Seite 3: „Viktory Skripnik“ am Boden der Tatsachen

Trainer und Mann­schaft singen mehr­stimmig im Kanon von der regel­mäßig ver­passten Chance“, dem andau­ernden nicht ganz hell­wach“ und dem trü­ge­ri­schen nach vorne schauen müssen„. Alles wirkt ratlos – die Mann­schaft sowieso und der Trainer erst recht. Das Trai­ner­team Skripnik, Frings & Koh­feldt lin­dert die Zweifel an der Erst­li­ga­taug­lich­keit Werder Bre­mens in dieser Spiel­zeit mit­nichten. Fehler in Serie. Der furios gestar­tete Viktory Skripnik“ ist am Boden der Tat­sa­chen. 

Fach­liche Fehler, viele Alt­lasten

Als Rea­list mit gewissem Empa­thie­ver­mögen kann ich all diese frus­trie­renden Zeug­nisse des Nie­der­gangs natür­lich nicht explizit auf Mann­schaft und Trainer schieben. Klar, bei der Moment­auf­nahme und in Anbe­tracht der letzten Monate oder dieser Saison muss man den han­delnden Per­sonen einen Groß­teil der Ver­ant­wor­tung zuspre­chen. Aber dieser Verein hat, neben über Jahre anhal­tenden fach­li­chen Feh­lern, mit Alt­lasten mone­tärer, struk­tu­reller und per­so­neller Art zu kämpfen, die man nicht so ein­fach weg­steckt. Weder sub­stan­ziell noch sport­lich.

Es wird sei­tens vieler Anhänger mitt­ler­weile gern das Bild gezeichnet, nichts ginge voran und es herr­sche die abso­lute Reform­blo­ckade – dem ist nicht so. Defi­nitiv gerieren sich nach wie vor ein­zelne Ver­ant­wort­liche als würden sie am liebsten immer noch den ganzen Tag in Rit­ter­rüs­tung her­um­laufen und natür­lich klam­mern sich nicht wenige an die nach wie vor all­ge­gen­wär­tige Romantik der Wer­der­fa­milie“.

Mit etwas Ein­blick gelangt man sehr schnell zu der Erkenntnis, dass gerade intern, im Herzen des Ver­eins, der Geschäfts­stelle und allen Abtei­lungen radi­kale Umbrüche statt­finden, die so ein Apparat erst einmal ver­kraften muss. Reformen wurden ein­ge­leitet und müssen weiter vor­an­ge­trieben werden, aber viele der gern aus­ge­ru­fenen For­de­rungen nach Erneue­rung, anderen Wegen und Köpfen halte ich schlichtweg für illu­so­risch. Mit­glieder und Mit­ar­beiter in so einem Verein müssen mit­ge­nommen werden, sonst bricht das Gebilde aus­ein­ander. Trag­weite und Aus­maße dessen, was Werder Bremen dies­be­züg­lich in der jün­geren Ver­gan­gen­heit täg­lich durch­macht, scheinen nur wenigen klar zu sein. Der viel­ge­prie­sene Werder-Weg“ sieht nach außen sehr han­sea­tisch und besonnen aus – er tut aber richtig weh. 

Werder ist mitt­ler­weile am Arsch

Der Verein ver­süßt dir die Zeit nicht mehr oft, son­dern er raubt sie dir. Er gibt dir keinen Halt, son­dern ver­un­si­chert dich. Werder ist, und daran ändert aus meiner Sicht auch eine Viel­zahl begeis­ternder Fan­ak­tionen der jün­geren Ver­gan­gen­heit leider rein gar nichts, gefühlt ganz unten ange­kommen: Dort wo es schmutzig ist, wo du nur noch Pech hast und benach­tei­ligt wirst. Werder ist am mitt­ler­weile Arsch. Dass dies nun wenigs­tens noch der Arsch der Bun­des­liga ist, abso­luter Wahn­sinn. Nun ist Pause, und wie auch immer es weiter geht in Bremen – ich bin Wer­derfan, aber ich brauche für das alles jetzt mal nen Moment. 

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Lars Kra­nen­kamp bloggt u.a. über Werder unter bur​ning​bush​.de – bei Twitter findet ihr ihn HIER.