Der Kokser“ tritt ab. Beim VfL Alfter. Wald­sta­dion, 1500 Plätze, 15 Auto­mi­nuten vom Zen­trum der Bun­des­stadt Bonn ent­fernt. Mit­tel­rhein­liga. Ich ha­be – ein­ge­rech­net mei­ner Tä­tig­keit in der Ju­gend­ab­tei­lung des Bon­ner SC – neun Jah­re im Ama­teur­be­reich trai­niert. Das ist lan­ge ge­nug. Nun möch­te ich sport­lich den näch­sten Schritt tun und wie­der hö­her­klas­sig ar­bei­ten. Das ist mein An­spruch“, so Jürgen Kohler.

Der Welt­meister, Cham­pions League-Sieger und das Stop-Schild auf dem Fuß­ball­platz“, wie die Frank­furter All­ge­meine einmal schrieb. Alles auf Anfang. 
Die Spieler-Kar­riere begann in der Jugend beim hei­mi­schen TB Jahn Lambs­heim. Kohler galt als talen­tiert, spielte in der Kreis- und Süd­west­aus­wahl seiner pfäl­zi­schen Heimat. Die großen Ver­eine der Umge­bung über­sahen ihn trotzdem. 

Der teu­erste Abwehr­spieler der Bun­des­liga

Also nahm er sein Schicksal selbst in die Hand, klopfte als 15-Jäh­riger und von sich aus beim SV Waldhof Mann­heim an und zog das große Los. Der dama­lige Kapitän Günter Sebert wusste es sofort: Als er zum Kader stieß, da sah man schon, dass das einer wird.“

Und was das für einer wurde. Auch dank Trainer und För­derer Klaus Schlappner, der das Talent in end­losen Zusatz­schichten formte. Kohler brach seine begon­nene Lehre als Kfz-Mecha­niker ab, setzte alles auf den Fuß­ball. 

Gold­staub auf der Vita

Dann ging es schnell. 1987 der Wechsel zum 1. FC Köln, für 2,3 Mil­lionen DM, als damals teu­erster Abwehr­spieler der Bun­des­li­ga­ge­schichte. Zwei Jahre später geht Kohler zu den Bayern, für über drei Mil­lionen DM. Wieder war er der teu­erste deut­sche Abwehr­spieler. Und bald auch der beste. Auf Jahre.

Berti Vogts nannte ihn 1996 sogar Europas besten Innen­ver­tei­diger“. Man kann Vogts ja einiges vor­werfen, aber in Sachen Abwehr­spieler hat der eins­tige Ter­rier noch immer das ganz große Latinum.

1996 hatte die Kar­riere vom Kokser“ aber auch längst Gold­staub auf der Vita. Welt­meister 1990, Uefa-Pokal-Sieger und ita­lie­ni­scher Meister mit Juventus Turin. Sie nannten ihn Mas­sino“, bis­siger Hund. Die Tut­to­sport urteilte: Kohler ist einer der größten Spieler, die je in Ita­lien aktiv waren.“ (Eine Bil­der­ga­lerie zu den Mei­len­steinen von Koh­lers gran­dioser Kar­riere findet ihr hier »>)

Selbst eine Magen-Darm-Grippe konnte ihn nicht stoppen

Später die Rück­kehr in die Bun­des­liga. Und obwohl von einigen schon zum Alt­eisen gezählt, blühte Kohler auf, immer und immer wieder. Wurde Meister und Cham­pions-League-Sieger mit dem BVB. Unver­gessen das Halb­fi­nal­rück­spiel bei Man­chester United 1997.

Dort­mund gewinnt wie schon im Hin­spiel mit 1:0, Kohler spielt trotz Magen-Darm-Grippe eine Eins mit Stern­chen ins Old Traf­ford, rettet gleich drei Mal auf der Linie. David Beckham, Eric Can­tona und Ryan Giggs können machen, was sie wollen – am Jungen aus Lambs­heim gibt es an diesem Abend kein vor­bei­kommen.