Ein biss­chen war es ges­tern Abend so, als sei der große Fuß­ball in die deut­sche Haupt­stadt zurück­ge­kehrt. Der Gegner trug einen pro­mi­nenten Namen – Gala­ta­saray Istanbul, das Spiel wurde live im öffent­lich-recht­li­chen Fern­sehen über­tragen und auch die Kulisse war da: 62.612 Zuschauer. Obwohl der Anlass »nur« der vierte Spieltag der Grup­pen­phase des Uefa-Pokals war, so erin­nerte der Rahmen an jenen Herbsttag vor neun Jahren, als Hertha in der Cham­pions League im Olym­pia­sta­dion gegen den­selben Gegner gespielt hatte. Damals verlor Hertha 1:4, ges­tern etwas unglück­lich mit 0:1 (0:0). Wäh­rend die Gäste bereits die Zwi­schen­runde im Februar erreicht haben, droht Hertha das Aus. Um das zu ver­hin­dern benö­tigt Hertha am 18. Dezember bei Olym­piakos Piräus einen Sieg.



Ent­gegen schlimmsten Befürch­tungen musste Her­thas Trainer Lucien Favre nicht gleich drei Stamm­spieler ersetzen. Wäh­rend Andrej Woronin auf­laufen und der ange­schla­gene Cicero zumin­dest auf der Ersatz­bank Platz nehmen konnte, fiel ledig­lich Maxi­mi­lian Nicu aus. Neu ins Team rückte Marko Pan­telic. Der Serbe war es auch, der bereits nach fünf Minuten einen ersten Schuss auf das Gehäuse der Türken abgab.

Auf den kom­pli­zierten Platz­ver­hält­nissen ent­wi­ckelte sich ein mun­teres Spiel­chen, was vor allem an den offensiv aus­ge­rich­teten Geg­nern lag. Im Ball­be­sitz suchte Gala­ta­saray sofort den direkten Weg in die Spitze. Nur mit ver­einten Kräften konnte Her­thas Abwehr­ver­bund nach zwölf Minuten Istan­buls Stür­mer­star Milan Baros am Tor­schuss hin­dern. Der Tscheche, der am Wochen­ende in der tür­ki­schen Meis­ter­schaft drei Tore erzielt hatte, berei­tete der Inner­ver­tei­di­gung des Bun­des­li­gadritten immer mal wieder Pro­bleme. Nach zwanzig Minuten ver­hin­derten dann die Fin­ger­spitzen von Her­thas Tor­wart gleich zweimal hin­ter­ein­ander die Füh­rung der Gäste. Jaroslav Drobny lenkte jeweils die Schüsse von Gala­ta­sa­rays Spiel­ma­cher Lin­coln am Tor vorbei.

Leb­lose Außen­bahnen

Die Spiel­an­lage der Türken wirkte reifer. Die Gäste ent­wi­ckelten mehr Zug zum Tor. Hertha war zwar bemüht, aber den Ber­li­nern unter­liefen einige Unge­nau­ig­keiten im Spiel­aufbau, sodass sich den Gästen immer wieder gefähr­liche Kon­ter­chancen boten. Ins­be­son­dere Raf­fael und Ebert auf den Außen­bahnen konnten das Spiel der Ber­liner nicht nach­haltig beleben. Nach einer halbe Stunde hatte die Mann­schaft des frü­heren Bun­des­li­ga­trai­ners Michael Skibbe voll­ends die Kon­trolle über Ball und Spiel gewonnen. Kurz vor dem Halb­zeit­pfiff hatte Hertha Glück, dass der ita­lie­ni­sche Schieds­richter Riz­zoli nicht auf Straf­stoß ent­schied, nachdem Gojko Kacar den frü­heren Schalker Lin­coln auf Höhe der Straf­raum­grenze von den Beinen geholt hatte. Riz­zoli unter­stellte Lin­coln eine Schwalbe und zeigt ihm Gelb.

Hertha musste das Spiel gewinnen, so viel war bereits vor dem Duell mit dem 17-maligen Tür­ki­schen Meister klar. Doch es bedurfte erst einer ein­dring­li­chen Halb­zeit­an­sprache Favres, dass dies auch auf dem Rasen zu sehen war. Favres Mann­schaft wurde druck­voller. Nach einer Stunde bot sich Hertha die bis dahin beste Tor­chance, die aller­dings Woronin und Pan­telic im Zusam­men­spiel ver­ten­delten. Kurz darauf ver­ließ Pan­telic das Feld, für ihn kam Cicero. Hertha hatte in dieser Phase mehr Spiel­an­teile und auch die gefähr­li­cheren Aktionen. Einen Distanz­schuss von Kacar konnte Tor­wart de Sanctis nur mit Mühe zur Ecke lenken.Beinahe im Gegenzug fiel das 1:0 für Gala­ta­saray. Bei dem Ver­such eine Flanke von Kewell zu unter­binden, bekam der ein­ge­wech­selte Steve von Bergen den Ball an den Unterarm, was der Schieds­richter als absicht­li­ches Hand­spiel aus­legte. Den Elf­meter ver­wan­delte Baros sicher. Hertha stemmte sich nur mit Mut gegen die Nie­der­lage. Istan­buls Ver­tei­diger Servet kratzte einen Schuss Kacar von der Linie, anschlie­ßend lenkte Tor­wart de Sanctis einen Kopf­ball von Josip Simunic über die Latte. Am Ende blieb es beim 0:1 und für Hertha die Erkenntnis, viel­leicht zu spät erwacht zu sein. So ist es ein weiter Weg bis zum ganz großen Fuß­ball.