Hätte, wäre, wenn gibt es nicht im Fuß­ball. Manchmal fragen mich die Leute, was gewesen wäre, wenn ich den Elf­meter im End­spiel gegen Argen­ti­nien vorbei geschossen hätte. Die Frage stellt sich nicht – denn er war drin!



Erst vor kurzem habe ich noch einmal die Fern­seh­bilder des Finales gesehen. Ursprüng­lich dachte ich noch, Goy­co­chea wäre dran gewesen. Aber er hatte in Wirk­lich­keit gar keine Chance. Diesen Elf­meter, mit rechts flach ins linke Eck, hatte ich nicht spe­ziell trai­niert. Aber eine Übungs­ein­heit hat mir sehr geholfen, die ich auch jetzt mit meinem 15-jäh­rigen Sohn mache, der bei Unter­ha­ching spielt. Ich hänge vier Ringe in die Tor­ecken. Dann soll er ver­su­chen, mög­lichst oft fest hin­durch zu schießen. Das schult unge­mein, gerade im jungen Alter.

Man muss aber auch über­zeugt sein, dass man den Elfer ver­senkt. Als ich Trainer in Kai­sers­lau­tern war, spielten wir im Pokal­vier­tel­fi­nale gegen die Bayern. Lin­coln schoss schon nach zwölf Minuten einen Elf­meter an den Pfosten. Als es nach 120 Minuten immer noch 0:0 stand, ver­kro­chen sich meine Spieler, keiner außer Mario Basler wollte schießen! Da wusste ich gleich, dass das nichts wird.

Argen­ti­nien spielte nur auf Zeit

Bei der WM in Ita­lien hatten wir drei Schützen, die bereit standen. Es konnte ja immer sein, dass sich einer ver­letzte oder aus­ge­wech­selt wurde. Lothar wollte nicht, Rudi wurde gefoult, da blieb ich übrig. Ich fühlte mich sehr sicher, das große Pro­blem war nur, dass ich über zwei Minuten warten musste, bis ich den Elfer end­lich aus­führen konnte. Die Argen­ti­nier haben rekla­miert, den Ball weg geschlagen, sie haben alles ver­sucht, um mich aus der Ruhe zu bringen. Ich habe mich nur auf den Elf­meter kon­zen­triert und war dann heil­froh, als er drin war.

Argen­ti­nien hatte ja auch gar keine Chance gegen uns, nur durch zwei Siege im Elf­me­ter­schießen waren sie ja über­haupt bis ins Finale gekommen. Schon in der ersten Hälfte hätten wir drei, sogar vier Tore machen müssen. Was unfassbar war: Die Argen­ti­nier spielten von der ersten Minute an auf Elf­me­ter­schießen! Das sahen sie als ihre ein­zige Chance, im ganzen Spiel hatten sie keinen ein­zigen Eck­ball.

Diego erzählt nur Mist

Neu­lich traf ich Diego Mara­dona und der behaup­tete auch noch, wir hätten Glück gehabt damals! Ich habe ihn nur gefragt, was er denn da für einen Mist erzählt. Kein Zweifel: Wir sind völlig ver­dient Welt­meister geworden.