11FREUNDE am Morgen

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Neuer Anfang. Wenig über­ra­schend ist ges­tern Hansi Flick als neuer Bun­des­trainer vor­ge­stellt worden. Nach all den froh­ge­muten Depe­schen, die ins­be­son­dere Manager Oliver Bier­hoff in den letzten Wochen in den Medien gestreut hatte, war die als­bal­dige Ver­pflich­tung des Bayern-Trai­ners erwartet worden und löste weniger Euphorie aus, als viel­mehr die all­ge­meine Gewiss­heit, dass die best­mög­liche Lösung für alle Seiten gefunden worden ist. Womög­lich hätten Jürgen Klopp oder Julian Nagels­mann etwas mehr Auf­bruch­stim­mung rund um die Natio­nalelf ver­breitet als der grund­so­lide Hansi Flick. Aber beide Kan­di­daten haben beruf­lich noch zuviel vor, um sich jetzt schon aus dem Klub­fuß­ball zurück­zu­ziehen und ins zweit­höchste Staatsamt hinter Merkel ein­zu­ziehen.

Aber Flick ist keine Not­lö­sung, son­dern womög­lich genau die rich­tige Wahl für die gegen­wär­tige Lage der Natio­nalelf. Denn weder Klopp noch Nagels­mann hätten etwas daran geän­dert, dass sich die deut­sche Aus­wahl auf abseh­bare Zeit aus einem arg über­schau­baren Pool an her­aus­ra­genden Talenten bedenen können wird. Frank­reich, Spa­nien und Eng­land ver­fügen der­zeit über eine gera­dezu ver­schwen­de­ri­sche Zahl von jungen Aus­nah­me­kön­nern. Die deut­sche Elf hin­gegen zahlt gerade und in den nächsten Jahren den Preis für Nach­läs­sig­keiten und Fehl­ent­wick­lungen in der Nach­wuchs­för­de­rung.

Und gerade des­halb braucht es jetzt einen, der auch ver­steckte Talente ent­deckt, der einen Sinn fürs Prag­ma­ti­sche hat und der weiß, wie sehr sich Teams an sich selbst berau­schen können, wenn sie sich als Gemein­schaft ver­stehen und nicht nur als Ensemble her­aus­ra­gender Ein­zel­könner. Hansi Flick kann das, er hat es nicht nur bei den Bayern bewiesen. Und des­halb war ges­tern ein guter Tag für die Natio­nal­amnn­schaft. End­lich mal wieder.

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Inves­toren

Mal was anderes! Rus­si­sche Mil­li­ar­däre, Staats­fonds vom per­si­schen Golf, thai­län­di­sche Unter­nehmer – Inves­ti­tionen in eng­li­sche Fuß­ball­klubs sind längst ein glo­bales Ver­gnügen. Und nun sind mal zwei Schau­spieler dran, näm­lich Rob McEl­henney („It´s always sunny in Phil­adel­phia“) und Ryan Rey­nolds aus dem Marvel-Smashhit Dead­pool“. Die beiden wollen beim Fünft­li­gisten Wrexham ein­steigen, und all das bloß, weil McEl­henney bei Net­flix mal in die melo­dra­ma­ti­sche Fuß­ball-Serie Sun­der­land Til I Die” rein­ge­schaut habe. Inzwi­schen haben die beiden immerhin schon zwei Mil­lionen Pfund inves­tiert und ver­künden nun, größten Respekt vor Klub­tra­di­tionen, Farben und Befind­lich­keiten des Klubs zeigen zu wollen. Statt­dessen zeigten sie nun eine nette Gruß­bot­schaft an die Anhänger und kün­digten an, dass eine Doku­men­ta­tion über den Klub gedreht werde. Die Wrexham-Fans wissen der­weil kaum, wie ihnen geschieht. Es ist halt fast wie im Film. Aber hof­fent­lich erfolg­rei­cher als in der Sun­der­land-Doku.

Zitat des Tages

Es ver­bietet sich über Platz vier zu spre­chen“

Sprach HSV-Sportvorstand Jonas Boldt auf der Vorstellungs-Pressekonferenz für den neuen Coach Tim Walter. Der hielt sich allerdings nicht an die Etikette und stellte fest: „Platz vier ist kein Ziel“.
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Fremd­schämen

Effen­berg am Dopafon. Am Sonntag war es an mir vor­über­ge­gangen, ges­tern aber wurde sie mir nochmal in die Time­line gespült: die reich­lich bizarre Reak­tion von Stefan Effen­berg auf eine Äuße­rung des per Video zuge­schal­teten Bremer Geschäfts­füh­rers Frank Bau­mann im Dop­pel­pass. Der hatte um Ver­ständnis dafür geworben, Flo­rian Koh­feldt nicht schon früher gefeuert zu haben und in dem Zusam­men­hang Effen­berg en pas­sant als einen ordent­li­chen Spieler“ bezeichnet. Was Effen­berg allen Ernstes als Gering­schät­zung begriff und grimmig darauf insis­tierte, viel­leicht sei Bau­mann früher ein ordent­li­cher Spieler gewesen, für ihn hin­gegen sei das doch ein biss­chen unter­trieben“. Und wir saßen wieder mal vor dem Fern­seher und schämten uns fremd und dachten, was für über­le­bens­große Kom­plexe Stefan Effen­berg doch haben muss.

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Trick 17

Trick 17. Der Keeper des fran­zö­si­schen Erst­li­gisten Stade Brest lie­ferte am Wochen­ende die Blau­pause, um künftig selbst erfah­rene Elf­me­ter­schützen zu ver­un­si­chern. Als der Referee im Spiel gegen PSG einen Straf­stoß pfiff, lau­erte Tor­hüter Lar­son­neur nicht wie sonst mittig auf Ney­mars Rich­tungs­ent­schei­dung, son­dern posi­tio­nierte sich derart weit rechts im Kasten, dass die gäh­nend leere linke Ecke Neymar anzu­schreien schien: Bitte­bitte­bitte schieß hierher! Neymar fiel auf den Bau­erntrick hinein, tat wie geheißen und ver­bal­lerte den Elfer. Beim nächsten Mal lehnt der Keeper sicher am Tor­pfosten und lässt sich noch ein Täss­chen Tee ser­vieren.

Ges­tern ver­kün­dete ich bereits vor­eilig das Ende der Saison. Als Bie­le­feld-Anhänger ist eine solch ver­engte Per­spek­tive viel­leicht ver­ständ­lich, aber für viele Fans anderer Klubs geht es ja weiter. Bei­spiels­weise für Kieler und Kölner, die heute Abend zum ersten Rele­ga­ti­ons­spiel nochmal vor den Fern­seher müssen. Sollten die Dom­städter am Ende in der Bun­des­liga bleiben, ver­ab­schiedet sich Fried­helm Funkel absolut und end­gültig in den Ruhe­stand. Bis wieder einer anruft.

Einen schönen Mitt­woch wünschtPhilipp Köster