Und plötz­lich machte alles wieder Sinn. Und eigent­lich war es von vorn­herein klar. Dass der HSV dieses Spiel gewinnen würde. Und mehr: Dass er daraus Hoff­nung schöpfen würde. Denn die Vor­zei­chen der Partie gegen Bayer Lever­kusen waren gelinde gesagt beschissen. Mit Blick auf die jün­gere Ver­gan­gen­heit des Klubs bedeu­tete das aller­dings vor allem: Will­kommen in der Kom­fort-Zone. 

Aber zurück zu den Vor­zei­chen. Da war das 1:3 in Ingol­stadt am ver­gan­genen Samstag. Eine wirk­lich üble Dar­bie­tung bei einem direkten Mit­kon­kur­renten um den Nicht-Abstieg. Da war der Transfer des neuen Bra­si­lia­ners Walace. Aus Kühne-Mil­lionen geboren und schon vor seinem ersten Trai­ning ange­zählt: Eigent­lich habe man einen gestan­denen, deutsch spre­chenden Sechser gesucht und er, Walace, werde sicher nicht sofort helfen können, aber ganz sicher irgend­wann mal. Also bestimmt. Viel­leicht. Und dann kamen gegen Bayer Lever­kusen, an einem Freitag-Abend-Flut­licht­spiel und in dieser für den Klub so wich­tigen Situa­tion auch nur 45.653 Zuschauer ins Volks­park­sta­dion? Weniger als gegen Augs­burg?

Horror hier, Freude dort

Nein, die Vor­zei­chen standen wirk­lich nicht gut. Und der HSV nutzte sie, dieses ver­rückte Huhn. Zwängte der zu so kul­ti­viertem Spiel befä­higten Edel-Elf von Roger Schmidt eine Gangart auf, die einen zwei­feln ließ, ob Sky nicht doch aus Ver­sehen eine Kon­serve aus der Pre­mier League in Abend sen­dete.

Ein langer Ball jagte den nächsten, das Wort Lauf­duell durfte kräftig seinen Gebrauchs­wert auf­po­lieren. Und fast schien es, als hätte Schieds­richter Jochen Drees mit gelben Karten gedroht für den Fall, dass in einer Spiel­mi­nute mal kein Zwei­kampf auf Biegen und Bre­chen zu sehen war. Ansonsten hielt er sich zurück, der Unpar­tei­ische, denn unfair war das Ganze kei­nes­wegs.

Auf Freunde des gepflegten Rasen­schachs muss diese Begeg­nung wie ein ein­ziger Hor­ror­film gewirkt haben. Für Fans ein­fa­cher Fuß­ball-Unter­hal­tung war es ein ein­ziges Fest. Zu beob­achten, wie die Spieler des HSV mit ihrem dann ja doch vor­han­denen Talent und einer Jah­res­ra­tion Adre­nalin im Rücken um die Gunst des Schick­sals rangen. Wie ihre Gegner aus Lever­kusen zuneh­mend ver­zwei­felt gegen die Welle anzu­kämpfen ver­suchten, die da auf sie zu schwappte. Wie die Minus­ku­lisse im Sta­dion dar­über von Minute zu Minute zum Hexen­kessel anschwoll.

Was kann der neu­trale Zuschauer mehr ver­langen?

Und dann machte plötz­lich alles wieder Sinn. Dass es in der 78. Minute aus­ge­rechnet Kyriakos Papado­poulos war, die Lever­ku­sener Leih­gabe, die den 1:0‑Siegtreffer mar­kierte. Dass er, als Innen­ver­tei­diger, mit der Rücken­nummer neun auf­läuft. Und irgendwie auch die Nie­der­lage in Ingol­stadt, die Klub und Mann­schaft so richtig schön an die Wand gedrückt hatte, genau dorthin also, wo sie sich offenbar am hei­mischsten fühlen an der Elbe.

Und so muss man dem Dino eines lassen: Unter­haltsam ist er, ob im Chaos oder im Auf­bruch. Und was kann der neu­trale Zuschauer mehr ver­langen?

Am Ende werden sie es dann in Ham­burg also wahr­schein­lich erneut schaffen, erneut nicht absteigen. Und dann bleibt nur noch das Rätsel um den Walace-Transfer. Aber auch den Gag wird der Fuß­ball­gott uns schon noch erklären. Wann? Tomorrow, my friend.