Alfredo Morales, Sie haben sich mal als Krieger auf dem Platz“ bezeichnet. Wie viele blaue Fle­cken haben Sie am Morgen nach einem Bun­des­li­ga­spiel?
Das ist ganz unter­schied­lich. Aber ein paar Bles­suren habe ich immer. Das bleibt nicht aus, wenn man mit vollem Ein­satz dabei ist. Unser Doc hat mal gesagt, dass Eis­ho­ckey eigent­lich der bes­sere Sport für mich wäre. (Lacht.)

Was war die schmerz­haf­teste Erfah­rung Ihrer Kar­riere?
Ich bekomme öfters Ellen­bogen an den Kopf. Das tut wirk­lich weh und kann auch sehr schnell eine Gehirn­er­schüt­te­rung zur Folge haben. Richtig unan­ge­nehm wird es, wenn man nach einem Ellen­bogen-Check für kurze Zeit nicht richtig sehen kann, alles nur ver­schwommen wahr­nimmt. Das ist mir einmal wäh­rend meiner Zeit in Ingol­stadt pas­siert. Die ekligste Erfah­rung war aber eine andere.

Und zwar?
Ver­gan­gene Saison bin ich im Spiel gegen Lever­kusen Kevin Volland hin­terher gerannt. Ich war direkt hinter ihm – und auf einmal stoppte er abrupt ab und blieb stehen. Ich bin mit voller Wucht gegen seinen Hin­ter­kopf gerannt – und habe mir den Kiefer aus­ge­renkt. Plötz­lich konnte ich den Mund nicht mehr auf­ma­chen. Ein echtes Scheiß­ge­fühl. Kurz bekam ich Panik, weil es sich extrem unna­tür­lich anfühlt, wenn man ein Kör­per­teil nicht bewegen kann, obwohl man es ver­sucht. Aber dann kam unser Arzt und hat mir den Kiefer mit einem gezielten Hand­griff noch auf dem Platz wieder ein­ge­renkt, so dass ich wei­ter­spielen konnte.

Gehen Sie nach einer schmerz­haften Ver­let­zung etwas vor­sich­tiger ins nächste Spiel?
Nee, eine Bremse gibt’s bei mir leider nicht. Außerdem kann ich Schmerzen kon­trol­lieren. Ich rede nicht von einem offenen Bruch, so etwas ist schlimm, da kannst du als Spieler auch nicht im Kopf gegen ankämpfen. Doch wenn mir zum Bei­spiel jemand mit seinen Stollen auf den Zeh tritt, dann sind das für einen kurzen Moment zwar kata­stro­phale Schmerzen, aber im Spiel, mit all dem Adre­nalin, kann ich sie aus­blenden. Schmerzen sind, bis zu einem gewissen Grad, eine men­tale Sache.

Haben Sie schon immer so gespielt?
Ja, eine gewisse Aggres­si­vität, was meinen Spiel­stil angeht, hatte ich schon immer in mir. Als ich jünger war, war ich sogar noch etwas wilder.

Gab es da Aus­setzer?
Das nicht, aber allein sta­tis­tisch gesehen war es alles noch einen Tacken härter. In einer A‑Ju­gend-Bun­des­liga-Saison habe ich mal in 25 Spielen 17 Gelbe Karten gesehen. Und eine Gelb-Rote. Früher bin ich in Zwei­kämpfen All in“ gegangen. Da gab es nur zwei Mög­lich­keiten: Ball­ge­winn oder Foul.

Haben Sie mal einen Gegen­spieler richtig übel erwischt?
Ich bin kein klas­si­scher Treter, keiner, der zur Blut­grät­sche ansetzt. Ich spiele ein­fach hart, schiebe meinen Körper rein, bin unan­ge­nehm. Natür­lich erwi­sche ich auch manchmal einen Gegen­spieler am Fuß, das ist ganz normal. Aber dass ich vor­sätz­lich wen umge­mäht hätte? Auf keinen Fall. Das macht, glaube ich zumin­dest, nie­mand. Wenn über­haupt, pas­siert das Leuten im Frust. Aber solche Aus­setzer hatte ich zum Glück nie.

Gibt es einen Spieler, bei dem Sie vor dem Spiel denken: Och Nö, das tut heute sicher weh…“?
Es gibt viele harte Hunde. Eigent­lich hat jede Mann­schaft einen Kan­di­daten für den Job. Gerade die großen, schweren Kerle tun weh. Aber Gedanken dieser Art habe ich vor Spielen nicht. Das ist mir alles egal. Wenn es sein muss, gerate ich auch mit Arturo Vidal anein­ander. Mit dem stand ich auch schon mal Kopf an Kopf… (Lacht.)