Gian­luca Di Marzio, Sie waren der erste Jour­na­list, der von Pep Guar­diolas Ver­pflich­tung beim FC Bayern berich­tete. Wann war das?
Ich hatte bereits vor Weih­nachten gehört, dass sich Guar­diola mit der Bayern-Füh­rung und der Unter­neh­mens­spitze von Adidas in New York getroffen hatte. Bei diesem Mee­ting ging es wohl um die end­gül­tige Ver­pflich­tung Guar­diolas als Bayern-Coach. Mit dabei bei dem Treffen waren auch Ver­treter von Nike, die sicher­gehen wollten, dass ihre lang­jäh­rige Zusam­men­ar­beit mit Guar­diola wei­terhin bestehen bleibt. Aller­dings soll Guar­diola erklärt haben, dass seine Bezie­hung zu Nike rein freund­schaft­lich sei. Ein exklu­siver Ver­trag zwi­schen ihm und Nike besteht nicht.

Wie haben Sie von dieser Zusam­men­kunft erfahren?
Mein Jour­na­listen-Credo ver­bietet mir natür­lich, das mit Ihnen zu teilen. Aber soviel darf ich ver­raten: Es waren viele ita­lie­ni­sche Klubs an Guar­diola inter­es­siert. Als sie näher an ihm dran waren, rea­li­sierten sie, dass ihnen der FC Bayern zuvor­ge­kommen war.

Und wenn Ihre Quelle nun falsch gelegen hätte?
Meine Infor­manten sind sehr ver­trau­ens­würdig, aber ein Rest­ri­siko zur totalen Bla­mage besteht immer. Zum Glück ging alles gut.

Bereits am 20. Dezember soll Guar­diola einen Ver­trag bei den Bayern unter­schrieben haben. Sie erfuhren dies noch vor den Fest­tagen im Dezember. Warum ver­öf­fent­lichten Sie diese Neu­ig­keit erst am 15. Januar?
Am Anfang habe ich diesen Wechsel wie ein Gerücht behan­delt. Ich brauchte noch mehr Belege. Gerade bei einem so großen Coup musste ich sicher­gehen, dass alle Details veri­fi­ziert wurden. Am 15. Januar erhielt ich die letzte not­wen­dige Bestä­ti­gung: Mir wurde ver­raten, dass Guar­diola den Ver­trag unter­zeichnet hatte. Noch am selben Abend ver­öf­fent­lichte ich die News.

Das muss der wich­tigste Scoop Ihrer Jour­na­lis­ten­kar­riere sein.
Inter­na­tional ist es defi­nitiv mein größter Erfolg. Aber in Bra­si­lien bin ich bei­spiels­weise schon bekannt wegen der Ver­brei­tung von Patos Wechsel nach São Paulo und in Argen­ti­nien brachte ich Lavezzis Transfer vom SSC Neapel zu Paris Saint-Ger­main in Umlauf. In Ita­lien arbeite ich bereits seit 15 Jahren als Trans­fer­markt-Experte.

Sie haben 145.000 Fol­lower auf Twitter (@dimarziotweet). Wie viele kamen im Januar hinzu?
Das waren einige. Die Unique Visits auf meiner pri­vaten Web­seite sind am Ende des Trans­fer­markts gleich auf 100.000 hoch­ge­schnellt!

Und nun folgte erst kürz­lich die nächste Nach­richt: Die Mel­dung vom Wechsel von Robert Lewan­dowski zum FC Bayern schlug hohe Wellen. Stimmt es, dass Sie eine Nach­richt vom deut­schen Twit­terer @breitnigge als Beleg genommen haben?
Den kenne ich nicht einmal (lacht). Auf Twitter folge ich ihm nicht, aber falls er tat­säch­lich schneller gewesen sein soll, dann möchte ich ihm mein Kom­pli­ment aus­spre­chen. Von Lewan­dow­skis Transfer nach Mün­chen wusste ich schon sehr früh. Zu diesem Wechsel habe ich mich bereits am 21. Januar öffent­lich geäu­ßert. Wäh­rend meines Trans­fer­markt-Pro­gramms auf Sky wurde ich gefragt: Wel­chen Spieler wird Guar­diola als ersten ein­kaufen?“ und ich nannte Lewan­dowski. Mas­simo Morales (1992 bis 1995 B‑Ju­nioren- und Assis­tenz-Trainer bei Bayern Mün­chen, d. Red.) war in dieser Sen­dung zu Gast und wider­sprach mir. Er meinte, es sei unmög­lich, Lewan­dowski passe nicht zum Spiel von Pep Guar­diola. Und ich ant­wor­tete nur, dass die Bayern bereits an Lewan­dowski dran seien.

Über seinen defi­ni­tiven Wechsel wird zur­zeit noch heftig spe­ku­liert. Deut­sche Medien sind sich uneins. Lewan­dowski hat nicht demen­tiert.
Uns wurde noch am 21. Januar bestä­tigt, dass sich Dort­mund und Lewan­dowski mit Bayern Mün­chen geei­nigt haben. Aber das letzte Wort hat Pep Guar­diola. In den kom­menden Tagen soll es zu einer erneuten Zusam­men­kunft zwi­schen ihm und der Bayern-Füh­rung kommen, in der Guar­diola ent­scheiden wird, ob der Klub Lewan­dowski ver­pflichtet oder nicht. Es ist das erste Treffen, in dem es um tak­ti­sches Vor­gehen auf dem Trans­fer­markt geht. Lewan­dowski stand bei den Bayern übri­gens schon vor den Ver­hand­lungen mit Guar­diola auf der Wunsch­liste.

Denken Sie, dass Guar­diola dem Lewan­dowski-Wechsel zustimmt?
Lewan­dowski ist ein Aus­nah­me­stürmer und eigent­lich zu gut, um abge­lehnt zu werden. Guar­diola könnte immer noch sein Veto ein­legen. In diesem Fall würde der FC Bayern die Ver­ein­ba­rung mit Lewan­dowski auf­heben. Ich denke aller­dings, dass dieser Transfer zustande kommen wird.

Und dann werden Sie das gleich tweeten.
Das wäre es ja noch, wenn ich mich nur um den FC Bayern Mün­chen küm­mern würde (lacht)! Ich habe hier in Ita­lien genü­gend Ver­eine, die ich beob­achten muss. Aber wenn ich davon Wind bekomme, geht das natür­lich online. Bayern hat bei mir aber keine Prio­rität.

Lagen Sie schon einmal kom­plett daneben mit einem Gerücht?
Klar! Wir hatten mal auf Sky ange­kün­digt, dass Chris­tian Vieri zu Juventus Turin zurück­kehren würde, statt­dessen ging er nach Mai­land! Das werden wir nie mehr ver­gessen, wir waren uns so sicher. Viele Zei­tungen hatten unsere Nach­richt auf­ge­nommen und weiter ver­breitet.

Was ist Ihr neuster Coup?
Louis Saha ist als Ersatz für den ver­letzten Miroslav Klose zu Lazio Rom gewech­selt.

Wie gut sind Sie ver­netzt?
Der Kon­kur­renz­kampf in Ita­lien ist natür­lich sehr groß. Man äußert seine wert­vollen Infor­ma­tionen selbst gegen­über Freunden von anderen Sen­dern und Zei­tungen nicht. Ich habe ein sehr groß­flä­chiges Netz von Infor­manten. Sie sind über die ganze Welt ver­teilt. Aber ich arbeite natür­lich nicht alleine bei Sky Sport. Wir sind zu Acht und jeder küm­mert sich um seine eigenen Kon­takte zu Agenten und Klubs. Auch wenn die Infos unter meinem Namen an die Öffent­lich­keit geraten, muss man bedenken, dass ich im Hin­ter­grund Tipps und Gerüchte von sieben wei­teren Mit­ar­bei­tern ver­ar­beite.

All Ihre Kon­takte kommen natür­lich nicht aus dem Nichts. Sie genossen bereits von klein auf dank Ihres Vaters eine beson­dere Nähe zum Fuß­ball.
Genau, mein Vater, Gianni Di Marzio, war Coach bei Neapel. Natür­lich hatte ich einen Vor­teil, als ich in die Medi­en­welt des Fuß­balls ein­ge­treten bin, schon alleine weil alle meine Gesprächs­partner meinen Vater kannten und mir daher großen Respekt ent­gegen brachten. Mein Nach­name war sicher­lich der Schlüssel zu vielen wich­tigen Bezie­hungen. Aber ich musste mir das Ver­trauen trotzdem zuerst ver­dienen. Meine Quellen wissen: Ich ver­öf­fent­liche nur, womit sie ein­ver­standen sind und ver­schweige Ihre Namen.

Tau­schen Sie sich mit Ihrem Vater aus?
Mein Vater braucht mir nicht mehr zu helfen. Er ist heute als Fuß­ball­ex­perte tätig und kommt oft zu mir für die neu­esten Gerüchte und Mel­dungen.

Stimmt es, dass Ihr Vater Diego Mara­dona ent­deckte?
1978 ging mein Vater – damals noch Coach von Neapel – für die WM nach Argen­ti­nien. Ein ita­lie­ni­scher Bekannter von dort machte ihn auf einen jungen talen­tierten Spieler auf­merksam. Mein Vater schaute sich also Diego Mara­dona bei einer Partie an und fand sofort Gefallen an ihm. Er ver­suchte Mara­dona nach Ita­lien zu holen, aber Aus­länder konnten nicht nach Ita­lien reisen, weil die Grenzen geschlossen waren. Also hätte ihn Neapel kaufen und ein zwei Jahre in der Schweiz oder Bel­gien spielen lassen müssen, bis die Grenzen wieder offen gewesen wären. Zu dem Zeit­punkt hätte Mara­dona fast nichts gekostet, nur 300.000 Dollar! Doch Cor­rado Fer­laino, der dama­lige Prä­si­dent, hielt es für zu ris­kant und lehnte ab. 1983 war es dann aber genau Fer­laino, der Mara­dona für 14 Mil­li­arden Lire ver­pflich­tete, also für einiges mehr. In seinem ersten Inter­view in ita­lie­ni­schen Medien sagte Diego Mara­dona: Der erste Ita­liener, der mich gesehen hat und nach Ita­lien holen wollte, war Gianni Di Marzio.“

Ihr Vater und Mara­dona scheinen sich sehr nahe gewesen zu sein.
Mein Vater schätzte ihn natür­lich sehr. Als sie sich in Argen­ti­nien kennen lernten, war Mara­dona noch sehr arm. Mein Vater unter­stützte ihn und schenkte ihm Klei­dung, dafür schickte er ihn aber auch mal gerne Ziga­retten holen. Ich scherze immer mit meinem Vater, dass er keinen Respekt hatte für die Legende Mara­dona (lacht).