TOR­WART

Jens Leh­mann: For­scher fanden kürz­lich heraus, dass Jens Leh­mann noch häu­figer wider­spricht als Mat­thias Sammer. Dabei sei sein Nör­gelton etwa 20 Dezibel höher als der von Sammer und die Lebens­freude somit um 23,6 Pro­zent nied­riger. Daniel Düsen­trieb riet nun in Absprache mit Disco Stu und Pro­fessor Frink: Jens, schreib mal ein Buch! Jens, leg dich mal in die Hän­ge­matte! Jens, stu­diere unter der Woche Zen Bud­dhismus. Jens, ruhig Blut, Brauner!



ABWEHR

Robert Kovac: War doch alles nicht so wild, sagte Robert Kovac im Spie­ler­tunnel, »ich habe dem Schiri nur gesagt, dass er sich ins Hemd macht.« Nun, Herr Kovac, einen, der älter ist als fünf Jahre, des unge­wollten Uri­nie­rens zu bezich­tigen, noch dazu in aller Öffent­lich­keit, ist nicht gerade die gute alte Stube. Auch kann man dann nicht ernst­haft erwarten, dass dieser ver­meint­liche Ein­nässer vor Freude anfängt Fox­trott zu tanzen. Nicht mal der 38-jäh­rige Jochen Drees, der, nun ja, irgendwie jünger aus­sieht. Aber eben nicht so jung.

Naldo: War dafür ver­ant­wort­lich, dass ein Spiel mit Betei­li­gung von Werder Bremen zum ersten Mal seit »kurz nachem Krieg« torlos endete.

Claudio Pizarro: Siehe Naldo. Bitter aller­dings: Pizarro muss sich nun für einen Aller­weltsatz ver­ant­worten. Vor Gericht, vor Zwan­ziger, vor Barack Obama, vor Kent Brockman und Roy Snyder. Oder irgendwo anders. Er sagte nach dem Spiel: »Wir haben gegen zwölf Bochumer gespielt.« Und meinte als zwölften Mann, so glauben jeden­falls die Chef­an­kläger, den Schieds­richter. Die Anwälte von Pizarro indes brachten nach sieb­zehn­stün­diger Bera­tung fol­gendes zur Ver­tei­di­gung hervor: »Unser Man­dant Claudio Pizarro, Ange­stellter des SV Werder Bremen, hatte sich nach Spiel gegen den VfL Bochum ver­zählt.«


MIT­TEL­FELD

Thiago Neves: 7,5 Mil­lionen legte der HSV für den neuen Rafael van der Vaart hin. Nach zwölf Spielen fragen wir uns: Ist er eigent­lich schon in Ham­burg gelandet? Hat Bernd Hoff­mann ver­gessen, ihn am Flug­hafen abzu­holen? Oder hat er seinen Haus­tür­schlüssel ver­loren und steht seit zwei Monaten vor seiner neuen Woh­nung? Eine kleine Recherche eif­riger Redak­ti­ons­kipp­spechte ergab: Gegen Han­nover durfte Neves 15 Minuten spielen – in gol­denen Schuhen und mit blonden Strähn­chen im Haar. Gegen Dort­mund saß er 90 Minuten auf der Bank. Warum? »Das Risiko konnte ich nicht ein­gehen«, sagte Martin Jol, »wir sind hier schließ­lich nicht in der Ober­liga.« Womit wir auch wissen, wie man »kein Ver­trauen« per­fekt in einem Satz ver­klau­su­lieren kann.

Marko Marin: »Fliegst du gleich vom Platz oder ist noch mit dir zu rechnen?«, fragte Hans Meyer den Bei­nahe-EM-Teil­nehmer Marin nach einem üblen Foul in der ersten Hälfte. Trainer, Trainer, mit mir ist zu rechnen, keuchte Marin. Danach wir­belte er über den Platz wie ein Brumm­kreisel. Oder wie einst Sergej Kiriakov. In der Cham­pa­gner­loge war man so ver­zückt, dass man über­legte, Marin als mensch­ge­wor­denes Tisch­feu­er­werk für die kom­mende Sil­ves­ter­party anzu­mieten.

Willi Sanou: Schoss im Spiel gegen Han­nover das ent­schei­dende Tor und machte danach den Klose in kom­pli­ziert. Her­nach drohte er: »Wenn ich wieder ein Tor mache, zeige ich einen anderen Salto!« Er habe »noch mehr Krea­tionen drauf«. Man mun­kelt, dass Sanou in der Grund­schule Köln-Porz bereits Matte, Tram­polin, Ringe und Barren abge­holt habe, um nach seinem nächsten Tor am Sei­ten­rand eine form­voll­endete Sport­gym­nastik-Per­for­mance hin­zu­legen (unter dem Trikot kein Jesus-Shirt, son­dern ein Turn­vater-Jahn-Gedächtnis-Träger-Hemd­chen).

Alek­sandr Iash­vili: »Von der Ein­stel­lung her stimmt die Ein­stel­lung.« Das war bei Iash­vili schon immer so. Doch mit den Toren haperte es seit jeher. Beim KSC spielte er in der ver­gan­genen Saison 28-mal. Er schoss: kein Tor. Diese Saison schien zur Kopie der letzten zu werden: zehn tor­lose Spiele. Doch nun ist end­lich der Knoten geplatzt. Wie ist das schön, jubelt Iash­vili nun und die KSC-Fans sind sich sicher: vom Fee­ling her bestimmt ein super Gefühl!


STURM

Gra­fiet­schiiii: Seit Wochen wird in Lin­gu­istik-Fach­kreisen über die rich­tige Aus­sprache seines Namens ver­han­delt. Wie das so ist bei Leuten, die nicht Meier, Schmidt oder Bock heißen. Und wie das damals schon bei Demi­chelis dem Mode­rator Jörg Won­torra Kopf­zer­bre­chen berei­tete: »Man spricht ihn ›Demit­schelis‹ aus, wie ›Schule‹.« Nun sollte der Gra­fite-Namen­dis­kus­sion ein Ende gesetzt werden. Die Süd­deut­sche Zei­tung berich­tete heute, der Wolfs­burger Stürmer heiße nicht »Gra­fitte«, son­dern »Gra­fietsch«. Seinem Trainer ist es herz­lich egal, auch wenn die Süd­deut­sche Zei­tung eigent­lich nie irrt. Magath nennt ihn weder »Gra­fitte« noch »Gra­fietsch«. Er sagt: »Gra­fiet­schiiiii«. Und da »Felix Magath der letzte Dik­tator Europas« (Bachirou Salou) ist, werden wir einen Teufel tun und dem SZ-Experten-Rat ver­trauen. Für 11Freunde heißt er: »Gra­fiet­schiiii«. Allein über die »i«-Anzahl besteht noch Dis­kus­si­ons­be­darf. Oder ist es gar ein »ie«?

Andrej Woronin: Ist sich für die nächsten Wochen Strei­chel­ein­heiten der Tra­di­tions-Gün­ters, der Eck­kneipen-Harrys, der Ultra-Maiks und Kut­ten­träger-Knuppes sicher. Er zeigte, dass es geht: Hof­fen­heim besiegen. Danke Andrej!

Vra­tislav Lok­venc: Sie kennen ihn aus Ver­einen wie 1. FC Kai­sers­lau­tern und VfL Bochum. Nun ist er zurück und lei­tete mit seinem Tor die erste Heim­nie­der­lage des FSV Mainz ein. Da fragt man sich doch: Was machte der große Lok­venc eigent­lich zuletzt? Acht Monate stand er beim FC Basel unter Ver­trag. Sieben davon pen­delte er zwi­schen Bank und Tri­büne. Den Rest der Zeit ver­prasste er ein­fach – beim Kopf­ball­trai­ning.


TRAINER

Jürgen Klopp: Der­wischte nach dem Spiel in Ham­burg auf Schieds­richter Jochen Drees zu und zerrte Tamas Hajnal am Kragen weg wie Hulk Hogan anno 1990 Macho Man Randy Savage. Danach bäumte er sich wild ges­ti­ku­lie­rend und Gri­massen zie­hend vor Drees auf. Sie­ben­und­zwanzig Worte in der Sekunde sollen aus seinem Mund gefallen sein, Hajnal indes ver­suchte all die beson­ders schlimmen auf dem Rasen wieder auf­zu­sam­meln – Beweis­ma­te­rial ver­nichten. Klopp faselte später etwas von »Situa­tion beru­higen« und »Spieler schützen«. Nach der Roten Karte für Kovac gab er sich aller­dings geläu­tert: »Ich habe bereits ange­ordnet, dass sich ab sofort keiner unserer Spieler oder Funk­tio­näre nach dem Abpfiff in der Nähe des Schiris auf­hält.« Nur der Trainer.


ERSATZ

Kevin Kuranyi: Schluchzte am Wochen­ende leise in die Mikro­fone der Karla Kolumnas und »Bild«-Reporter: »Ich bin erst 26 und hoffe meine Natio­nal­mann­schafts­kar­riere ist noch nicht vorbei.« Hallo? Jemand zu Hause? Mehr vorbei ist nicht mal die Box­kar­riere von Rocky Balboa. Aller­höchs­tens die Pro­fisch­wimm­kar­riere von Bud Spencer.