Da sitzt er, am Rand, und beob­achtet alles und jeden. Spre­chen will der Bun­des­li­ga­trainer auch nach dem Spiel nur gele­gent­lich, lieber eine rau­chen. So war das Bild des vor 20 ver­stor­benen Ernst Happel, auch des­wegen ist der Grantler aus Wien Kult. Auf diese Weise könnte man aber heute nicht mehr auf­treten.

Früher gab es Übungs­leiter, dann wurde daraus der Trainer und in der heu­tigen Zeit muss man fast schon vom Manager spre­chen“, sagt Frank Wormuth. Er leitet die Trai­ner­aus­bil­dung beim Deut­schen Fuß­ball-Bund (DFB), wer einen Pro­fi­klub trai­nieren will, benö­tigt die Fuß­ball­lehrer-Lizenz. Und kann beim Erwerb eine Menge lernen. Wenn er will.

Sozi­al­kom­pe­tenz ist wichtig“

In der Aus­bil­dung haben wir ein Modell mit acht Kom­pe­tenzen auf­ge­stellt. Die Fach­kom­pe­tenz ist so selbst­ver­ständ­lich, dass man sie schon gar nicht mehr erwähnen muss“, sagt Wormuth. Aber die muss man auch den Spie­lern mit­teilen können, was sich in der Ver­mitt­lungs- und Sprach­kom­pe­tenz wider­spie­gelt. Weiter spielt die Sozi­al­kom­pe­tenz eine immer grö­ßere Rolle.“

Ein Spieler braucht eine klare, ein­ge­grenzte Anwei­sung, der andere kann kom­ple­xere Anfor­de­rungen erfüllen. Von ehe­ma­ligen Profis, die auch Trainer werden wollen, werden Wormuth und die modernen Inhalte bis­weilen belä­chelt. Sie wüssten doch aus eigener Erfah­rung, worauf es im Fuß­ball wirk­lich ankomme. Jens Leh­mann sagt, er habe als Spieler des FC Arsenal bei Arsène Wenger so viel gelernt, dass er morgen eine Mann­schaft trai­nieren könne. Seinen Trai­ner­schein wollte er in Wales machen, der DFB ver­wei­gerte jedoch die Frei­gabe. Wir wollen keinen Lizenz-Tou­rismus“, sagte DFB-Sport­di­rektor Mat­thias Sammer.

Es wäre inter­es­sant, einer Kabi­nen­an­sprache Leh­manns zu lau­schen. Der mün­dige Spieler will inzwi­schen mit Argu­menten über­zeugt werden, wenn er bei­spiels­weise auf der rechten Seite offen­siver sein soll. Auch der Mit­ar­bei­ter­stab, vom Co-Trainer bis zum Phy­sio­the­ra­peuten, besteht nicht aus bloßen Befehls­emp­fän­gern. Da kann eine Aus­bil­dung, in der Ele­mente aus der Psy­cho­logie und der Päd­agogik vor­kommen, von Vor­teil sein. Ein Bun­des­li­ga­trainer ist ein lei­tender Ange­stellter mit großem Auf­ga­ben­be­reich. Neben der Füh­rungs­kom­pe­tenz wird die Medi­en­kom­pe­tenz immer wich­tiger. Die Medi­en­ar­beit erfor­dert unheim­lich hohen Auf­wand“, sagt Wormuth.

Ein Trainer wie Lever­ku­sens Robin Dutt muss schon gute Nerven haben, um noch dem tau­sendsten Fra­ge­steller eines lokalen Radio­sen­ders zu erklären, was denn nun mit Michael Bal­lack sei. Wir halten ent­spre­chend auch Rhe­torik- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kurse ab, natür­lich nicht in der Inten­sität wie in der freien Wirt­schaft.“ Für das Image des Trai­ners ist auch ent­schei­dend, wie er vor dem Mikrofon auf­tritt und wel­ches Bild von ihm in den Medien trans­por­tiert wird. Otto Reh­hagel insze­niert sich als ober­schlauer Dampf­plau­derer, Thomas Tuchel ist der Tak­tik­tüftler, Jürgen Klopp der authen­ti­sche Fuß­ball­kumpel.

Huub Ste­vens ist der Knurrer aus Kerk­rade und über­rascht, wenn er wenige Minuten vor einem Bun­des­li­ga­spiel einem aus­län­di­schen Fern­seh­sender auf Eng­lisch gut gelaunt erklärt, worin der spe­zi­elle Reiz der heu­tigen Partie liege. Ent­schei­dend ist eh auf dem Platz, die schönste Zeit für jeden Trainer ist laut Wormuth ohnehin, wenn 90 Minuten oder zwei Stunden Trai­ning ist. Da werde der Trainer in Ruhe gelassen und könne mit den Spie­lern auf dem Platz arbeiten. Das ist aber nur noch ein Teil des Berufes.

Auch wichtig: Netz­werk-Kom­pe­tenz

Es ist bei­spiels­weise nicht leicht zusam­men­zu­fassen, was in der Aus­bil­dung als Ich-Kom­pe­tenz bezeichnet wird, eine Prü­fung dar­über gibt es nicht. Viele der im Modell­dia­gramm getrennten Kom­pe­tenzen fallen zusammen. Wir arbeiten ganz­heit­lich in unserer Aus­bil­dung, so dass all die Kom­pe­tenzen in einer The­matik oft gleich­zeitig abge­han­delt werden“, sagt Frank Wormuth. Wichtig sei auf jeden Fall die Netz­werk-Kom­pe­tenz. Egal, wie wir aus­bilden, wenn man kein Netz­werk hat, kommt man nur schwer hoch. Das gilt auch umge­kehrt: Egal, wie viele Defi­zite ein Kan­didat auf­weist, mit einem guten Netz­werk ist die Chance erhöht, oben zu trai­nieren.“

Also kommt es doch wei­terhin mehr auf die Bezie­hungen im realen Leben (auch die zeugen von sozialer Kom­pe­tenz) an? Bringt es mehr, sich bei Sport­di­rek­toren beliebt zu machen und die vielen Kom­pe­tenzen im Sinne der legen­dären Erläu­te­rung Edmund Stoi­bers ein­fach Kom­pe­tenz­kom­pe­tenzen sein zu lassen? Auch für die Ver­eins­ma­nager for­dert Oliver Bier­hoff, der Manager der Natio­nal­mann­schaft, eine Qua­li­fi­zie­rungs­maß­nahme. Mög­lich wäre dies auch per Fern­stu­dium, Haupt­sache neues Wissen wird ver­mit­telt. Die Berufs­bilder im Fuß­ball­ge­schäft werden auf jeden Fall kom­plexer, eine Aus­bil­dung kann das nur theo­re­tisch abbilden. Natür­lich wissen wir, dass in den Lehr­gängen die realen Situa­tionen bei allem Pra­xis­bezug nicht nach­ge­stellt werden können“, sagt Frank Wormuth. Wir können aber wert­volle Hin­weise geben.“

Es bleibt offen, welche dau­er­haften Aus­wir­kungen die Ver­mitt­lung dieser Inhalte und die Hin­weise haben, die Mathe­kennt­nisse aus dem Abi benö­tigt man schließ­lich auch nicht mehr. Um den Unter­schied zwi­schen Theorie und Praxis weiß natür­lich auch Chef­aus­bilder Wormuth. Wir scheuen uns nicht, jemandem zu sagen, wenn er mit den Händen in der Hosen­ta­sche nicht so gut wirkt. Dass viele den­noch irgend­wann in alte Muster zurück­fallen, ist eine andere Geschichte.“ Jens Leh­mann wird das auch wissen.