11FREUNDE WIRD 20!

Kommt mit uns auf eine wilde Fahrt durch 20 Jahre Fuß­ball­kultur: Am 23. März erschien​„DAS GROSSE 11FREUNDE BUCH“ mit den besten Geschichten, den ein­drucks­vollsten Bil­dern und skur­rilsten Anek­doten aus zwei Jahr­zehnten 11FREUNDE. In unserem Jubi­lä­ums­band erwarten euch eine opu­lente Werk­schau mit unzäh­ligen unver­öf­fent­lichten Fotos, humor­vollen Essays, Inter­views und Back­s­­tages-Sto­­­ries aus der Redak­tion. Beson­deres Leckerli für unsere Dau­er­kar­ten­in­haber: Wenn ihr das Buch bei uns im 11FREUNDE SHOP bestellt, gibt’s ein 11FREUNDE Notiz­buch oben­drauf. Hier könnt ihr das Buch be­stellen.
Außerdem prä­sen­tieren wir euch an dieser Stelle in den kom­menden Wochen wei­tere spek­ta­ku­läre Repor­tagen, Inter­views und Bil­der­se­rien. Heute: Ein schwe­di­scher Ersteigst zwingt seine Spieler zur Kultur.

11 Freunde Das große 11 Freunde Buch Kopie

Ich wäre die per­fekte Ter­ro­ristin.“ Karin Wahlén grinst. Ich werde hier am Flug­hafen nicht einmal mehr kon­trol­liert. Die Leute winken mich ein­fach nur durch und sagen: Hej Karin!“ Wahlén fliegt im Moment ziem­lich viel zwi­schen Stock­holm und ihrem Hei­matort Öster­sund hin und her, was daran liegt, dass sie zwei Jobs hat. In der schwe­di­schen Haupt­stadt, in der die 35-Jäh­rige seit 16 Jahren lebt, betreibt sie eine kleine PR-Firma – und sie ist Kul­tur­coach des Erst­li­gisten Öster­sunds FK.

Nun gibt es im hoch­dif­fe­ren­zierten modernen Fuß­ball mitt­ler­weile alle mög­li­chen Berufs­bilder: Chef­trainer, Co-Trainer, Ath­le­tik­trainer, Reha­trainer, Ernäh­rungs­be­rater – was zum Geier aber ist ein Kul­tur­coach?

Selbst­ge­machtes Cross­over

Man muss dazu wissen, dass der Öster­sunds FK, gelegen am – Pardon – Arsch der Welt in der bevöl­ke­rungs­ärmsten schwe­di­schen Pro­vinz Jämt­land, kein Verein wie jeder andere ist. Der Klub übt sich seit Jahren in einem Cross­over, das in der Fuß­ball­welt ein­zig­artig ist.

In den letzten Jahren hat er ein Thea­ter­stück, ein Buch­pro­jekt, eine Kunst­aus­stel­lung und eine ans Bal­lett Schwa­nensee“ ange­lehnte Tanz­auf­füh­rung auf die Beine gestellt – wohl­ge­merkt nicht nur ver­an­staltet, son­dern selbst gemacht, und alle waren mit dabei: Spieler, Trainer, Phy­sio­the­ra­peuten, Geschäfts­stel­len­mit­ar­beiter, alle. Morgen werden sie eine neun­zig­mi­nü­tige Musik­revue auf­führen, zu der bis zu 2000 Zuschauer erwartet werden.

Sind die völlig bekloppt?

Jubel oder Aus­rucks­tanz

Noch gut dreißig Stunden bis zum Auf­tritt, und die Spieler des ÖFK tun ein letztes Mal das, wofür sie eigent­lich bezahlt werden: Fuß­ball spielen. Bezie­hungs­weise trai­nieren. Doch es ist gleich zu spüren, dass dies keine Übungs­ein­heit wie jede andere ist. Die Spieler singen bereits beim Auf­wärmen, und nach einem Tor im Trai­nings­spiel gibt es einen aus­ge­las­senen kol­lek­tiven Jubel, der an einen Aus­drucks­tanz erin­nert. Kultur ist hier alles, und alles ist Kultur.

Die Atmo­sphäre im Kader hat sich durch die Kul­tur­pro­jekte ver­än­dert“, sagte Lasse Landin. Das hat viel damit zu tun, dass die Spieler Sachen machen, die Fuß­baller und Männer nor­ma­ler­weise nicht tun.“ Landin ist der Vater von Karin Wahlén und Geschäfts­stel­len­leiter. Er ist seit der Klub­grün­dung 1996 dabei und des­halb ein guter Mann, um die wich­tigste aller Fragen zu beant­worten: Warum machen die das?

Weil wir eljest sind“

Landin, ein gütig dozie­render Ex-Lehrer, der wirkt wie ein in Ehren ergrauter Sozi­al­de­mo­krat, sagt: Weil wir eljest sind.“ Dieses aus der Gegend stam­mende Wort wird einem in den nächsten Tagen öfter begegnen. Es bedeutet eigen­sinnig“, aber auch ver­schroben“. Even­tuell nicht ganz richtig im Kopf“, das aber im besten Sinne.

Um zu erklären, wes­halb der Klub so ist, wie er ist, holt Landin ein biss­chen aus. Das kann er gut. Der ÖFK, wie ihn die Fans nennen, ent­stand vor zwanzig Jahren als Fusi­ons­klub zweier mit­tel­mäßig erfolg­rei­cher ört­li­cher Ver­eine. Anfangs haben wir noch darauf gehofft, dass irgend­wann ein Mil­lionär vor­bei­kommt“, sagt Landin. Aber natür­lich kam keiner.

2010 nahm der Klub all sein Geld zusammen, um den großen Wurf zu landen – und stieg von der dritten in die vierte Liga ab. Danach blieben vom alten Vor­stand noch Landin und der jet­zige Prä­si­dent Daniel Kind­berg übrig, und eine Erkenntnis gab es gratis dazu: Dieses Rat­ten­rennen hat keinen Zweck. Wir müssen es irgendwie anders machen.“