Seite 2: Wie Asprilla von der Pandemie profitierte

Nach diversen wei­teren Eska­paden wurde der Kolum­bianer 1998 von Kee­gans Nach­folger Kenny Dalg­lish sus­pen­diert. Noch im selben Jahr wech­selte Asprilla wieder dorthin, von wo er gekommen war: Parma. Sein Hat­trick bei New­castles 3:2‑Sieg gegen den FC Bar­ce­lona in einem Cham­pions-League-Spiel (1997) bleibt den­noch unver­gessen – ebenso wie der ele­gante graue Pelz­mantel, den der 1,76-Meter-Mann bei seiner offi­zi­ellen Vor­stel­lung in Nord-Eng­land getragen hatte.

Auch im Natio­nal­team garan­tierte Faus­tino Asprilla meist spek­ta­ku­läre Unter­hal­tung. 1997 lie­ferte er sich am Rande eines WM-Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiels eine hand­feste Schlä­gerei mit Para­guays Natio­nal­tor­hüter José Luis Chil­avert (ja, das war der mit den Frei­stößen). Beim anschlie­ßenden WM-Tur­nier in Frank­reich sollte Tino“ nur eine ein­zige Partie bestreiten, beim 0:1 gegen Rumä­nien. Dann flog er noch wäh­rend des lau­fenden Tur­niers aus dem Kader. Der Grund: nicht näher bezeich­nete dis­zi­pli­na­ri­sche Pro­bleme. Kolum­bien schied nach der Grup­pen­phase aus.

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Sorge für Schlag­zeilen und mach dir einen Namen damit – das schien lange Zeit das Motto des Faus­tino Asprilla zu sein. 2003 spielte der inzwi­schen 34-Jäh­rige für Uni­ver­sidad de Chile, wo er fünf Tore in 13 Liga­spielen mar­kierte. Dann war plötz­lich Schluss, weil Asprilla seine Mit­spieler und die anwe­senden Ver­treter der Presse beim Mann­schafts­trai­ning mit einer gela­denen Hand­feu­er­waffe bedroht und ihren Tod“ ange­kün­digt hatte. Nur ein Spaß, beteu­erte der Oktopus“ (so wird Asprilla daheim in Kolum­bien wegen seiner Lei­den­schaft für gutes Essen genannt).

Und heute? Tue Gutes und ver­diene Geld damit. Das ist Asprillas neue Devise. Kon­dome sind eine durchaus nütz­liche Sache in Kolum­bien, wo sta­tis­tisch vier von tau­send erwach­senen Ein­woh­nern HIV-positiv sind. 2020 half Asprilla sogar weit über die eigenen Lan­des­grenzen hinaus: Als die Gummis für den Geschlechts­ver­kehr wegen der Pan­demie (und gesprengter Lie­fer­ketten) welt­weit knapp wurden, öff­nete Tino“ sein Lager und expor­tierte 3,5 Mil­lionen Stück in aller Herren Länder. Ein loh­nendes Geschäft.

Mir geht es heute sehr, sehr gut“, sagt Asprilla, der oben­drein eine Zucker­plan­tage betreibt und Lie­fer­ver­träge mit dem kolum­bia­ni­schen Staat in der Tasche hat. Seine Bezie­hung zum modernen Fuß­ball beschreibt der Künstler von einst als freund­schaft­lich distan­ziert: Ich schaue mir die Matches an, aber die Spieler sehen alle aus wie Sol­daten, die nur die Befehle des Trai­ners befolgen. Nennen Sie mir einen Spieler, der heut­zu­tage noch drib­belt.“ Eine rühm­liche Aus­nahme nennt dieser Faus­tino Asprilla dann doch: Ich mag Vini­cius von Real Madrid, in ihm erkenne ich mich ein biss­chen wieder.“