Guar­diola fliegt!
Seien wir ehr­lich: Die Meis­ter­schaft ist in Mün­chen noch in etwa so viel wert wie das Leergut auf der Geschäfts­stelle. Was wirk­lich zählt, ist die Cham­pions League, jener unaus­ge­reifte Vor­gänger der Super­duper-Euro­pa­liga, wegen der Kalle Rum­me­nigge nachts wach­liegt. Dumm nur, dass die Bayern im anste­henden Ach­tel­fi­nale direkt den letzt­jäh­rigen Fast-Sieger Juventus Turin zuge­lost bekommen haben. Die Alte Dame wird sich näm­lich in feinster Italo-Manier eine Runde wei­ter­mauern, was nicht nur dafür sorgt, dass die Bayern – Schock­schwe­renot! – schon wieder nicht die Königs­klasse gewinnen. Son­dern auch dafür, dass Pep Guar­diola, 2013 zum Sie­geszug ange­treten, im Früh­jahr vor­zeitig aus seinem Ver­trag geschmissen wird und in der Ver­eins­chronik ledig­liche einen Platz im Schatten Jupp Heynckes’ ein­nimmt. Und wäh­rend Guar­diola Man­chester United über­ra­schend noch zum Meister macht, über­nimmt in Mün­chen Mat­thias Sammer.

Dort­mund wird Meister!
Aber auch Sammer kann nicht ver­hin­dern, dass das durch das Pep-Beben ero­dierte Bayern-Gebilde in seine Ein­zel­teile zer­fällt und Punkte gegen Ingol­stadt, Augs­burg und Bremen lie­gen­ge­lassen werden, weil sich die Stars ein­fach nicht mehr auf die Liga kon­zen­trieren können und/​oder wollen. Der BVB wit­tert indes seine Chance, ange­führt von Thomas Tuchel – immerhin ja so etwas wie der Pep Guar­diola des kleinen Mannes – ziehen die Borussen an den Bayern vorbei und werden am letzten Spieltag dank eines Drei­er­packs von Moritz Leitner noch Meister. Schöner Neben­ef­fekt: In Dort­mund freut man sich noch über die Schale.

Aub­ameyang knackt Gerd Mül­lers Tor­re­kord!
Zum abso­luten Star der Saison wird dabei Pierre-Eme­rick Aub­ameyang. Schon in der Hin­runde 18 Mal erfolg­reich, schießt der Gab­uner in der Rück­serie satte 25 Tore und knackt damit den ewigen Rekord Gerd Mül­lers. In Mün­chen schäumt man ob der gleich dop­pelten Demü­ti­gung vor Wut. Und tut das einzig Sinn­volle: Die Münchner ziehen Aub­ameyangs Aus­stiegs­klausel von 2,5 Mil­lionen Euro. Ein­ge­fä­delt hat den Deal der neue Prä­si­dent: Uli Hoeneß.

Thomas Schaaf, Armin Veh, Huub Ste­vens – die Zeit der alten Trai­ner­ge­nera­tion ist vorbei
Da hilft das gewis­sen­haf­teste Medi­zin­ball-Zir­kel­trai­ning nichts, da kann die Bal­lon­seide noch so schön knis­tern und der Pau­sentee ver­füh­re­risch duften – bis Sai­son­ende müssen gleich drei alt­ge­diente Trainer ihren Platz räumen. Mit Thomas Schaaf, Armin Veh und Huub Ste­vens setzen der­zeit noch drei Abstiegs­kan­di­daten auf Erfah­rung, dum­mer­weise sind die jungen Lap­top­trainer den alten Recken tak­tisch um einiges voraus. Nach­ein­ander müssen Veh, Ste­vens und Schaaf ihren Hut nehmen. Mehmet Scholl hat dar­aufhin Ange­bote von Frank­furt, Han­nover und Hof­fen­heim, kann aber leider nicht zusagen. Er bekommt seinen Laptop nicht an, um die E‑Mails zu beant­worten.

RB Leipzig steigt nicht auf!
Auch die Last-Minute-Trans­fers von Julian Brandt (18 Mil­lionen), Marc Sten­dera (16 Mil­lionen), Felix Pass­lack (13 Mil­lionen) und Pierre-Michel Lasogga (Lebens­langer Red-Bull-Supply) können nichts daran ändern, dass unsere guten Freunde von der Leip­ziger Ener­gy­drink-Außen­stelle in der Rück­runde in ernst­hafte Schwie­rig­keiten geraten und nach und nach von den Auf­stiegs­plätzen rut­schen. Zur all­ge­mein schlechten Stim­mung gesellen sich ernst­hafte finan­zi­elle Pro­bleme, als öffent­lich wird, dass Red Bull mit einer aus­ge­fuchsten Soft­ware bei den Abgas­werten der süß­lich duf­tenden Brause gemo­gelt hat. Für das Som­mer­trans­fer­fenster werden die Gelder also erst einmal ein­ge­froren, glück­li­cher­weise kann man auf ein reich bestücktes Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trum zurück­greifen, dessen 50 Inter­nats­schüler frei­lich alle­samt Bun­des­li­ga­profis werden. Was, das sei alles Quatsch, sagt ihr? Kein ein­ziges ver­nünf­tiges Argu­ment, warum Leipzig den Auf­stieg noch ver­mas­seln sollte? Gut, hier bitte: Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Zwei Tra­di­ti­ons­klubs steigen ab!
Freunde, die Apo­ka­lypse ist nah. Also zumin­dest in fuß­bal­le­ri­scher Hin­sicht. Vor kurzem mahnte Heri­bert Bruch­hagen, dass es für viele Tra­di­ti­ons­klubs immer schwerer würde, in einem Wett­be­werb mit­zu­halten, der schon lange keiner mehr ist. Und er hat Recht. Der deut­sche Fuß­ball befindet sich im Wandel, Tra­di­tion und Geschichte sind im Ver­drän­gungs­wett­be­werb keine Pfände mehr, mit denen sich wuchern ließe. In Kai­sers­lau­tern oder Nürn­berg kann man ein Lied davon singen, und es ist nicht eben unwahr­schein­lich, dass nach der Saison auch der SV Werder Bremen, Han­nover 96, der VfB Stutt­gart oder Ein­tracht Frank­furt in den Kla­ge­ge­sang ein­stimmen. Und dann wäre da ja noch der HSV, der auf dem zehnten Platz auf seine Teil­nahme an der Rele­ga­tion lauert. Diese fünf Ver­eine ver­sam­meln gemeinsam 226 Jahre Bun­des­li­ga­zu­ge­hö­rig­keit, 18 Deut­sche Meis­ter­schaften und 204.275 Mit­glieder. Das hilft aber alles nichts, für zwei dieser Klubs geht es am Ende der Saison in die Zweit­klas­sig­keit.