Herr Schatz­schneider, was war für Sie die Szene des 23. Spiel­tags?

Das Tor von Gekas gegen meine Roten (Han­nover 96, Anm. d. R.) war schon außer­ge­wöhn­lich. Fünf Mann gucken bei dem Schuss in den Himmel, weil sie gar nicht wissen, was da gerade pas­siert.

Bleiben wir gleich bei Han­nover 96. Nach der starken Hin­runde hat man nun den Ein­druck, die Mann­schaft hätte die Lust ver­loren.

Mit Fuß­ball hat das gar nichts mehr zu tun. Die waren ja gegen Lever­kusen in allen Belangen hoff­nungslos unter­legen. Man hat vor der Saison viel Geld in die Mann­schaft inves­tiert und wollte etwas errei­chen – doch davon ist man jetzt mei­len­weit ent­fernt.

Kennen Sie solche Ein­brüche auch aus Ihrer aktiven Zeit?

Nein. Ich habe dafür kein Ver­ständnis. Wenn man auf dem Platz nicht sein Bestes gibt, ist das für mich unpro­fes­sio­nell. Ich habe das Gefühl, einige wollen mehr machen als sie in Wirk­lich­keit können. Von fuß­bal­le­ri­schem Niveau mag ich bei Han­nover 96 gerade gar nicht spre­chen.

Für Werder Bremen setzte es diesen Wochen­ende eine herbe Nie­der­lage. Wie fest sitzt Thomas Schaaf bei den Han­seaten noch im Sattel?

Der sitzt zu hun­dert Pro­zent fest im Sattel. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Aber auch für Werder Bremen gilt: Wenn man keinen Tor­wart hat, der min­des­tens acht Punkte holt, kann man in der Bun­des­liga nicht mehr oben mit­spielen. In dem glei­chen Atemzug muss ich auch Borussia Dort­mund und den VfB Stutt­gart nennen. Man kann das zu vielen Mann­schaften sagen: Wenn ihr euch oben fest­setzen wollt, braucht ihr einen erst­klas­sigen Tor­hüter.

Schalke 04 hat auch in der Liga gepunktet. Ist die Trai­ner­frage damit beant­wortet?

Diese Dis­kus­sion ist absolut absurd gewesen. Wie kann ich den Mirko Slomka, der in der Bun­des­liga noch Zweiter oder Dritter werden kann, der noch im inter­na­tio­nalen Geschäft ist, so abwat­schen? Was machen die eigent­lich, wenn der Slomka die Cham­pions League gewinnt? Dann kannst du ihn ja nur noch erschießen, weil alles andere geht dann schon nicht mehr. Was Schalke ein­fach fehlt, ist ein erst­klas­siger Tor­jäger – alles andere stimmt in dieser Truppe. Das Geld für San­chez, Streit und den Zé Roberto hätten sie lieber für einen ver­nünf­tigen Mit­tel­stürmer aus­geben sollen. Das hätte dieser Schalker Mann­schaft sicher­lich gut getan.

Der VfB Stutt­gart hat wahr­schein­lich genau diesen treff­si­cheren Stürmer. Von Tor­jäger zu Tor­jäger: Was kann Mario Gomez noch ver­bes­sern?

Spie­le­risch ist Gomez sicher der beste Mann, den wir vorne momentan haben – noch vor Klose. Aber ich mag das nicht, wenn der Gomez vor die Kameras tritt und sich über die Abwehr­spieler beschwert – auch wenn er mög­lich­weise recht hat. Das hat ein Spieler wie er doch gar nicht nötig. Große Spieler halten die Fresse! Ich hätte ihm wirk­lich mal die Zeit gegönnt, gegen Kohler, gegen die Förster-Brüder oder gegen Schlind­wein zu spielen, da würde er jede Woche dort stehen und sagen: Das ist ein Arsch­loch!“ Für mich hieß es nach dem Spiel immer nur: Hand geben, Mund abputzen und dann war es das!

Inwie­fern konnten sich Ihre dama­ligen Mit­spieler auf Ihre Tore ver­lassen?

Die Mann­schaft konnte sich nicht darauf ver­lassen, dass ich viel laufe, aber meine Tore habe ich immer gemacht. (lacht)

Sie haben beim Ham­burger SV zusammen mit Wolfram Wuttke gespielt. Ist Ribéry nun eigent­lich der neue Wuttke in der Liga?

Ich will dem Wolfram nicht weh tun, aber an einen Ribéry kommt er nicht heran. Wolfram Wuttke ist immer quer gelaufen, das heißt von Außen­linie zu Außen­linie, damit er sich ja nicht weh tut, und hat dann sein Päss­chen gespielt. Für mich war das gar nichts, solche Fuß­baller gibt es doch zuhauf. Der Ribéry dagegen kennt nur eins: Ball am Fuß, höchste Geschwin­dig­keit, Zug zum Tor. Das ist der ent­schei­dende Unter­schied. Der Ribéry ist für mich Welt­klasse.

Glauben Sie, Jürgen Klins­mann gönnt den Bayern den momen­tanen Erfolg?

Es ist egal, ob Hitz­feld dieses Jahr Deut­scher Meister wird, Pokal­sieger wird und auch noch den UEFA-Cup holt – Klins­mann muss es doch sowieso wie­der­holen. So brutal das klingt: Wenn er zu den Bayern kommt, zählen nur die Erfolge.

Worauf freuen Sie sich, wenn Klins­mann in einem halben Jahr die Bayern über­nimmt?

Ich bin wirk­lich gespannt, ob er mit gezieltem Trai­ning ein­zelne Spieler ent­schei­dend ver­bes­sern kann. Das will ich wirk­lich wissen. Hof­fen­heim hat es ja eigent­lich schon gezeigt: Qua­lität kostet Geld und hat nichts mit Trai­ning zu tun. Dort wollten Rang­nick und Peters auch durch Indi­vi­du­al­trai­ning mit ihren jungen Spie­lern in die erste Liga. Die Wahr­heit ist: Hopp musste die Scha­tulle auf­ma­chen.

Worauf freuen Sie sich, wenn Sie an den nächsten Spieltag denken?

Ich bin ja leider Han­no­ve­raner. (lacht) Ich möchte hier end­lich wieder den Fuß­ball sehen, den ich mir vor­stelle: Kurz­pass­spiel bis zum Erbre­chen, viele Spieler, die sich daran betei­ligen, schnelles Umschalten von Abwehr auf Angriff. Dieser Fuß­ball hat mir immer Spaß bereitet, nur leider erlebe ich den nicht mehr bei 96.