Seite 4: Wer nicht mitmacht, fliegt

Nun glaubt nie­mand in Jämt­land, dass diese Erfolgs­ge­schichte allein der Kultur zuzu­schreiben wäre; es scheint auch so, als sei Graham Potter ein außer­ge­wöhn­lich talen­tierter Fuß­ball­lehrer. Mit seiner Außen­sei­ter­truppe ver­legt er sich nicht etwa auf Konter, son­dern lässt den Ball zir­ku­lieren, als wäre dies nicht der ÖFK, son­dern Barça. 

Daniel Kind­berg denkt, dass sein Coach mitt­ler­weile als einer der viel­ver­spre­chendsten Trainer in ganz Europa gilt“. Der so über den grünen Klee Gelobte sagt, noch habe nie­mand bei ihm ange­rufen, aber immerhin lächelt er dabei. Gerade erst hat er seinen Ver­trag in Öster­sund um drei wei­tere Jahre ver­län­gert. Er wird nicht gehen“, sagt Kind­berg, außer viel­leicht, wenn Bar­ce­lona oder die eng­li­sche Natio­nal­mann­schaft anruft.“

Wer nicht mit­macht, fliegt

In den letzten fünf Jahren ist der Öster­sunds FK zu einer Art Gesamt­kunst­werk geworden. Wo sich früher 500 bis 600 Men­schen bei den Heim­spielen ver­loren, ist das 9000 Zuschauer fas­sende Sta­dion heute meist annä­hernd aus­ver­kauft. Es gibt eine Jugend­aka­demie, eine Kul­tur­aka­demie, und über­haupt ist der für sein sehr spe­zi­elles Enga­ge­ment anfangs belä­chelte Verein mitt­ler­weile ein wich­tiger gesell­schaft­li­cher Faktor in der 40 000-Ein­wohner-Stadt.

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Das Sta­dion von Öster­sunds FK liegt idyl­lisch am Wald­rand.

Robert Hen­riksson

Und die Spieler? Wie gehen die Spieler damit um, dass sie einmal im Jahr gezwungen werden, auf die Bühne zu gehen und sich zu ent­blößen? Daran, dass sie gezwungen werden, besteht kein Zweifel. In sämt­li­chen Ver­trägen steht eine Kul­tur­klausel, die ihre Teil­nahme an den Akti­vi­täten des Klubs für ver­pflich­tend erklärt. Wer nicht mit­ma­chen will, muss auch nicht“, sagt Kind­berg munter. Aber er wird halt gefeuert.“

Fast alle lieben es

Alex Dyer ist mitt­ler­weile schon ein paar Jahre dabei und hat sich an das spe­zi­elle Fuß­ball­leben in Öster­sund gewöhnt. Der 26-Jäh­rige hat früher in unter­klas­sigen eng­li­schen Pro­fi­klubs gespielt und ist beim ÖFK zum Kapitän auf­ge­stiegen. Hätte er sich früher vor­stellen können, solche Dinge zu tun? Nie im Leben! Als Fuß­baller trai­nierst du, dann spielst du und gehst nach Hause. So läuft das nor­ma­ler­weise.“ Noch heute werden ÖFK-Spieler von ihren Kol­legen manchmal gefragt: Müsst ihr das wirk­lich tun?“ Ja, sie müssen. Und fast alle lieben es.

Wenn man die Spieler bei der Arbeit beob­achtet, egal ob auf dem Platz oder auf der Bühne, dann fällt auf, wie ver­traut und fast innig sie mit­ein­ander umgehen. Hier ein Klaps, da eine Umar­mung. Es gibt kaum einen Klub in Europa, der so viele ver­lo­rene Seelen ein­ge­sam­melt und ihnen ein neues Fuß­ball­leben geschenkt hat.