst als Profi gespielt habe. Aus diesem Grund sei er aber wäh­rend seiner gesamten Trai­ner­lauf­bahn stets bemüht gewesen, beson­ders viel von ehe­ma­ligen Pro­fi­spie­lern zu lernen. Einen großen Ein­fluss dürften dabei Chris­tian Streich und Jürgen Klopp auf ihn aus­geübt haben. An der Seite von Streich durfte er in seiner Anfangs­zeit beim Pro­fi­trai­ning des SC Frei­burg wich­tige Erfah­rungen sam­meln und bei Klopp absol­vierte er im Rahmen seines Fuß­ball­lehrer-Lehr­gangs ein Prak­tikum, bei dem er vor allem im Umgang mit den Spie­lern viel gelernt habe.

Um mög­liche Zweifel an seiner Eig­nung als Bun­des­li­ga­trainer gleich von Beginn an zu wider­legen, setzt Preußer zudem darauf, mit Offen­siv­fuß­ball und schnellen Umschalt­spiel eine Auf­bruchs­stim­mung am Rhein zu erzeugen. Ob ihm das gelingt, wird nicht zuletzt von den Ergeb­nissen der ersten Spiele abhängen. Aller­dings spricht die Ver­pflich­tung Preu­ßers, neben den übli­chen Auf­stiegs­hoff­nungen und dem daraus resul­tieren Druck, auch für einen Umbruch bei der For­tuna. In Zukunft will der Verein offenbar die Ver­bin­dung zwi­schen der eigenen Jugend­ab­tei­lung und der Pro­fi­mann­schaft stärken, Anfang 2019 wurde bereits ein moderner Neubau des NLZ eröffnet. Diesem Spagat zwi­schen Jugend­för­de­rung und unmit­tel­baren sport­li­chen Erfolg gerecht zu werden, dürfte die größte Her­aus­for­de­rung in der Lan­des­haupt­stadt werden.

Gegenpol zum ver­bis­senen Rösler

In Düs­sel­dorf ist, sowohl im Verein als auch unter den Fans, vor dem Trai­nings­be­ginn am 19. Juni der­weil schon Vor­freude zu ver­spüren. Nach zuletzt andert­halb Jahren und 53 Spielen unter Uwe Rösler scheint die Lust an einer neuen Spiel­aus­rich­tung zu steigen. Wobei es ergeb­nis­tech­nisch in der abge­lau­fenen Saison nicht einmal schlecht lief: Die For­tuna war das zweit­beste Heim­team und schei­terte, nicht zuletzt durch unnötig ver­schenkte Punkte im Sai­son­end­spurt, recht knapp am Errei­chen des Rele­ga­ti­onss­platzes. 

Den­noch erhoffen sich die Offi­zi­ellen einen offen­si­veren Spiel­stil, der aus schnel­leren Umschalt­mo­menten erwächst und der mehr Tore pro­du­zieren sollt als zuletzt (nur 55 erzielte Tore, ganze sieben Spiele ohne eigenen Treffer). Dar­über hinaus soll sich bei der For­tuna unter Preußer dann auch der Füh­rungs­stil ändern. Mit seiner offenen Art, wie man sie am Samstag im Umgang mit dem geg­ne­ri­schen Trainer beob­achten konnte, unter­scheidet er sich durchaus vom oft­mals sehr ehr­geizig und ver­bissen auf­tre­tenden Rösler und dürfte so auch etwas besser zur rhei­ni­schen Men­ta­lität passen. Dazu ist der Ber­liner, wie er bei seinem Antritts­in­ter­view ver­si­cherte, sogar bereit, sich auf den Kar­neval ein­zu­lassen.