Seite 2: Spiele, die man von der Festplatte löschen möchte

Die Saison begann für uns trotz aller dagegen spre­chender Wahr­schein­lich­keiten allein wegen der Rück­kehr des hei­ligen Pizarro latent eupho­risch. Er und Cle­mens Fritz sollten einen bunten Haufen, teils eta­blierter, teils sehr junger Profis, mög­lichst weit von der Abstiegs­zone und – hinter vor­ge­hal­tener Hand – mög­lichst lange für ganz andere Aben­teuer der Marke Europa im Spiel halten. Es offen­barte sich jedoch recht schnell ein außer­ge­wöhn­li­ches Unver­mögen, Kon­stanz auf­zu­bauen und sicht­bare sport­liche Ent­wick­lung an den Tag zu legen. Ein­kal­ku­lierte und für den Klas­sen­er­halt not­wen­dige Punkte gegen Auf­steiger wurden fast gänz­lich lie­gen­ge­lassen und Spiele, die man augen­schein­lich ein­tüten“ hätte müssen, wurden in Regel­mä­ßig­keit nicht gewonnen.

Das große Rätsel für jeden Werder-Fan

Ein paar wenige High­lights gegen Schwer­ge­wichte der Liga und im Pokal täuschten nicht dar­über hinweg, dass hier ins­ge­samt etwas nicht stimmte. Mein Gefühl über die gesamte Spiel­zeit: Diese Mann­schaft und ihr Trainer ver­sagten auf kaum erklär­bare Weise in ihrer Kon­stanz – nicht aber in ihren grund­sätz­lich poten­zi­ellen cha­rak­ter­li­chen und qua­li­ta­tiven Mög­lich­keiten. Dieses Emp­finden hält sich in mir bis heute und gibt mir abso­lute Rätsel auf.

Wie eine VfB-Anhän­gerin den Abstieg erlebte »

Gefühlt befinden wir uns seit Jahren im Abstiegs­kampf mit anderen und uns selbst . Seit dem Ende der Ära Schaaf wehren wir uns mit Händen und Füßen gegen einen mäch­tigen Abwärts­strudel. Erst mit Robin Dutt (aus heu­tiger Sicht wirk­lich kaum noch zu ver­mit­teln) und dann mit Viktor Skripnik. Viele Wer­de­raner dachten und hofften, das alles wären über­gangs­ar­tige Sze­na­rien. Man hielt sich und die Liebe zum Verein mental irgendwie über Wasser. Sei es mit dem Glauben an einen, durch die sport­liche Lei­tung in Person von Thomas Eichin aus­ge­klü­gelten Plan von ruhm­rei­chen Koope­ra­tionen mit aus­län­di­schen Rekord­meis­tern oder im Sta­dion bei groß­an­ge­legten Abschieds­spielen ver­dienter Ver­eins­le­genden. Dann heulte man gemeinsam, wäh­rend sich unten Fuß­ball-Fran­zosen oder Bra­si­lianer mit großen Namen und kleinen Bäu­chen die Bälle hin- und her­schoben. Man hielt zusammen und hielt es aus. Es sollte ja nur eine Phase sein, ein Über­gang, hin­über und zurück ins Licht.

Kein Stück weiter

Irrtum! Zum Ende der Saison 2015/2016 scheint man in Bremen kein Stück weiter gekommen zu sein. Eine Mann­schaft, deren Kader nomi­nell locker im Mit­tel­feld der Liga den Anker hätte werfen könnte und sollte, stol­perte durch die Sta­dien und ließ weiter alles liegen, was nicht von allein ins Tor fiel. Nach wie vor der ein oder andere Licht­blick, der die Halb­wert­zeit von zwei Spielen aber kaum über­stand. Hier und da ein paar wenige starke Leis­tungen gegen Top-Mann­schaften, aber all zu eben fuß­bal­le­risch und/​oder kämp­fe­risch deso­la­teste Dar­bie­tungen, die man ein­fach nur von seiner Fest­platte löschen möchte.